Kino im Kopf: Warum ist der „überarbeitete Entwurf“ sehr viel kleiner?

Vor rund einem Jahr hat uns die Firma C. Melchers GmbH & Co. KG das nachstehende Phantombild mit einem Kino in Ahrensburg präsentiert – siehe die Abbildung! Und am 9. März 2018 hat das Stormarner Tageblatt uns ein verändertes Bild gezeigt mit dem Hinweis: „Der überarbeitete Entwurf für den Neubau eines Kinos in Ahrensburg“ – siehe Abbildung unten rechts!

Quelle: C. Melchers GmbH & Co. KG

Auch für kurzsichtige Menschen ist erkennbar: Während im ursprünglichen Entwurf neben einem Restaurant (links) das Kino (rechts)  stehen sollte, so war außerdem rechts neben  dem Kino vermutlich eine Hochgarage für die Autos der Kino-Besucher geplant – oder was…?

Hierzu ein paar Fragen des Bloggers und also lautend: Wenn das Kino jetzt nur noch aus dem roten Komplex besteht, was wird dann auf dem Gelände rechts daneben entstehen? Vielleicht ein Kinderspielplatz? Oder eine Kita? Eventuell sogar ein Wohnhaus mit sozial geförderten Wohnungen? Oder ist dort möglicherweise ein Großmarkt geplant z. B. für Elektronik…?

aus: Stormarner Tageblatt online

Mein Argwohn: Nachdem der Investor schon im Vorwege erklärt hat, dass das geplante Kino sich wirtschaftlich überhaupt nicht wird rechnen lassen und von dem Gewinn durch das von der Stadt gekaufte Grundstück Alte Reitbahn suventioniert werden soll, vermute ich, dass die Bebauung des Grundstücks in der Bahnhofstraße schon so angelegt werden soll, dann der Komplex anderweitig genutzt werden kann.

Der Trick des Investors: In der Bahnhofstraße soll der Bau erst erfolgen, wenn auf der Alten Reitbahn schon alles „festgemauert“ ist. Also ganz schön tricky, gelle?!

Und noch etwas: Wenn Sie sich die Entwürfe des Investors noch einmal vor Augen führen, dann werden Sie erkennen, dass sich auf beiden Entwürfen hinter dem Kino noch ein großes weißes Gebäude befindet, das heute noch nicht da ist – vergleiche die beiden nebenstehenden Abbildungen!

Auch hier stellt sich wieder die Frage: Entsteht dort womöglich etwas, über das bis heute noch gar nicht gesprochen worden ist? Oder sollen wir das gar nicht weiter beachten, genauso wenig, wie wir den ganzen Entwurf beachten sollen, weil am Ende – nach einer weiteren Überarbeitung 😉 – doch etwas völlig anderes herauskommen wird…? (Siehe in diesem Zusammenhang auch: City-Center-Ahrensburg, Lindenhof u. a.!)

Am kommenden Samstag stehen die ersten Bewerber der Parteien, die in die Stadtverordneten-Versammlung einziehen möchten, auf dem Rondeel. Fragen Sie die Damen und Herren doch mal nach dem Kino, das sie im Kopf haben…!

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 29. März 2018

15 Gedanken zu „Kino im Kopf: Warum ist der „überarbeitete Entwurf“ sehr viel kleiner?

  1. Wolfgang Schrimpff

    Hallo Herr Dzubilla,
    auch mich umtreiben mit meinem fundierten Halbwissen lebendige Zweifel, dass sich in Ahrensburg ein Kino überhaupt und zumal in der angeblich projektierten Form wirtschaftlich betreiben lässt.
    Die von Ihnen angeführte Divergenz in den Abbildungen kann ich jedoch trotz meiner Sehschwäche nicht erkennen. Für mich ist die Abbildung im Stormarner Tageblatt ein Ausschnitt, vermutlich der Eingangsbereich ein und desselben Entwurfs, mit dem der Investor Interesse wecken möchte. Ob sich in den „weißen Kästen“ mutmaßlich die Kinosäle oder etwas ganz anderes verbirgt, lassen wir mal dahingestellt. Der gläserne, lichtdurchflutete Bauteil eignet sich jedenfalls kaum für Filmdarbietungen.
    Mit den besten Wünschen für nicht allzu winterliche Ostertage
    Wolfgang Schrimpff

    1. Harald Dzubilla Artikelautor

      Lieber Herr Dr. Schrimpff – Woher wissen Sie, dass die Abbildung im ST nur ein Ausschnitt ist?) Und Sie meinen wirklich, dass der mittlere Teil nicht das Kino ist, sondern lediglich der „Eingangsbereich“? Nach meiner Vorstellung würde das bedeuten: Der Eingangsbereich ist in zwei Stockwerken (!) + Popcorn-Restaurant daneben so angelegt, dass dort rund 500 Kino-Besucher auf den Beginn ihrer Vorstellung warten können! Dass dieser rote Bunker „gläsern, lichtdurchflutet“ ist, kann ich trotz meiner Brille nicht erkennen.

