Sie kennen keine Scham: Bürgervorsteher und Stellvertretende Bürgermeisterin als Werbefiguren für famila

In einer Anzeige vom Warenhaus famila im aktuellen MARKT werden zwei Politiker abgebildet, die in Ahrensburg öffentliche Ämter bekleiden: Roland Wilde (CDU) ist Bürgervorsteher und Stadtverordneter. Und Carola Behr (CDU) ist Stellvertretende Bürgermeisterin, Stadtverordnete und Mitglied im Bau- und Planungsausschuss. Und beide Amtsinhaber haben offenbar zugestimmt, dass famila sie öffentlich mit Wort und Bild für Werbezwecke präsentiert, denn ohne ihre Einwilligung wäre sowas nicht erlaubt. (Mehr noch: Politiker könnten bei Nichtgenehmigung sogar Schadenersatzansprüche geltend machen und u. U. auch Schmerzensgeld fordern.)

Aus dem Werbetext der famila-Anzeige: „Für die Ahrensburger Politik drückte Bürgervorsteher Roland Wilde seine Freude aus, dass jetzt Baustart ist. Er lobt das Warenhaus für sein ‚breitgefächertes Grundsortiment’ und bekannte sich dazu, selbst Kunde zu sein“.

 Und weiter im Werbetext heißt es: „Auch die stellvertretende Bürgermeisterin Carola Behr, zugleich Mitglied im Bau- und Planungsausschuss, zeigte sich sehr erfreut über den Startschuss für das neue famila-Gebäude.“ (Den Grund für ihre Freude über ihren Hackenschuss den Startschuss, erklärt Carola Behr nicht. Hat sei vielleicht für ihr werbliches Testimonial einen Warengutschein von famila erhalten? Oder hofft sie, dort in Zukunft an einer Kasse für C-Promis bevorzugt abgefertigt zu werden…?)

Auf dem Werbefoto von famila graben die beiden CDU-Stadtverordneten mit ihren Spaten ein düsteres Loch für die Ahrensburger Innenstadt. Zwei Totengräber einer heute noch schönen Innenstadt. Und dafür wurden im Gewerbegebiet 29.000 qm Fläche zubetoniert, um damit auch reichlich kostenlosen Parkraum zu schaffen, der in der Innenstadt von Verwaltung und Politik nicht nur abkassiert wird, sondern auch abgebaut wurde und weiterhin kontinuierlich abgebaut werden soll. Und famila darf auch zusätzlich Praxis- & Büroflächen sowie eine Apotheke ansiedeln und auch noch eine eigene Abteilung für Frischfisch einrichten, um noch zusätzliche Kauffrequenz aus der Innenstadt abzuziehen.

Designierter City-Manager für Ahrensburg: Gotthilf Leganhagen von Schubbert, Spezialist für Boulevard und Rokoko-Verkleidung, der seinen Führerschein schon lange abgegeben hat!

So ein „Fachmarktzentrum“, das mit innenstadtrelevantem Angebot in Wahrheit ein Einkaufszentrum ist wie das CCA, dieses Zentrum stiftet natürlich keinerlei Identität für eine Einkaufsstadt wie Ahrensburg, die heute auch ein Magnet ist für Kunden aus dem Umland. Aber wenn die Ahrensburger Innenstadt zu Grunde gerichtet wird, wie man das heute schon in der Manhagener Allee erkennbar mitverfolgen kann, dann teilt Ahrensburg das Schicksal vieler Klein- und Mittelstädte, die in den 80er und 90er Jahren ihre Innenstädte durch Einkaufszentren am Stadtrand zerstört haben und bis heute unter den Folgen leiden, die nur schwerlich wieder zu beseitigen sind.

Peter Egan (WAB) sagte der Presse unlängst, dass Supermärkte die Grüne Wiese mit großem Stellplatzangebot präferieren. Das ist nicht neu. Es ist aber im Jahr 2020 Aufgabe der Stadtverordneten, einen eigenen Gestaltungswillen zu zeigen und eben Supermärkte nur in der Innenstadt anzusiedeln, um die Frequenz dort zu erhalten. Das hätte man auch mit famila versuchen können, aber diese Chance wurde vertan.

Und Bürgermeister Michael Sarach, der sich in der famila-Werbung durch seine Stellvertreterin hat doubeln lassen? Der Mann hat absolut kein Gespür für eine Kleinstadt wie Ahrensburg, in der ursprünglich alles gut funktioniert hat. Und in zwei Jahren geht Sarach in Pension. Ich bin sicher: Nach diesem Bürgermeister wird niemals eine Straße oder ein Weg in Ahrensburg benannt werden – zumal es den Grauen Esel ja schon gibt. Und die Rampengasse gebührt seiner Vorgängerin Ursula Pepper, der Blaufrau.

