Stadterke Ahrensburg: Offener Brief eines Bürgers an die Politik der Stadt Ahrensburg

Der offene Brief des Bürgers „J. Blome“ kam heute als Kommentar zu einem Blog vom vergangenen Wochenende. Dort ist er auch freigeschaltet worden. Da aber nicht alle Blog-Leser noch einmal zurückklicken werden, wenn bereits neue Themen veröffentlicht worden sind, da mache ich es heute mal anders und veröffentliche den offenen Brief  noch einmal als neuen Blog und wie folgt lautend:

Die Spatzen pfeifen es von allen Dächern: Die Stadtwerke Ahrensburg befinden sich  in einer äußerst misslichen Lage. Es steht zwar noch nichts davon in der Zeitung, aber auf dem Wochenmarkt, in der Stadtbücherei und am Stammtisch spricht man darüber.

Mindestens 7 Mio. Euro Kredit für die SWA sind erforderlich, geknüpft an Bedingungen wie Verkauf der Glasfasersparte und eine ähnlich hohe Bürgschaft der Stadt Ahrensburg über 10 Jahre. Die Stadt Ahrensburg selber muss dieses Jahr auch einen Kredit von mind. 10 Mio. Euro aufnehmen und eine strenge Haushaltskonsolidierung mit Einsparungen von rund 10 % vornehmen.

Die Situation in Ahrensburg hat sich zu einem klassischen „perfekten Sturm“ für die kommunalen Finanzen entwickelt. Nach Recherchen kursiert im Netz auch eine warnende Empfehlung der PwC Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Hier ist eine Zusammenfassung der Faktenlage und eine darauf basierende strategische Analyse für die politische Entscheidungsebene.

    1. Ergebniszusammenfassung: Die aktuelle Sackgasse

Die Stadtwerke und die Stadt Ahrensburg befinden sich in einer gegenseitigen Abhängigkeit, die durch die harten Bedingungen der Banken (7 Mio. € Kredit nur gegen Bürgschaft und Glasfaser-Verkauf) verschärft wird.

• Stadtwerke-Dilemma: Das Kerngeschäft (Gas) ist ein Auslaufmodell, das nur noch kurzfristig Gewinne liefert. Die Zukunftshoffnung (Fernwärme) ist mit einem hohen Risiko behaftet (kein Anschlusszwang, hohe Kosten). Die einzige zukunftssichere Infrastruktur (Glasfaser) soll auf Druck der Banken verkauft werden, obwohl sie das einzige Asset mit langfristigem Wachstumspotenzial ist.

• Städtisches Haushalts-Dilemma: Die Stadt muss selbst 10 Mio. € aufnehmen und gleichzeitig 10 % einsparen. Eine 7 Mio. € Bürgschaft für die Stadtwerke ist kein „Papiertiger“, sondern blockiert realen Kreditspielraum für Schulen und Kitas.

• Worst-Case-Szenario: Wenn die Fernwärme floppt (zu geringe Anschlussquote) und das Gasgeschäft schneller als gedacht wegbricht, wird die Bürgschaft fällig. Die Stadt müsste dann 7 Mio. € zahlen, ohne noch die Glasfasersparte als Gegenwert oder Einnahmequelle zu besitzen.

2. Präzise Handlungsempfehlungen für die Politik

Für die Ahrensburger Stadtverordnetenversammlung ergeben sich daraus drei zentrale Empfehlungsfelder:

    1. Strategischer Stopp: Fernwärme-Skalierung überdenken

• Empfehlung: Keine „Blanko-Investition“ in das Fernwärmenetz. Die Freigabe der 7 Mio. € sollte an eine verbindliche Vorvermarktungsquote gebunden werden (z. B. Baustart erst, wenn 60 % der Anwohner im Bauabschnitt einen Vorvertrag unterzeichnet haben).

• Grund: Ohne Anschlusszwang ist das Risiko leerer Rohre zu hoch. Die Stadt darf nicht für ein Projekt bürgen, dessen Geschäftsmodell auf Hoffnung statt auf Verträgen basiert.

