Das menschliche Potential, um ein Gotteshaus in Ahrensburg zu füllen, ist bis zu den Stehplätzen vorhanden

Gestern Nachmittag in der Schlosskirche zu Ahrensburg: „Offenes Singen am 1. Advent“, und zwar mit „Gospels und Advents- und Weihnachtsliedern aus aller Welt zum Hören und Mitsingen“. Auf dem Altar standen der Gospel- und der Kinderchor der Gemeinde. Und das Gotteshaus war nicht nur bis zum letzten Sitzplatz gefüllt, sondern es wurden auch noch Stehplätze eingenommen.

image1Was sagt uns das? Es sagt uns: Die Menschen gehen gerne in die Kirche, wenn sie sich dort wohlfühlen. Dass dieses nicht nur am Heiligen Abend geschieht, sondern auch am 1. Advent, verdanken wir Kirchenmusikdirektor Ulrich Fornoff, der das Wort Gottes musikalisch verkündet und für die Gemeinde im wahrsten Sinne des Wortes ein Gottesgeschenk ist.

Ich muss aber etwas Negatives sagen, und zwar zu den Besuchern. Denn ich habe auch gestern wieder erlebt, dass es Menschen gibt, die eine Kirchenbank mit einer Liege am Pool auf Mallorca verwechseln: Während sie in Spanien ein Handtuch auf die Liege legen, um sie zu besetzen, legen sie ihre Jacken auf die Kirchenbänke. Und besetzen damit Plätze für Leute, die erst kurz vor Beginn der Veranstaltung eintreffen und dann gemütlich Platz nehmen auf den „reservierten“ Plätzen. Und daneben müssen die Besucher stehen, die bereits zuvor gekommen waren und keinen freien Platz mehr bekommen haben. Das empfinde ich als ausgesprochen unchristlich.

IMG_0970Außerdem: Jesus Christus hat gesagt: „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht!“ In der Kirche war das gestern anders: Hier wollten Kleinstkinder garnicht kommen, sondern sie wurden fraglos mitgeschleppt. Und während der Darbietung haben sie geweint und ihren Unmut herausgebrüllt.  Oder sie  plapperten unaufhörlich. Frage: Haben die Eltern keinen Respekt vor der Leistung und Arbeit der Chormitglieder? Nehmen sie ihre Kleinkinder auch in die Staatsoper und ins Schauspielhaus mit? Falls nein: Warum dann zu einer Veranstaltung in der Kirche, die nicht für Babys gedacht ist? Vielleicht, weil es keinen Eintritt kostet?

Einige Eltern waren rücksichtsvoll und gingen mit ihren unruhigen Kindern vorzeitig aus der Kirche. Womit sie nicht zuletzt den Kleinen einen großen Gefallen getan haben. Andere Mütter dagegen schienen am Geschrei ihrer Kinder mehr Freude zu haben als an den Gospels und Chorälen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 30. November 2015

4 Gedanken zu „Das menschliche Potential, um ein Gotteshaus in Ahrensburg zu füllen, ist bis zu den Stehplätzen vorhanden

  1. Sabine Heinrich

    Herr Dzubilla, mit diesem Thema haben Sie bei mir in ein Wespennest gestochen!!!
    Diese rücksichtslosen Eltern, die ihre Babys und Kleinkinder überall hin mitschleppen und sie dann „zur Freude“ anderer Besucher plappern, weinen, schreien lassen, habe ich überall erlebt – bei Ausstellungseröffnungen, Konzerten, Theateraufführungen (die für Ältere bestimmt waren); aber auch bei Familienfeiern, wenn Reden gehalten werden und der Redner durch Babygeschrei massiv gestört wird. Leider verlassen dann nur wenige Eltern mit ihrem Kind den Raum, sondern viele unternehmen – wenn überhaupt – mehr oder weniger laute Tröstungsversuche. Die Aufmerksamkeit des Publikums ist ihnen gewiss!
    So ein Verhalten ist eine grobe Missachtung der Darbietenden und der anderen Besucher!
    Leider fehlt den Vortragenden oder den Künstlern der Mut, sich Ruhe zu erbitten, müssen sie doch fürchten, sogleich als „kinderfeindlich“ bezeichnet zu werden. Dabei ist es eine ignorante Minderheit, die auf Kosten der Mehrheit ihre Rücksichtslosigkeit auslebt!
    Ich habe es erst einmal erlebt, dass bei einer Fortbildungsveranstaltung – bei der ja nun Babys wirklich nichts zu suchen haben – selbst, wenn sie hochintelligent sind 😉 – der Dozent die Mutter gebeten hat, den Raum mit ihrem schreienden Säugling zu verlassen. Die meisten fanden das gut und waren erleichtert. Auch zu Kollegiumsweihnachtsfeiern oder Konferenzen werden Babys gern mitgenommen – in Berufen der „freien Wirtschaft“ sicher undenkbar.
    Vom Verhalten mancher Kinder rücksichtsloser, egoistischer Eltern in einem Restaurant (das gern mit einem Spielplatz verwechselt wird) will ich jetzt nicht reden – das würde zu weit führen!

    1. Ketzer

      Warum verbieten die Schulleiter nicht einfach, dass die Lehrerinnen ihre Babys zu Konferenzen und anderen Veranstaltungen, die nur das Kollegium angehen, mitbringen? Nur wenn die Kleinen ruhig sind, ist es noch ok.
      Versteh‘ ich nicht!
      Bald bringt noch jede ihr Haustier mit!
      Obwohl – sogar das gibt’s im Kreis Stormarn – unglaublich – aber wahr! Weiß nur der Schulleiter (oder die Schulleiterin?) nichts davon – geschickt eingefädelt von der Frau, die ihre Hündchen oft in Schulobhut und durch das Lehrerzimmer rennen lässt! Hab ich gehört. Glaubhaft.
      Wenn ich meine Katze netterweise als Anschauungsobjekt für ein paar Stunden einer Schule zur Verfügung stelle, muss ich fragen, ob ich das darf. Weiß ich. Da gibt’s Vorschriften ohne Ende.
      Wie immer – Dreistigkeit siegt!

  2. Florian

    Bitte? Ein Familien-Adventssingen wo Kinder sich leise, unauffällig und jederzeit voll konzentriert verhalten sollen? Ein Scherz? Eine bewusste Provokation?

    Vielleicht waren Sie beide in der falschen und für Ihr Sonntagsbedürfnis gänzlich ungeeigneten Veranstaltung. Oder aber vielleicht fehlt es nur ein bisschen an Toleranz?

    Ich habe das volle, laute und doch auch besinnliche Adventssingen am 1. Advent jedenfalls sehr genossen!

    1. Harald Dzubilla Artikelautor

      Sie haben den Kernpunkt der Kritik offenbar missverstanden, denn genau diese Forderung, die Sie einen Scherz nennen, habe ich überhaupt nicht gestellt. Vermutlich saßen Sie nicht zwischen weinenden und schreienden Kleinkindern, die gezeigt haben, dass sie sich dort unwohl gefühlt haben. Gegen diese richtet sich meine Kritik natürlich nicht, sondern gegen die rücksichtslosen Eltern. Die haben weder zugehört noch mitgesungen, sondern ihre Kinder gezwungen, dort auszuhalten. Und immerhin haben einige richtig reagiert und sind vor die Tür gegangen. Übrigens: Unsere 5jährige hat auch beim Familien-Adventssingen teilgenommen, für das sie lange geübt hat.

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