Weiß unser Herr Bürgermeister überhaupt, wovon er redet?

Gestern war Neujahrsempfang der Stadt Ahrensburg im Marstall. Laut Bericht im 3. Buch Abendblatt waren dort nur „rund 300“ Ahrensburger hingekommen, von denen sich Reporter Filip Schwen vermutlich die Personalausweise hat zeigen lassen um zu wissen, dass es tatsächlich auch alles “Ahrensburger” waren und nicht ein paar “Zugereiste” von nah und fern darunter gewesen sind. Und seinen Bericht überschreibt die Redaktion mit der Schlagzeile: „Bürgermeister: ‚Der Bahn mit breitem Kreuz entgegentreten’“.

Ölgemälde frei nach Abendblatt-Vorlage

Was der Bürgermeister mit dem angeführten Zitat meint: Ahrensburg soll sich gegenüber der Bahn stark machen, dass die sechs Meter hohen Lärmschutzwände nach dem Bau der S 4 nicht in Ahrensburg errichtet werden. Das ist natürlich ein Witz genauso wie die frühere Aussage von Michael Sarach, dass man doch bitte schön die bestehenden Gleise tieferlegen soll, um den Lärm der Donnerzüge in der “Galerie der Hände” verschwinden zu lassen.

Richtig ist: Der Bahn muss überhaupt niemand mit breitem Kreuz entgegentreten. Wenn die Stadt die Lärmschutzwände nicht will, so genügt ein betreffendes Schreiben der Stadt Ahrensburg, und die Bahn baut dann eben keine Lärmschutzwände, basta, Ende, aus!

BM Michael Sarach

Hintergrund: Vor einem Lärm, der von der S-Bahn stammt, muss sich niemand fürchten. Aber vor dem Lärm der Donner-Transitgüterzüge, die dann durch unsere Stadt rasen werden, und zwar bei Tag und Nacht und in kurzen Abständen. Gegen diesen Lärm allerdings muss die Bahn freiwillig gar nichts unternehmen, sodass der Herr Bürgermeister sein breites Kreuz gar nicht bemühen muss.

Und wir lesen im Kleingedruckten die Aussage des Verwaltungschefs, dass es „wahrscheinlich“ ist, dass es nicht gelingen wird, den Transitgüter-Verkehr mit den XXL-Kolossen auf eine andere Strecke zu verlegen. Über diese Aussage wird man sich bei der Bahn aber mächtig freuen, Herr Bürgermeister. Bislang musste man dort immer noch befürchten, der Bau der S-Bahn-Gleise, die unser Naturschutzgebiet tangieren würden, das als FFH-Gebiet ein spezielles europäisches Gebiet ist, das dem Schutz von Pflanzen (Flora), Tieren (Fauna) und Lebensraumtypen (Habitaten) dient, nicht möglich ist, sodass dort gar keine Gleise gebaut werden dürfen, wenn es auch eine Alternative gibt. Und diese Alternative gibt es bekanntlich.

Postskriptum: Zum Neujahrsempfang der Stadt Ahrensburg waren “rund 300” Gäste in den Marstall gekommen. So viele Besucher kommen jeden Tag, und zwar auf die Szene Ahrensburg.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 11. Januar 2020

7 Gedanken zu „Weiß unser Herr Bürgermeister überhaupt, wovon er redet?

  1. Der Spatz vom Rathausdach

    Dem Bürgermeister gehuldigt hat auch Götz Westphal (Stadtforum), der mit seiner Frau extra aus Großhansdorf nach Ahrensburg gekommen war. Vermutlich um sich zu bedanken, dass durch die Schließung von Ahrensburger Parkplätzen viel mehr Kunden aus der Schlossstadt nach Großhansdorf kommen. Und der städtische Zitator Roland Wilde (Bürgervorsteher) zitierte diesmal ein Wort der FDP aus Oststeinbek, das er leicht abgewandelt hat: Statt „Oststeinbek sind wir alle“ sprach er: „Zusammen sind wir Ahrensburg“. Fragt sich nur, warum der Zusammenhalt zwischen Bürgern, Kaufleuten, Verwaltung und Politik nicht so groß ist, dass Ahrensburg auch tatsächlich eine Einheit darstellt.

  2. Martens

    Dem nachstehenden Screenshot aus Abendblatt-Online können Sie entnehmen, was der Bürgermeister auf dem Neujahrsempfang erzählt hat. Kann mir jemand verraten, was Herr Sarach uns damit sagen will?

    1. Harald Dzubilla Artikelautor

      Wenn ich Ihre Frage mit einer Metapher beantworten darf, dann lautet diese:

      “Wir müssen unsere Häuser auch für künftige Generationen lebenswerter gestalten. Dazu gehört auch, die Schlafzimmer für Menschen zu planen und nicht für Betten.”

    1. Harald Dzubilla Artikelautor

      Ich habe ein Symbolbild gefunden, auf dem zu ahnen ist, wie Bürgermeister Sarach dem Bahn-Vorstand mit breitem Kreuz entgegentritt – siehe die nachstehende Abbildung!

      Von einer Klage der Stadt Ahrensburg gegen die Bahn wegen geplanter Verletzung von FFH-Richtlinien ist mir dagegen nichts bekannt.

      1. Torsten Schmidt

        Wenn die Stadt Ahrensburg nicht willens ist eine Klage gegen die Bahn anzustrengen, dass muss ebend eine Bürgerinitiative das übernehmen. Hier müssten ja eigentlich die Grünen wach werden, wenn es um die Belange des Naturschutzes im Tunneltal geht. Aber von denen kommt nix oder irre ich mich ?

        1. Jan Furken

          Sehr geehrter Herr Schmidt,
          jeder betroffene Bürger hat die Möglichkeit, sich an dem Planfeststellungsverfahren zum Ausbau der Bahnstrecke Hamburg-Lübeck zu beteiligen.
          Jede Einwendung wird berücksichtigt und kann im Erörterungstermin näher erläutert werden.
          Dem Eisenbahnbundesamt als Planfeststellungsbehörde obliegt schlussendlich die Abwägung der einzelnen Einwendungen und der Planfeststellungsbeschluß.
          Vor dem Verwaltungsgericht wird dann abschließend entschieden, sofern gegen den Planfeststellungsbeschluß geklagt wird.
          Der Gang vor das Gericht ist jedoch nicht billig, auch und erst Recht nicht für eine Bürgeinitiative.
          http://www.buergerinitiative-bahnstrecke-hh-hl.de/
          Daher meine Bitte an Sie:
          Beteiligen Sie sich als betroffener Bürger im kommenden Planfeststellungsabschnitt 3 (Landesgrenze bis Bad Oldesloe) mit einer Einwendung und tragen Sie ihre Gegenargumente schriftlich vor.
          Je mehr Bürger sich beteiligen, desto größer wird auch der politische Druck.
          Die letzte Stadtverordnetenversammlung in 2019 konnte sich leider nicht zu einer Einwendung im PFA 2 durchringen, da die nötige Mehrheit fehlte, was ich sehr bedaure.
          https://infonet.ahrensburg.de/sessionnetbi/si0057.asp?__ksinr=3509
          Beim Genehmigungsverfahren zur MVA Stapelfeld nach BImSchG ist dies jedoch überparteilich gelungen.

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