Tradition: Ahrensburg ist eine Stadt, in der Familien regieren

In Ahrensburg haben schon immer Familien das Sagen gehabt. Früher einmal war es die mächtige Familie Schimmelmann, die über die Stadt regiert hat; und heute ist es die mächtige Familie Levenhagen. Und wer bei dieser Feststellung nicht so ganz durchblickt, der erfährt im nachfolgenden Wortlaut, was damit gemeint ist.

Wappen von Ahrensburger Familien

Familie Schimmelmann dürfte allgemein bekannt sein, nicht zuletzt durch ihr großes weißes Herrenhaus am Eingang zur Stadt. Und die Familie Levenhagen regiert heute in der Stadt Ahrensburg und hat ihren Regierungssitz im Marstall. Familienoberhaupt Detlef Levenhagen ist Stadtverordneter und Chef der CDU-Fraktion. Und Nadine Levenhagen ist seine Tochter und Fraktionschefin der Grünen. Und wenn Familie Levenhagen – sprich Vater und Tochter – sich einig sind, dann bestimmen sie mit absoluter Mehrheit in der Stadtverordneten-Versammlung die Geschicke von Ahrensburg. Das könnte aktuell zum Beispiel eine Bebauung des stadteigenen Geländes Alte Reitbahn sein, wo in meiner Jugendzeit noch ein Jahrmarkt aufgebaut wurde, wenn das Schützenfest stattfand, und wo heute ein wichtiger öffentlicher Parkplatz für Ahrensburg ist.

Am kommenden Montag entscheidet Familie Levenhagen nun darüber, ob der Parkplatz an einen auswärtigen Investor zum Schnäppchenpreis und damit auf Kosten der Bürger verscherbelt werden soll. Hierzu zitiere ich das 3. Buch Abendblatt, dem Sprachrohr von Familie Levenhagen, wo wir über das geplante Bauobjekt auf der Alten Reitbahn wie folgt informiert werden:

„In den oberen Stockwerken sind 40 Wohnungen vorgesehen. Der Knick im hinteren Bereich des Geländes bleibt erhalten. Auf der nördlichen Seite entsteht ein weiteres Gebäude mit bis zu 19 Sozialwohnungen. Die Politiker beschlossen, die angebotene Aufstockungsoption auf drei Geschosse plus Staffel zu ziehen. Zudem soll es eine Tiefgarage mit zwei Ebenen geben – mit 110 Stellflächen für Einkäufer, 45 für Bewohner und gut 60 öffentlich zugänglichen Parkplätzen.“

Wenn ich mal versuchen darf, diesen Text zu interpretieren: In dem Wohnkomplex sind 40 Luxuswohnungen vorgesehen. Und „vorgesehen“ bedeutet keineswegs, dass die Vorsehung auch dem späteren Resultat entsprechen muss, zumal dort dieser mysteriöse Satz steht: Die Politiker beschlossen, die angebotene Aufstockungsoption auf drei Geschosse plus Staffel zu ziehen“was immer das auch zu bedeuten hat.

Besonders bemerkenswert: Es sollen „bis zu 19 Sozialwohnungen“ gebaut werden. Wohlgemerkt: „bis zu“. Das ist nicht etwa die Untergrenze, sondern das ist die Obergrenze, und es ist völlig unverbindlich. „Bis zu“ könnten de facto also auch nur 11 Sozialwohnungen sein. Oder 7. (Wieso muss ich eigentlich in diesem Zusammenhang an den Erlenhof denken…? 😉 )

Angenommen, es entstehen auf der Alten Reitbahn insgesamt 59 Wohneinheiten. Für diese 59 Wohnungen hat der Investor lediglich 45 Parkplätze vorgesehen und dazu  „gut 60 öffentlich zugängliche“ Parkplätze. (Mein Argwohn: Zukünftige Bewohner, die keinen Parkplatz abbekommen haben, werden später aus dem Kontingent der „gut 60 öffentlich zugänglichen Parkplätze“ bedient werden, die damit der Öffentlichkeit entzogen werden.)

Ich habe nicht gezählt, wieviele öffentlich zugängliche Parkplätze uns Autofahrern heute auf der Alten Reitbahn zur Verfügung stehen. Im Internet habe ich die nebenstehende Quelle Parkopedia gefunden, wonach es 200 sind. Was bedeuten würde: 140 Parkplätze in der Ahrensburger Innenstadt sollen durch die Bebauung der Alten Reitbahn ersatzlos wegfallen. Und während der Bauphase sind es sogar die gesamten 200 Plätze, die verschwinden.