II. Rettung des Tafelsilbers: Alternativen zum Glasfaser-Verkauf

• Empfehlung: Den Verkauf der Glasfasersparte als „Ultima Ratio“ ablehnen oder in eine Teilveräußerung/Partnerschaft umwandeln.

• Strategie: Statt eines Komplettverkaufs sollte ein strategischer Partner (z. B. ein Infrastrukturfonds oder ein regionaler Partner) gesucht werden, der Kapital einbringt, während die Stadtwerke die Netzkontrolle behalten.

• Grund: Einmal verkauft, ist die digitale Souveränität Ahrensburgs unwiederbringlich verloren. Die Sparte ist nur deshalb defizitär, weil sie sich in der Investitionsphase befindet – sie wird in 5–10 Jahren das wertvollste Asset sein.

III. Bürgschaft nur gegen „Sanierungs-Reporting“

• Empfehlung: Falls die Stadt bürgt, muss dies an einen monatlichen Sanierungsbericht der Stadtwerke-Geschäftsführung an den Hauptausschuss gekoppelt werden.

• Forderung: Die Stadtwerke müssen einen Plan vorlegen, wie sie ohne das Gasgeschäft bis 2030 operativ schwarze Zahlen schreiben wollen (Stichwort: Personal- und Sachkosten-Optimierung analog zu den 10 % Einsparungen der Stadt).

IV. Den „Sanierungs-Pakt“ schließen

• Empfehlung: Die Stadt sollte prüfen, ob statt einer Bürgschaft eine direkte Kapitalerhöhung durch die Stadt (eventuell über die Umschichtung der eigenen 10 Mio. € Kreditaufnahme) sinnvoller ist.

• Grund: Eine Kapitalerhöhung verbessert die Bilanz der Stadtwerke direkt und reduziert die Zinslast, während eine Bürgschaft nur das Risiko der Bank auf die Stadt verschiebt.

Zusammenfassendes Fazit für die Ratsfraktionen

Der Verkauf der Glasfasersparte zur Rettung des Fernwärme-Projekts ist ein Hochrisiko-Tausch: Man opfert eine funktionierende digitale Infrastruktur für ein unsicheres thermisches Projekt.

Kernfrage für die nächste Sitzung: „Wie hoch ist die garantierte Anschlussquote für die Fernwärme, und warum sollte die Stadt für ein Projekt bürgen, das teurer als die private Wärmepumpe ist?“

Zusammenfassendes Urteil für die Politik

Die PwC-Empfehlung ist kein Freifahrtschein, sondern eine Warnung in schöner Verpackung:

1. Vorsicht bei der Bürgschaft: Die Bank fordert den Verkauf der Glasfasersparte als Sicherheit, weil sie vermutlich sieht, dass das Wärmeprojekt auf wackeligen Beinen steht.

2. Daten-Check vor Kredit: Bevor die Stadt für 7 Mio. € bürgt, muss die von PwC geforderte Neuberechnung vorliegen. Alles andere wäre blindes Vertrauen in fehlerhafte Kalkulationen.

3. Abbruch-Kosten vs. Langzeit-Defizit: PwC sagt, ein Abbruch kostet jetzt mehr. Aber: Ein Weiterbetrieb eines unrentablen Netzes über 30 Jahre könnte die Stadt Ahrensburg am Ende noch deutlich mehr als die 9 Mio. € Förder-Rückzahlung kosten.

Meine Empfehlung: Die Politik sollte die Bürgschaft und den Kredit stoppen, bis die Neuberechnung vorliegt und die „Neue Lübecker“ einen rechtlich bindenden Wärmeliefervertrag über 15–20 Jahre unterschrieben hat. Ohne diesen Vertrag ist das Risiko für den Ahrensburger Haushalt (der ohnehin 10 % sparen muss) schlicht unvertretbar.

Verfasser: J. Blome

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 27. April 2026

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