Und dann sind da die Stadtverordneten Levenhagen und Egan, die heute zwar schon in Rente sind aber immer noch Entscheidungen treffen, von denen sie am bitteren Ende gar nicht mehr tangiert werden. Ohnehin hat Familie Levenhagen ihren Laden mit Parkplätzen nicht in Ahrensburg sondern in Norderstedt. Diesen Leuten kann die Ahrensburger Innenstadt also völlig schnuppe sein. Und ihre Untertanen in den Fraktionen, die dem Zwang nicht zustimmen wollen, die werden kurzerhand aus der Fraktion gemobbt und geekelt.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 10. Februar 2020

4 Gedanken zu „Sie kennen keine Scham: Bürgervorsteher und Stellvertretende Bürgermeisterin als Werbefiguren für famila

  1. Observator

    Wenn ich mich recht erinnere, dann war es der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, dass genau das, was heute am Beimoor passiert, verhindert werden sollte. An diesem Ort sollten lediglich Fachmärkte angesiedelt werden, die wenig innenstadtrelevante Waren anbieten. Heute ist dort tatsächlich ein neuen Einkaufszentrum außerhalb der Innenstadt geplant, sogar mit Apotheke. Und kein Politiker schreit auf, sondern der Bürgervorsteher kommt mit Begleitung aus seiner eigenen Fraktion zum Spatenstich und frohlockt über das was kommt. Mich wundert heute gar nicht, warum Wilde bei seiner letzten Wahl nur mit knapper Mehrheit in seinem Amt bestätigt worden ist. Als Bürger habe ich das Gefühl, dass der Mann „käuflich“ ist, was man ja auch schon an seinem persönlichen Werbeeinsatz für die Messe des Dr. Eckstein erkennen kann.

  2. Der Spatz vom Rathausdach

    Wenn Ahrensburger Einzelhändler (Stadtforum) wirklich Eier in Stock und Hose hätten, dann würden sie Behr und Wilde nicht mehr bedienen. Sollen die doch mit ihren Einkäufen so lange warten, bis das neue Famila eröffnet. (Hinweis für beide: Nahrungsentzug macht schlank!) Vielleicht vergeht der Behr bis dahin auch der dämliche Gesichtsausdruck, den sie auf den Fotos ständig zeigt. (Wenn diese Frau tatsächlich in der Lage ist, das Amt des Bürgermeisters zu übernehmen, dann kann der Spatz auf dem Rathausdach auch ins Stadtwappen von Ahrensburg rücken!)

  3. Till Hauser

    Na, Herr Blogger, wo bleiben hier denn die Stimmen aus dem Ahrensburger Einzelhandel? Könnte es vielleicht sein, dass das neue EKZ im Gewerbegebiet die Mitglieder vom Stadtform genauso interessiert wie ein Fliegenschiss an ihrer Schaufensterscheibe? Hier hätten die Damen und Herren mal die Gelegenheit, Dampf abzulassen. Aber sie schweigen. Vielleicht wecken Sie mehr Interesse, wenn Sie das Thema Südtangente wieder aufwärmen. Oder sich der Frage widmen, ob man im Speicher am Marstall vielleicht einen Swinger-Club betreiben könnte. Das sind Themen, die man lesen will und nicht über das Ende des Einzelhandels in der Innenstadt.

  4. Sandra Lehmann

    Wieviel Arbeitsplätze pro m² Gewerbefläche werden bei famila eigentlich generiert ? Ich behaupte mal sehr wenige …. Eine riesige Verkaufsfläche mit wenigen Arbeitsplätzen gegen eine bisher gut funktionierende Kleinstadt mit ihren einzelnen Geschäften und sehr vielen Arbeitsplätzen. Und ob das Steueraufkommen durch famila für den Kreis Stormarn wirklich so vorteilhaft ist, möchte ich erst ein mal gezeigt bekommen. Schon sehr seltsam, dass die Ahrensburger CDU die Geschäftsleute der Innenstadt so im Regen stehen lässt. Wenigstens sollte dann nach dem Umzug von famila an den Rand der Innenstadt das kostenpflichtige Parksystem abgeschafft werden, um einen fairen Wettbewerb zu ermöglichen. Alles andere wäre Schikane …

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