Große Straße: Wo unser Geld in die Toilette gesteckt wird

Das ehemalige Ahrensburger Luxus-Klo vor dem Rathaus, wo nach Aufdeckung durch den Blogger von Szene Ahrensburg bekannt geworden war, dass dort jede Sitzung aus der Stadtkasse mit 56 Euro bezuschusst worden war, weil im Schnitt pro Tag nur zwei zahlende Notdürftige dort hineingegangen sind, dieses Ahrensburger Luxus-Klo fand danach landesweite Beachtung durch einen Eintrag ins Schwarzbuch der Steuerzahler. Und landesweit gab es auch das große Gelächter über Ahrensburg, als das ZDF über diesen „Hammer der Woche“ berichtet hat. Sozusagen Ahrensburger Stadtmarketing aus der Vergangenheit. 😉

Neues Ahrensburger Luxus-Klo: Abendblatt-Leser bringen ihr Papier selber mit (Text: 3. Buch Abendblatt – Symboldbild: A. Paul Weber)

Dann wurde dieses Luxus-Klo abgebaut. Und im Jahre 2018 haben Ahrensburger Politiker auf Antrag des Bürgermeisters beschlossen, eine neue Toilette in der Innenstadt zu bauen – die 20. öffentliche Bedürfnisanstalt in der Stadt – siehe die Aufstellung unten! Dafür hatte man bereits im selben Jahr 150.000 Euro an Baukosten im Haushaltsetat eingeplant.

Und was passierte dann? Dann passiert nix. Und ich war guter Hoffnung und habe gedacht: Im Rathaus scheint Vernunft eingekehrt zu sein! Will meinen: Die Beamten im Bauamt sitzen die Entscheidung der Stadtverordneten einfach aus und denken nicht daran, den Scheißhausbeschluss umzusetzen in der Hoffnung, dass dieser in Vergessenheit geraten wird, zumal jeder normal denkende Mensch insgeheim weiß, dass diese Toilette genauso albern ist wie das Umkleidehaus am Stormarnplatz oder städtische Sonnenschirme in der Rampengasse.

Öffentliche Toiletten in Ahrensburg. Für Stadtfest, Wein- und Oktoberfest kommen weitere Toiletten der Veranstalter dazu.

Aber haste gedacht – so clever sind die Damen und Herren im Rathaus leider nicht! Und schon gar nicht im Bauamt! Mit Bericht im 3. Buch Abendblatt wurde in dieser Woche bekannt: „Ahrensburg hat neue Toilette bestellt“. Und die Verzögerung hat sich ergeben durch „fehlende Kapazitäten im Bauamt“. (Wobei mit “Kapazität” offensichtlich das Synonym für “Koryphäe” gemeint ist.)

Das neue Klo in der Großen Straße soll nach Bericht der Klofrau mit jährlich 15.000 Euro zu Buche schlagen. Und wenn auch hier wieder durchschnittlich zwei Personen pro Tag ihr Geschäft erledigen, dann kostet jede Sitzung die Stadt rund 20 Euro Zuschuss pro Schiss, also deutlich weniger als das vorherige Luxus-WC der Firma JCDecaux mit 56 Euro gekostet hat.

ABER: Werden wir Bürger auch hier möglicherweise wieder beschissen? Ich meine: Sind in diesen 15.000 Euro jährlich auch die Baukosten in Höhe von 150.000 Euro mit eingerechnet? Und gestiegene Strompreise? Und  mit Sicherheit anfallende Reparaturkosten? Fragen, die ich hier mal offen in den Kloraum stelle in der Erwartung, dass jemand zu diesem Scheißthema eine fundierte Information geben wird.

Postskriptum: Es könnte im Rathaus auch folgende Absicht geben: Die Stadt erlaubt es den Veranstaltern von Stadt- und Weinfest in Zukunft, dass diese in der Großen Straße keine fahrbaren Toiletten mehr auf eigenen Kosten aufstellen müssen. Damit werden die (reichlich trinkenden) Besucher dann gezwungen, ins neue stadteigene Klohaus zu gehen. Auf diese Weise ergibt sich aufs Jahr umgerechnet ein sehr viel höherer Durchschnittsbesuch.

Und wenn die Stadtverordneten, die für dieses Klo den Daumen gehoben haben, sich vorgenommen haben, selber das Toilettenhaus häufiger aufzusuchen, dann könnte der Zuschuss der Stadt sich noch einmal dezimieren – falls Stadtverordnete nicht das Privileg bekommen, dort gratis ihre Notdurft zu erledigen wie sie ja auch in der Rathaus-Garage gratis ihre Autos parken dürfen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 31. Januar 2020

2 Gedanken zu „Große Straße: Wo unser Geld in die Toilette gesteckt wird

  1. Anna Konda

    Wie man auf Szene Ahrensburg immer wieder deutlich lesen kann, gibt es in Ahrensburg einige Politiker, die sehr viel Scheiß machen. (Zum Beispiel diejenigen, die diese Toilette gewollt haben.) Und weil dieselben Damen und Herren auch einen Multifunktionssaal haben möchten, sollte man diesen direkt an das neue Luxus-Klo anbauen, damit die Politiker einen kurzen Gang zu ihrem Lokus haben.

  2. Anna Konda

    Kann man nicht die Toilettenbenutzungsgebühr den Selbstkosten anpassen, also nach dem Verursacherprinzip pro Klogang 20 Euro verlangen? Wenn den Leuten das zu viel ist, dann gehen sie einfach in ein Restaurant, trinken dort ‘ne Cola oder ‘n Bier und gehen dabei schnell mal aufs Klo.

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