Wie die Stadt Ahrensburg regiert wird (3. Teil): Falsche Entscheidungen der Politik und bessere Alternativen

Repetitio est mater studiorum. Das ist eine der wenigen Weisheiten, die mir noch aus dem Lateinunterricht in der Stormarnschule in Erinnerung geblieben sind. Es bedeutet: Wiederholen ist die Mutter des Studierens. Außerdem erinnere ich: Audiatur et altera pars. Was meint: Man höre auch die andere Seite! Und deshalb wiederhole ich heute ein paar Themen, über die ich bereits in Vergangenheit geschrieben habe, damit sie von Verwaltung und Politik studiert werden können und damit auch die andere Seite gehört wird, nämlich die Meinung eines alteingesessenen Ahrensburger Bürgers.

In diesem Blog-Eintrag komme ich zurück auf falsche Entscheidungen der Ahrensburger Stadtverordneten. Falsch aus meiner persönlichen Sicht; und ich zeige Alternativen und bringe Visionen, die meiner Meinung nach für Ahrensburg sehr viel sinnvoller sind. Und nota bene: Alle falschen Entscheidungen der Politiker gehen zu Lasten der Bürger und der städtischen Finanzen! Geld, das für wirklich notwendige und wichtige Dinge ausgegeben werden sollte – Stichworte: Schulen, Kita, Kinderarmut und sozialer Wohnungsbau.

Ich beginne beim Rathaus. Hier haben die Politiker einen Erweiterungsbau beschlossen, der mit 5,2 Millionen Euro veranschlagt wurde und am Ende mit Sicherheit noch sehr viel mehr kosten wird. Und dieser Erweiterungsbau ist nicht nötig. Klar, mit der rasanten Erhöhung der Einwohnerzahl unserer Stadt hat sich auch der Arbeitsanfall im Rathaus erhöht. Aber hierzu zitiere ich aus einem Kommentar von Horst Hilt, den der Ahrensburger Bürger gerade auf Szene Ahrensburg gestellt hat und also lautend:

 „Wie kann es sein, dass man tatsächlich sage und schreibe noch weitere 17 Stellen draufsatteln will – davon 6 im IT-Bereich? Warum leistet sich die Stadt Ahrensburg überhaupt noch eine eigene EDV-Einheit mit Rechenzentrum? Während sich der Kreis Stormarn, die Städte Bad Oldesloe, Bargteheide, Reinbek und Reinfeld sowie die Ämter Bad Oldesloe-Land und Bargteheide-Land schon Anfang 2013 zum IT-Verbund Stormarn zusammengeschlossen haben, dessen Aufgabe der Betrieb eines zentralen Rechenzentrums ist – zusammen mit der Bereitstellung und Unterhaltung von Hard- und Software sowie eines umfassenden technischen und konzeptionellen IT-Services für die Träger.“

 Auch wenn das Rathaus nach Auslagerung des Rechenzentrums immer noch zu klein wäre, dann hätte man den vom Architekten vorgesehenen Übergang mit einer Brücke zur Stadtbücherei bauen und dieses Gebäude als Erweiterungsbau zum Rathaus nutzen können. Das sähe nicht nur harmonisch aus, sondern es wäre auch praktisch für die Mitarbeiter und würde der Stadt erhebliche Kosten sparen.

Und welchen Grund, liebe Mitbürger, gibt es, dass man die Stadtbücherei nicht dorthin verlegt, wo sie eigentlich hingehört, nämlich ins Kulturzentrum unserer Stadt, sprich in die heutige Galerie im Marstall, die zur Zeit quasi leer steht, weil kaum ein Bürger dort hineingeht?!

Und warum soll die Volkshochschule, deren Räumlichkeiten zu beengt sind, unbedingt am Rathaus neu gebaut werden? Damit der Bürgermeister dort nach Feierabend bequemer zum Studium hinkommen kann? 😉

Die VHS kann auf einem bestehenden Schulgelände errichtet werden. Zum Beispiel im Rahmen des notwendig gewordenen Neubaus im Heimgarten-Schulzentrum. Wenn Kinder aus allen Teilen der Stadt dort täglich zur Schule gehen können, dann können Erwachsene dort auch für kurze Zeit zur Volkshochschule gehen, zumal diese Menschen zumeist auch mit dem Auto fahren.

Und dann der angedachte „Multifunktionssaal“ für rund 1,6 Millionen Euro! Ein Witz, um nicht zu sagen. Veruntreuung von Steuergeldern. Ahrensburg hat ausreichend Säle in allen Größen für jede Art von Veranstaltungen. Und zum Oktoberfest wird einmal im Jahr ein Zelt vom Veranstalter auf dessen Kosten aufgestellt.