      Fröhliches Ostereier-Suchen (Jetzt weiß ich auch, warum die Eier bunt sind: Damit die Kinder sie im Schnee finden können!) wünscht Ihnen Harald Dzubilla

    2. Martens

      Wenn der gesamte Komplex als Kino gedacht ist, dann sollte der Betreiber, der das plant, vorher vielleicht noch mal einen guten Neurologen aufsuchen und eine Messung machen lassen.

  2. Käpt'n Seebär

    Da ist immer von einem „Grundstückstausch“ die Rede. Das verstehe ich nicht. Wenn ich einen Wohnungstausch mache, dann bekomme ich die Wohnung meines Tauschpartners, und der bekommt meine. Mit wem hat der Investor denn getauscht? Etwa mit der Stadt, die das Grundstück auf der alten Reitbahn gegen das Edeka-Grundstück getauscht hat, das dem Investor gehört hat? Aber der will doch nicht nur auf der alten Reitbahn bauen sondern auch auf dem Edeka-Grundstück. Also wie? Vielleicht kann ein Stadtverordneter mir diese Frage mal beantworten?

  3. Rüdiger

    Egal, ob es ein Kino oder ob es kein Kino geben wird: Die Melcher-Gruppe hat die Stadtverordneten der Stadt Ahrensburg in der Hand. Der Irrsinn begann damit, dass die Verwaltung den Stadtverordneten den Zuschlag für die Alte Reitbahn an die Melcher-Gruppe empfahl, obwohl der Kaufpreis für das städtische Grundstück noch gar nicht festgelegt war. Jetzt kann die Melcher-Gruppe den Stadtverordneten den Kaufpreis nach Belieben diktieren. Es steht jetzt schon fest, dass ein derartiges Kino keinen Gewinn abwerfen wird. Deshalb wird die Melcher-Gruppe den Kaufpreis für das Grundstück Alte Reitbahn drücken.
    Damit fließt dann weniger Geld in die Ahrensburger Stadtkasse. In anderen Worten: Wenn es überhaupt ein Kino geben wird, dann werden wir Bürger dieses Kino mit unseren Steuergeldern subventionieren! Das nennt man dann verdeckte Subventionen!

  4. Johannes

    @Rüdiger. Das gesamte Koppelungsgeschäft ist dubios. Wenn ein Investor in einer Stadt eine erste Baumaßnahme umsetzen muss, um mit dem Gewinn eine zweite Baumaßnahme zu finanzieren, ist dies ein Hinweis darauf, dass mit der Liquidität des Investores etwas nicht in Ordnung ist.
    Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass dieser Investor besondere Kontakte zur Verwaltung oder zu einzelnen Stadtverordneten hat. Dann hätte die Melcher-Gruppe den Zuschlag bekommen, damit diesem Investor besondere Vorteile gewährt werden können.

  5. Käpt'n Seebär

    Möglicherweise ist dieses Geschäft über einen gewissen Monsieur Sarkozy gelaufen? Will auf deutsch sagen: Haben die Parteien, die für dieses Projekt gestimmt haben, vielleicht eine „Aufwandsentschädigung“ dafür erhalten?

    Natürlich nicht. Aber fragen wird man ja wohl noch dürfen.

  6. Petra

    Die Verwaltung der Stadt Ahrensburg zog sozusagen den Geschwistern Piening deren ehemaliges Grundstück unter dem Hintern weg, um dieses Grundsrück für die Melcher-Gruppe zu sichern. Dabei war es ausschließliches Ziel der Verwaltung , den Investoren Vorteile zu sichern. Damit ist doch klar, zu wessen Gunsten die Verwaltung arbeitet. Vorteilsgewährung gilt als eine Form der Korruption.