Parkopedia informiert auch darüber, dass immer noch öffentliche 130 Parkplätze auf dem Lindenhofparkplatz zu finden sind, was natürlich schon längst überholt ist. Und im Endergebnis heißt das für Ahrensburg: 270 Parkplätze haben CDU & Grüne ohne Not verramscht – jedenfalls wenn Familie Levenhagen und ihre Angehörigen am Montag dem Bauvorhaben tatsächlich zustimmen werden. Die WAB will das angeblich tun, weil der etwas behäbige Fraktionsvorsitzende Peter Egan so geil darauf ist, dass der Edeka-Markt sich vergrößern und seinen guten Standort am Bahnhof aufgeben soll. Vermutlich weil Egan hofft, dass er dort beim Einkaufen vom Edeka-Kaufmann eine Extra-Wurst bekommen wird. Denn warum sonst setzt sich ein Stadtverordneter in aller Öffentlichkeit für einen Supermarkt ein, der einen Standort besetzen will, der den allgemeinen Vorstellungen der Ahrensburger Politik doch gar nicht entspricht?!

Bleibt nur noch festzuhalten, dass sowohl die 1. Stellvertretende Bürgermeisterin von Ahrensburg der Familie Levenhagen angehört als auch der 2. Stellvertretende Bürgermeister. Und der Bürgervorsteher ebenfalls, weshalb dieser sich vermutlich Familienfotos durch den gemeinen Bürger im Marstall verbittet. Denn es könnten dabei ja auch Beweisfotos entstehen wie beispielsweise damals, als ich im Bilde festgehalten hatte, wie zwei AWO-Mitarbeiter über Interessen der AWO abgestimmt haben – siehe Foto rechts! – und der Bürgervorsteher keinen Einwand dagegen erhoben hatte.

Hat dazu noch jemand irgendwelche Fragen…?

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 23. März 2019

5 Gedanken zu „Tradition: Ahrensburg ist eine Stadt, in der Familien regieren

  1. K + P aus A

    Hallo! Wir sind neugierig auf den Kommentar, den die Familie zu Ihrem Bericht abgeben wird. Zumal man das, was hier beschrieben wird, auch noch nachlesen kann, wenn der Platz bebaut worden ist. Muss die Stadtverwaltung, sprich der Bürgermeister, dem Bauvorhaben auch zustimmen, oder muss er zustimmen, wenn die Politiker abgestimmt haben? Und was ist, wenn die Politiker gegen die Bürger stimmen?

  2. H.J. Lange

    Hallo Herr Dzubilla,
    Ihr inzwischen bekanntes Foto stellt ein außerordentliches Zeitdokument dar.
    Aufgrund auch meiner damaligen Anwesenheit bezeuge ich hiermit die Übereinstimmung der ganz rechts sichtbaren, abstimmenden AWO-Hand mit dem bezüglichen Tagesordnungspunkt der Stadtverordnetenversammlung: Darin wurde zugunsten der AWO abgestimmt.
    Der Bürgervorsteher hätte also – mindestens nach Gemeindeordnung – die Anwesenheit des abstimmenden SPD-AWO-Stadtverordneten Jürgen Eckert nicht zulassen dürfen. Er hat es aber zugelassen. Folglich war der Beschluss nach einfacher Auslegung der Gemeindeordnung schlicht rechtsungültig. Vergleiche das Sitzungsprotokoll.
    Ergebnis:
    Dieses Zeitdokument beweist die Fakten, aus denen sich Bürger zum „Wutbürger“ entwickeln und gegen die unwahrhaftige „Politik“ auf die Straße gehen.
    HJL

  3. Annerose G.

    Ja, ich habe eine Frage dazu. Warum werden in Ahrensburg immer wieder Investoren besser bedient als die Einwohner? Die Reitbahn ist doch kein Privatgrundstück sondern gehört uns allen. Wieso sollen wir Bürger nun enteignet werden? Zur Strafe, weil wir die CDU oder die Grünen gewählt haben? Dann fordere ich meine Stimme hiermit zurück!!!!

  4. CDU-Wähler

    „Familie Levenhagen“ weiß von Ahrensburger Bürgern und von Ahrensburger Geschäftsleuten, dass es heute zu wenig Parkplätze in der Innenstadt und am Bahnhof gibt. Trotzdem will die Familie uns Einwohnern nun den zweiten öffentlichen Parkplatz enteignen. Und nirgendwo in der Presse nimmt jemand aus der Familie dazu Stellung. Wie arrogant ist das denn! Das lässt in der Tat an eine Regierung nach Gutsherrenart á la Familie Schimmelmann denken. Und CDU und Grüne denken offenbar nicht daran, dass es auch mal wieder eine Kommunalwahl gibt. Da wird dieses Thema mit Sicherheit hochkommen.

  5. Robert

    Ja, ich habe auch noch irgendeine Frage:
    Die Reitbahn ist Stadtvermögen, gehört also uns allen. Wert geschätzt 6000 m2 x 400€/m2 = 2,4 Millionen. Ist das richtig geschätzt? Kann hier irgendjemand sagen, was der auswärtige Investor dafür tatsächlich zahlt? Aber bitte nicht mit Kino als Gegenrechnung.
    Das Kino verdient so oder so Geld. Außerdem wird es so gebaut, dass man es später als Parkhaus oder als Wohnhaus umbauen und nutzen kann. Nur so ne Ahnung.

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