Zwischen Tennis- und Hockeyclub und Schützenverein: reichlich Platz für ein Sportzentrum!

Und damit komme ich zum Thema „Freizeit & Sport“: Was gibt es für einen Grund, dem Wunsche des ATSV nicht zu folgen und einen Sport-Park am Beimoor-Süd zu errichten, wohin die Fußballplätze aus der Innenstadt verlegt werden, die ein Relikt sind aus dem vorigen Jahrhundert, als Wohnraum in der Stadt noch reichlich vorhanden war?! Nur weil die Roter-Stern-Kickers mit dem Stadtverordneten und Tischfußball-Kicker Ali Haydar Mercan (Die Linke) das nicht möchten…?

Und das geplante Umkleidehaus am Rande des Stormarnplatzes für 1,2 Millionen Euro ist ein Fall für den Bund der Steuerzahler genauso wie das geplante Klo für 150.000 Euro plus laufende Wartungskosten in der Großen Straße, das so dringend benötigt wird wie Sonnenschirme in der Rampengasse, wo städtisches Geld bereits für Dekoration ausgegeben werden soll, um die dortigen Bausünden zu kaschieren.

Mehr noch: Das neue badlantic darf nicht auf dem gleichen Gelände neu gebaut werden! Das gesamte Areal muss die Stadt für Wohnungsbau freigeben, damit dort Wohnraum entstehen kann, der für alle Menschen erschwinglich ist.

Das zukünftige Badlantic, das man dann auch großschreiben sollte, gehört ebenfalls in das Sport-Zentrum am Beimoor Süd. Und wenn in dem Sport-Park die dringend benötigten Hallen für den Sport entstehen, dann lässt sich in einer Halle ohne erhebliche Mehrkosten auch ein „Multifunktionssaal“ einrichten, falls der eines Tages wirklich dann und wann mal benötigt wird. Und wo man eine Halle sogar vermieten könnte z. B. an den Veranstalter des Oktoberfestes, was nicht nur viele Bewohner der Innenstadt begrüßen würden wegen der Innenstadtsperrung und Lärmbelästigung.

Und dann ist da noch der Alte Speicher, von dem bis heute nicht bekannt ist, was daraus werden soll. Ich sage es Ihnen: Hier muss die Stadt einen Investor suchen, der das Kulturzentrum mit dem Bau eines Kinos ergänzt, das in der Größe für Ahrensburg und Umgebung angemessen ist. Und nicht für eine Großstadt gebaut und damit für die Pleite geplant wird. Dieses hätte den Vorteil, dass die Stadt das Kopplungsgeschäft mit dem Reitbahn/Kino-Investor nicht weiter verfolgen muss.

Und die Alte Reitbahn könnte dann im Auftrag der Stadt von einem Generalunternehmer für städtischen Wohnungsbau genutzt werden genauso wie das heutige badlantic-Areal. Und ebenso wie die Fußballplätze hinter dem Rathaus, wenn diese zum Beimoor-Süd verlegt werden. Dieser gesamte Wohnungsbau wäre eine wundervolle Kapitalanlage für die Stadt, die mit diesem Immobiliengeschäft über Jahrzehnte dauerhaft Mieteinnahmen erzielen würde, und zwar auch dann, wenn die Steuergelder eines Tages nicht mehr so fröhlich sprudeln werden wie heute. Und zukünftige Generationen werden uns später dankbar dafür sein.

Und wenn das Ahrensburger Bauamt dazu nicht fähig ist, dann sollte man überprüfen, ob der heutige Bauamtsleiter nicht in die Stabsstelle von Angelika Andres versetzt werden kann, damit eine neue Leitung im Bauamt es genauso schafft, wie es in vielen anderen Städten auch problemlos und erfolgreich möglich ist.

Das Thema „Parkplätze in der Innenstadt“ habe ich ja bereits in Teil 1 behandelt. Ergänzend dazu lässt sich sagen: Wenn das Nessler-Parkhaus mit 800 Stellplätzen gebaut würde, dann wäre auch der Rathausplatz wieder frei für Menschen statt für Autos. Und dieser Platz könnte dann endlich gestaltet werden, zum Beispiel mit gläsernen Arkaden ringsum und einem Café, sodass Ahrensburg damit den schönsten Wochenmarkt in ganz Norddeutschland bekommen könnte. Und wo die Besucher von nah und fern, die heute mangels Parkraum wegbleiben, dann problemlos im Parkhaus parken und ohne Stress einkaufen könnten.

