Wie ein Discounter für sich PR macht – mit dem Spendengeld seiner Kunden!

Netto wirbt im Anzeigenblatt MARKT Ahrensburg. Nein, nicht der Netto-Laden mit dem Hund am Reeshoop, sondern Netto ohne Hund, der sich auch “Netto Marken-Discount” nennt. Und wer „Netto Marken-Discount Ahrensburg“ bei Google eingibt, der kommt zum Ergebnis: Der Netto-Markt wird zwar für Ahrensburg angezeigt, befindet sich aber gar nicht in Ahrensburg, sondern in Bargteheide und Rahlstedt und anderswo. Leicht schizo.

Aber zum Eigentlichen: Die Netto-Anzeige im MARKT ist redaktionell gestaltet und überschrieben: „Mit jedem Netto-Einkauf Kindern helfen“. Und wer daraufhin denkt: „Dann geh’ doch zu Netto!“, um Kindern zu helfen, der sollte dabei bedenken: Netto selber hilft Kindern überhaupt nicht.

Richtig ist: Die Kunden von Netto sollen Kindern helfen, und zwar indem sie ihr Pfandgeld spenden oder Einkaufsbeträge aufrunden lassen als Spende für die Tabaluga-Stiftung von Peter Maffay.

Und wie unterstützt Netto nach eigener Angabe die  Kinder in Not? Wir lesen: „Neben den aktuellen Pfand- und Kassenspenden“ – die von Netto-Kunden stammen – „unterstützt Netto die Peter Maffay Stiftung bereits seit 2016 mit seinem exklusiven Tabaluga-Sortiment. Von frischem Obst und Gemüse über leckere Snacks bis hin zu praktischen Drogerie-Artikeln–die Artikel erkennen Kunden an dem kleinen, grünen Drachen auf der Verpackung.“ Aber nur, wenn Kunden diese Produkte auch kaufen, dann wird dadurch die Peter-Maffay-Stiftung unterstützt.

Klartext: Nirgendwo in der Anzeige ist ein Hinweis zu lesen, dass Netto für Kinder in Armut auch nur einen Cent aus der eigenen Ladenkasse spendet. Wie beispielsweise der Drogeriemarkt dm das mit einer Spendenaktion tut.

Es ist schon irre, wie manche Handelsunternehmen sich einen Heiligenschein aufsetzen, der in Wahrheit ein Scheinheiligenschein ist. In meinen Augen sollte hier der Gesetzgeber einschreiten, denn es ist ein Geschäft mit dem Gefühl von hilfsbereiten Kunden, die dabei hinters Licht geführt werden. Warum der MARKT solche Werbung veröffentlicht, kann ich nicht nachvollziehen.

Postskriptum: Wenn ich mir dann noch vorstelle, dass Netto das von seinen Kunden gespendete Geld an die Peter-Maffay-Stiftung weiterreicht und sich dafür möglicherweise eine Spendenquittung geben lässt, um diese in der eigenen Steuererklärung abzusetzen, dann muss ich mich übergeben.

 

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 3. Oktober 2020

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.