  7. Petra

    Hallo Herr Dzubilla,
    der Bürgervorsteher würde in diesem Fall vermutlich den Stadtjustiziar um juristischen Rat bitten. Die Stadtverordneten vergessen aber regelmäßig, , dass sie vom Stadtjustiziar keine unabhängige Rechtsauskunft bekommen, sondern eine Rechtsauskunft, die das Vorgehen der Verwaltung rechtfertigen soll. Sämtliche Verträge zwischen Investoren und Stadt, die sich hinterher regelmäßig als nachteilig für die Bürger herausstellten, wurden vom Stadtjustiziar überprüft. Das spricht doch Bände! Siehe Rampengasse, siehe Lindenhofbebauung , siehe Alte Reitbahn……

  8. P Daddy

    Grundstückstausch, Sozialwohnungen, Edeka-Markt, Elektronik-Markt, Parkplätze, Profite, …

    ALLEN wird man es nicht recht machen können. Statt gleich wieder auf LÖSUNGEN rumzuhacken, wären Legislative und Exekutive gut beraten, ZUERST klarzustellen, welche FORDERUNGEN in welchem Umfang berücksichtigt werden sollen. Und das gehört dann auch in die Verträge mit den Investoren und anderen Stakeholdern.

    Das kann auch dazu führen, das weniger spekuliert wird, weil die LÖSUNGEN dann weniger an eigenen Vorstellungen, die mannigfaltig sind, sondern an den FORDERUNGEN gemessen werden.

    Persönliche Meinung: Die FORDERUNGEN sind im deutschen Verfahren nicht anpassbar.
    1. Das gewünschte Kino ist in Zeiten von Netflix und wandelndem Medienverhalten schwerer profitabel kalkulierbar als eine Multifunktionsarena, in der auch andere Veranstaltungen stattfinden könnten.
    2. Sozialwohnungen müssen stets subventioniert werden. Das kann nicht immer nur zulasten der Investoren funktionieren.
    3. Ein Elektronikmarkt in Bahnhofsnähe neben dem bestehenden Budenhagen ist bei den geringen Margen fraglich.
    4. Parkplätze lassen sich in Ahrensburg problemlos auf die Allgemeinheit wegdrücken, die wird kein Investor freiwillig bauen. Da schlafen Verwaltung und Politik seit Jahren.
    5. Ohne Profite gehen Investoren anderswo arbeiten. Das ist deren Jobdescription, wird aber gerne übersehen. Wenn es sozial zugehen soll, muss die Stadt selber bauen oder ein PPP machen. Das hat bei der SLG-Turnhalle hervorragend geklappt.

  9. Rüdiger

    So ist es, P Daddy. Sobald ein sauberes und transparentes Vergabeverfahren bei der Veräußerung städtischer Grudstücke eingehalten wird, können mögliche Korruption und Spekulationsgeschäfte eingedämmt werden. In Ahrensburg fehlt es seit vielen Jahren an der Transparenz bei der Vergabe und Überplanung öffentlicher Grundstücke. Zudem führt die vermutlich rechtswidrige Koppelung von Wohnungsbau mit dem Bau eines Kinos zu einem weiteren Kuddelmuddel und Planungschaos. Das alles ist von der Verwaltung so gewollt und wird von den Stadtverordneten so hingenommen.
    Hier noch ein Hinweis: In Hamburg werden städtische Grundstücke nur gegen strenge Auflagen an Investoren vergeben (z.B. 30% Sozialwohnungen, genaue Vorplanungen). Trotz dieser Reglementierung gibt es teilweise 20 und mehr Bewerber für ein städtisches Grundstück . Diese Investoren würden sich nicht bewerben, wenn sie sich keine Gewinne versprechen würden. Nicht zu vergessen: Für den Bau von Sozialwohnungen erhalten Investoren hohe Zuschüsse vom Land Schleswig-Holstein. Was noch wichtig ist: Durch die bevorzugte Behandlung einzelner Investoren wurden in Ahrensburg bisher Baugenossenschaften von der Vergabe attraktiver städtischer Baugrundstücke komplett ausgeschlossen.

  10. Frank B.

    @Rüdiger: Hier noch als Ergänzung das Jüngste Beispiel einer Vorteilsgewährung für die Melcher-Gruppe: Die neueste Vorlage der Verwaltung im Bauausschuss sah vor, dass die Investoren mehr als doppelt so viel Wohnungen auf der Alren Reitbahn bauen dürfen als ursprünglich geplant , und das bei gerade einmal 15% Sozialwohnungen. Die Stadtverordneten sind wieder auf die Tricks von Verwaltung und Investoren hereingefallen. Die reden den Stadtverordneten und der Öffentlichkeit nämlich ein, dass ein Investor für den Bau von Sozialwohnungen entschädigt werden müsste.
    Das ist zwar eine glatte Lüge, kommt aber in Ahrensburg immer noch gut an. Die Taktik der Verwaltung ging auf: Jetzt darf der Investor noch mehr Wohnungen bauen – sozusagen als “ Entschädigung“ für ein paar Sozialwohnungen mehr.

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