Und warum wollen Bürgermeister und Stadtverordnete die Autos wirklich aus der Innenstadt entfernen? Ich verrate es Ihnen: Diese Heuchler wollen dort selber  ganz ungestört unter sich bleiben. Denn diese Damen und Herren können mitten in der City bequem ohne Parkplatzsuche parken und dazu auch noch kostenlos, nämlich in der Tiefgarage vom Rathaus.

Und was kein Geheimnis ist: Autofahrer, die von auswärts in die Stadt kommen, gehen sowohl dem Bürgermeister als auch den Politikern völlig am Arsch vorbei. Weil: Großhansdorfer, Bargteheider, Ammersbeker, Sieker und andere Autofahrer aus Nachbargemeinden sind keine Wähler in Ahrensburg, weder bei der Bürgermeisterwahl noch bei der Kommunalwahl!

.Bürgermeister & Bürgervorsteher

Meine Anregungen gebe ich hiermit als „Beschlussvorschläge“ in die Stadtverordneten-Versammlung. Und erinnere daran, dass alle Damen und Herren in allen Fraktionen beim Antritt ihres Amtes versprochen haben, zum Wohle der Bürger zu arbeiten, was meint, keinem Fraktionszwang zu unterliegen oder parteipolitische Interessen zu erfüllen, die sich in unserer Stadt zum Nachteil auswirken. Ebenso hat der Bürgermeister einen diesbezüglichen Amtseid abgelegt, wobei er allerdings nicht zu Gott geschworen hat.

Und sollten Sie, meine lieben Mitbürger, zu meinen Gedanken noch Anregungen oder Kritik vorbringen wollen: Bitte, die Kommentar-Funktion steht Ihnen zur Verfügung.

Fortsetzung folgt!

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 12. Januar 2020

4 Gedanken zu „Wie die Stadt Ahrensburg regiert wird (3. Teil): Falsche Entscheidungen der Politik und bessere Alternativen

  1. H.J. Lange

    Hallo Herr Dzubilla,
    Sie beschreiben im Grunde die in Ahrensburg weiterhin fehlende Prioritätenliste für Stadtplanung und Verkehr – quasi ein halbtotes Pferd, das ein vorgeblich „gut gemachter“ Reiter seit Jahren versucht gesund zu beten – dabei aber die beiden von Ihnen benannten Fachleute von sich wegschiebt . . .

    Beispiel für fehlende Prioritäten-Pläne:
    Würden die ja nicht nur von Ihnen vorgeschlagenen Verlagerungen von Sport- und Kultur-Funktionen usw. auf die östliche Seite des Ostringes angegangen und das riesige dort neu ausgewiesene Gewerbegebiet wie geplant wachsen – fehlt der vorbereitende und fundiert begleitende „Generalverkehrsplan“. (Nein, diesen gibt es tatsächlich nicht ! ).

    Auch das Desaster der Südumgehung (Grüße an den enttäuschten Kreisel-Papst E. Knoll) zeigt die gemeinte Planlosigkeit der Ahrensburger Selbstverwaltung (Rathaus und Politik).

    Der von Ihnen erwähnte Kommentator Horst Hilt hatte in einem zurückliegenden Leserbrief in einer Zeitung den Mut aufgebracht, erneut die altbekannte sog. Kuhlenmoortrasse als alternative Verkehrs-Entlastung im Süden der Stadt vorzuschlagen.
    Dem stimme ich zu, da ich selbst bereits zurückliegend eine detaillierte Trassenplanung in diesem Blog vorgestellt hatte. ( 2 Planungsmappen liegen auch im Rathaus). Meine Planung löst zudem und zugleich mehrere Probleme und Aufgaben im Bereich U-Bahnhof-West. Die von mir vorgeschlagene Trassenführung muss quasi keinen Quadratmeter des angrenzenden Nuturschutz-Gebietes in Anspruch nehmen.
    (Diese Idee von mir stammt aus der Zukunftswerkstatt 2008 – also noch aus der Pepperzeit:
    Auch SPD-„Uschi“ hatte mir damals das Nachdenken verbieten wollen . . .).

