Ich habe drei Kinder durch die Schulzeit an der Grundschule Am Reesenbüttel begleitet. Unter drei Schulleitungen und mit drei Klassenlehrer/innen. Die beiden Großen sprechen heute noch in verklärter Erinnerung an ihre Grundschulzeit, wo sie am Ende ein paar Tränen vergossen haben, weil die schöne Zeit dort vorbei gewesen ist. Meine Jüngste dagegen, die soeben die Grundschule Am Reesenbüttel verlassen hat, weinte nicht. Und sie wird sich auch nur an eine weniger schöne Grundschulzeit erinnern können.
Es begann damit, dass die Kinder, die nun die Schule verlassen haben, schon in der ersten Klasse in Containern sitzen mussten, weil die alte Schule abgerissen worden war und ein Neubau entstanden ist. Klar, waren die Container auch ein Abenteuer für die Kleinen, doch nach einiger Zeit war es dann nur noch abenteuerlich, nicht zuletzt auch wegen der Großbaustelle. Und dann war endlich die neue Schule fertig. Mit großer Freude passierte der Umzug in die neuen Klassenräume, aaaaaber….
…schon nach rund sechs Monaten war dort finito für den Jahrgang: Die Kinder mussten in den Altbau der Schule umziehen, um den tollen Neubau für die neuen Schüler zu räumen. Verständlicherweise war das eine große Enttäuschung für die Kinder aus den Containern.
Am Ende der Schulzeit stand dann Corona. Was u. a. bedeutet hat: Ausfall der Klassenreise. (Was allerdings nicht allzu tragisch war, denn die Klassenlehrerin wollte ohnehin nur bis zu einer nahegelegenen „Hundewiese“ fahren. 😉 ) Und was die Pandemie in den vergangenen Wochen und Monaten sonst noch verursacht hat, muss ich Ihnen ja nicht erzählen.
An diesem Wochenende berichtet der MARKT über drei feierliche Veranstaltungen an der Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule, wo die Schüler der Abschlussklassen aus ihrer Schulzeit entlassen wurden. Mit Musik, Darbietungen und Ansprachen. Und sogar der Bürgermeister war anwesend. Trotz der Einschnitte durch Corona hat die Schule es fertiggebracht, die Kinder würdig zu verabschieden und sie mit guten Gedanken an ihre Schulzeit zu entlassen.
Auf der obigen Abbildung sehen Sie auch ein Foto von der Grundschule Am Reesenbüttel: Schulleiterin und Bürgermeister inmitten der Kinderschar. Das ist allerdings schon eine ganze Weile her, nämlich auf der Feier zum 75. Geburtstag der Schule, wo es damals noch kein Corona-Virus gegeben hat.
Und am vergangenen Freitag, als vier Klassen von der Grundschule Am Reesenbüttel abgegangen sind, um nach den Ferien die weiterführenden Schulen zu besuchen? Ich mache es kurz: Die Eltern der einzelnen Klassen durften ihre Kinder nach zwei Stunden am Eingang zur Schule abholen. Für die Kids gab es keine Feier, keine Darbietungen, keine Ansprachen, nix. Wegen Corona, versteht sich.


Die Klassenlehrerin der „Ponyklasse“ sollte man für den Rest ihrer Dienstzeit an eine Baumschule versetzen. Dort kann sie dann soviel herumbrüllen wie sie möchte. Und ihre Hunde hätten genügend Auslauf und könnten an jedem Baum pinkeln. 😉
Die Klassenlehrerin der 4c hat sich nicht mal persönlich von den Eltern verabschiedet. Und während der Home-Schulzeit hat sie mit ihren Schülern nicht online kommuniziert, sondern alle Aufgaben und Informationen durch die Elternvertreterin an die Familien weiterleiten lassen und sich im Hintergrund gehalten. Die Dame hat sich mehr um ihre Vierbeiner gekümmert als um ihre Schüler.
Die Klassenlehrerin unseres Kindes hat sich liebevoll um die ihr anvertrauten Junioren gekümmert und war auch im regen Kontakt mit den Eltern und den Elternvertretern. Zudem hat sie regelmäßig mit allen Kindern ihrer Klasse telefoniert. Das war insgesamt lobenswert.
Scheinbar gab es erhebliche Unterschiede im Verhältnis SchülerInnen-LehrerIn. Dafür, so würde ich vermuten, gibt es ja eine Schulleitung, die gewisse Standards setzen könnte. Dafür wäre Kommunikation ein geeignetes Mittel.
Es ist bemerkenswert, dass dieses Thema offenbar seit mehreren Jahren bekannt ist. Rückblickend stellt sich die Frage, ob man sich als Eltern intensiver hätte informieren oder nachfragen müssen. Gleichzeitig ist es aus Elternperspektive kaum vorhersehbar, welche strukturellen oder kommunikativen Defizite sich im Schulalltag entwickeln können und schon solange herrschen.
Bildung lebt von Beziehung, Verantwortung und Reflexionsbereitschaft. Bereits Johann Heinrich Pestalozzi betonte, dass Erziehung „Kopf, Herz und Hand“ gleichermaßen ansprechen müsse – also nicht nur Inhalte, sondern auch Haltung und Beziehung.
Sollten entsprechende Hinweise wirklich über einen längeren Zeitraum vorgelegen haben, wäre aus unserer Sicht eine transparente Auseinandersetzung und klare Kommunikation seitens der Verantwortlichen wichtig gewesen. Vertrauen entsteht vor allem dort, wo Probleme offen benannt und professionell bearbeitet werden.
John Dewey formulierte: „Education is not preparation for life; education is life itself.“ Wenn Schule ein gelebter Raum von Verantwortung ist, gehört dazu auch, Rückmeldungen ernsthaft zu prüfen und unterschiedliche Perspektiven transparent zu diskutieren.
Bei vielen Eltern ist jedoch der Eindruck entstanden, dass Hinweise nicht immer die notwendige Aufmerksamkeit erhalten haben. Auch auf Ebene der Schule sowie der zuständigen kommunalen Stellen wurde aus unserer Wahrnehmung heraus eher beschwichtigt als strukturell aufgearbeitet. Mehrfach geäußerte Sorgen wurden dabei nicht durchgängig als sachliche Rückmeldungen verstanden, sondern teilweise als Überreaktion eingeordnet. Das erschwert einen offenen Dialog erheblich.
Gerade deshalb erscheint es wichtig, jetzt sachlich aufzuarbeiten, welche Strukturen, Kommunikationswege und Standards gelten – und wie künftig sichergestellt wird, dass vergleichbare Situationen frühzeitig erkannt und geklärt werden. Vertrauen entsteht nicht durch Relativierung, sondern durch Klarheit, Verantwortungsübernahme und verbindliche Standards.
Auch der Gedanke von Maria Montessori – „Hilf mir, es selbst zu tun.“ – erinnert daran, dass Entwicklung dort gelingt, wo Beteiligte ernst genommen und aktiv einbezogen werden. Es liegt in der Verantwortung aller Beteiligten, die bestehenden Rahmenbedingungen immer wieder auf geeigneter Ebene anzusprechen – denn ohne beharrliche, sachliche Auseinandersetzung wird sich wenig verändern.