    Zum Verständnis Ihres Schilder-Fotos „Galerie im Marstall“:
    Tatsächlich ist am oberen Rand ein kleiner Hinweis auf die Sparkasse Holstein zu finden, der zum Missverständnis führen könnte, die Stallhalle-Marstall würde von der Sparkasse Holstein, bzw. von einer ihrer kultur-beherrschenden ICH-Stiftungen betrieben. Tatsächlich handelt es sich lediglich um den derzeitigen Miet-Nutzer – auf der Grundlage eines befristeten Vertrages mit der Stadt Ahrensburg – die die Nutzung des Marstalls im Namen des Eigentümers verwaltet und angeblich auch inhaltlich-terminlich steuert – was nach meiner Recherche aber tatsächlich eben nicht erfolgt:
    Das Gebäude befindet sich im Besitz der Allgemeinheit – die über die (nicht vorliegenden) Evaluations-Berichte der insgesamt zwei Verträge nachdenken sollte.
    HJL

  2. Harald Dzubilla Artikelautor

    Hallo Herr Lange – natürlich weiß ich, dass der Marstall komplett der Stadt, also uns Bürgern gehört und nicht der Sparkasse oder dem Kulturverein. Genau deshalb fordere ich die Stadt ja schon seit längerer Zeit auf, dass sie den unsinnigen Vertrag endlich kündigt, um das Gebäude einem vernünftigen Zweck zuzuführen statt es als Galerie zur Selbstbefriedigung einer Kuratorin zu überlassen.

    In diesem Zusammenhang: Haben Sie schon den Aufmacher vom aktuellen MARKT gesehen und gelesen? Ich bin sicher: Die Ahrensburger werden in langer Schlange vor dem Eingang der Galerie stehen, um das diffuse Bild mit dem Titel „Diffus“ im Original anzuschauen.

    Sehen wir uns bei der Vernissage? Bestimmt gibt es Sekt gratis!

    1. Observator

      Ich vermute, die Sparkasse Holstein hat den Bericht auf der Titelseite vom Anzeigenblatt als Anzeige bezahlt. Warum sonst sollte der „Markt“ das abdrucken?

  3. H.J. Lange

    Hallo Herr Dzubilla,
    und noch einige Zusatzgedanken:
    1.
    Die beiden von mir oben benannten Verträge müssen gar nicht gekündigt werden, denn sie laufen bereits so lange, dass sie lediglich nicht verlängert werden müssen. Damit aber will sich allem Anschein nach niemand beschäftigen, da eine Debatte über eine zu fordernde Evaluations-Rückmeldung vermieden werden soll – also über die super-wahnsinnigen Ausstellungs-Erfolge, die bei gleichzeitig überwiegend geschlossenen Galerie-Türen erzielt worden sind – in Räumen der Allgemeinheit.
    2.
    Eine alte Frage trifft den satzungemäßen Verbleib von Sparkassenüberschüssen.
    Hier verschwinden sie teilweise in einer „Sparkassen-Kulturstiftung“, die damit die Entscheidungs-Herrschaft über den offiziellen Kunstbetrieb übernimmt.
    Darin steckt die bewusste Sprachverwirrung über die Frage, was Kultur ist und was Kunst. (Gruß an den Herrn Landrat, der zur Zeit einen „Kulturentwicklungsplan“ in Szene setzt – mit Einsatz von Steuergeld – mit Federführung der Lobby-Netzwerke der Sparkassenstiftungen, die in nachweislich verschlossenen „Hinterzimmern“ tagen . . .).
    3.
    Zur Sprachverwirrung, bzw. absichtlichen Verwirrung durch Sprache folgen einige Zitate aus dem MARKT v. 11.01.20120:
    3.1
    “ … Die Galerie im Marstall . . . werden auch zukünftig als außerschulische Lernorte der Stiftung der Sparkasse Holstein für den Bereich Kunst & Kultur ausgebaut.“
    Ergebnis: Eigenwerbung einer Sparkasse und deren Übernahmeanzeige von Kunsthoheit zur Veränderung der Kultur – als Schulersatz usw..
    3.2
    Und das erfolgt über den Untertitel der Zeitung: „Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn eröffnet zum Jahresthema „Wissen & Forschung“ „.

    Also doch Herr Dzubilla: Nix wie hin, denn dort finden Sie glasklare Antworten auf Ihre existentiellen Fragen:
    3.3
    „Der Begriff der Menschlichkeit wird in ihren Bildern künstlerisch umkreist, hat für Ogasawara aber keine festgelegte Bedeutung . . .“ Ende Zeitungszitat.
    Das auf der Titelseite der Zeitung abgebildete Bild der Künstlerin nennt diese selbst „Diffus“ und damit ihre Interpretation von „Wissen & Forschen“ – diffus eben – in einer chaotisch entschwebten Welt, die die Ergebnisse von Wissen und Forschen nicht zur Kenntnis nehmen will . . . . .
    HJL

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