Die Stadt Ahrensburg misst ihre Bürger mit zweierlei Maß

Die Verwaltung von Ahrensburg und die Politiker der Stadt wollen, dass die Innenstadt von Autos befreit wird. Warum? Wie man hört, sollen die Bürger dort ungestört lustwandeln können. Zum Bespiel in der Großen Straße, wo es allerdings mit dem Lustwandeln unter Kastenlinden nix geworden ist. Und genauso sollen auch Parkplätze in der Hamburger Straße wegfallen, damit die Gehwege breiter werden und die Menschen sich nicht andauernd anrempeln. Die autofreie Innenstadt gilt jedoch nicht für die Kunden der Stadtwerke Ahrensburg! Ganz im Gegenteil: Kunden dieser Firma bekommen in der Innenstadt die tollsten Parkmöglichkeiten und das sogar stundenlang gratis!

Beweis: Die Stadt hat öffentliche Parkplätze in bester Lage der Innenstadt abgebaut. Mal abgesehen vom Lindenhof: Auf dem kleinen Parkplatz neben dem Rathaus, am Rathausplatz direkt, an der CCA-Ausfahrt und Am Alten Markt sind öffentliche Plätze für den gemeinen Autofahrer gesperrt.  Dazu auch an der U-Bahn Ost und am Badlantic. Und im ersten Halbjahr 2020 sollen noch vier weitere Stellen dazukommen.

Alle diese öffentlichen Parkplätze wurden und werden zu Kundenparkplätzen der Stadtwerke Ahrensburg umgewandelt und für deren Kunden, die dort an E-Tanksäulen stundenlang parken dürfen. Und weil es jeweils zwei Parkplätze pro E-Säule sind, bekommen Kunden der Stadtwerke damit 22 (zweiundzwanzig) städtische Parkplätze in bester Innenstadtlage, die für andere Autofahrer blockiert wurden. Und weil es im gesamten (!) Kreis Stormarn nur 512 E-Autos gibt – siehe den Bericht im 3. Buch Abendblatt von diesem Wochenende! – stehen die Tankplätze der Stadtwerke die meiste Zeit lang leer.

“Schon 512 Autos fahren in Stormarn mit Strom” (Abbildung frei aus Abendblatt)

Was bedeutet das? Es bedeutet: Familie Levenhagen und ihre dicken Freunde von der WAB sind nicht ehrlich. Denn man kann doch nicht den Kunden der Innenstadtläden die Parkplätze wegnehmen und diese den Kunden der Stadtwerke überlassen und das auch noch kostenlos. Mehr noch:

Kunden der Stadtwerke können an den E-Ladesäulen der Stadtwerke ihre Autos sogar gratis aufladen! Und wer bezahlt diesen Strom? Den bezahlen die Stadtwerke. Und wem gehören die Stadtwerke? Sie gehören der Stadt und damit allen Bürgern von Ahrensburg. Ergo: Geld, das die Stadtwerke hier fröhlich verschenken, ist ein Verzicht der Stadt auf Einnahmen.

Findet jemand von Ihnen, dass das ganze Prozedere eine saubere Sache ist, abgesehen mal davon, dass E-Autos sauberer fahren? Und: Warum stehen die E-Ladesäulen der Stadtwerke nicht im Gewerbegebiet? Fragen, die genauso unbeantwortet bleiben wie: Warum residieren die Stadtwerke Ahrensburg ausrechnet im City Center Ahrensburg (CCA) in der Rampengasse…?!

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 22. Dezember 2019

9 Gedanken zu „Die Stadt Ahrensburg misst ihre Bürger mit zweierlei Maß

  1. Beobachter

    Sofern die Mitarbeiter der Betriebe und Geschäfte ohne Probleme werktags gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln bzw. Fahrrad bzw. zu Fuß zur Arbeit kommen können, habe ich nichts dagegen, dass dort Parkplätze wegfallen. Doch leider ist speziell der öffentliche Nahverkehr nicht so attraktiv, dass sowohl Mitarbeiter als auch Kunden sich für den Stadtbus entscheiden. Ich gehe weiterhin für die eigene Gesundheit meistens zu Fuß bzw. nehme das Fahrrad.
    Es ist doch selbstredend, dass die Stadtwerke auf dem Zug der Zeit aufspringen und E-Tankstellen-Parkplätze zur Verfügung stellen und als Marketingausgaben deklarien, da sie keine kostendeckenden Einnahmen generieren. In 2020 werden sicherlich an einigen weiteren Stellen Parkplätze wegfallen (für nicht vorhandene E-PKWs).

    1. Harald Dzubilla Artikelautor

      Schön für Sie, dass Sie gesund sind und zu Fuß gehen können und Ihre Einkäufe für die ganze Familie mit dem Fahrrad erledigen können und dabei auch noch Ihre Kinder im Anhänger mitnehmen können.

  2. Lorenz M.

    Es stellt sich immer wieder die dringendste aller Fragen:
    Wem gehört die Stadt, und damit meine ich den öffentlichen Raum.
    Antwort: Allen gleichermaßen.
    Und wie viel Raum davon darf der/die Einzelne beanspruchen? Idealerweise jeder gleich viel!
    Aber 14m² Straße und dazu 14m² Parkplatz für nur ein Auto in bester Lage? Nein. Soviel haben wir nicht.
    Ausreichend Parkplätze schaffen ja, aber nur im fußläufig (5-7 min~ 400-550 m) erreichbaren nahen Ringbereich der Stadt und vor Arztpraxen.
    Aber nicht in bester Lage, denn dieser Platz gehört dem Fußgänger und Radfahrer.
    Soweit meine Gedanken dazu.

  3. Albert

    Ich wundere mich beim Thema Stadtwerke derzeit vielmehr darüber, das dieses Unternehmen der Stadt Ahrensburg bei den in der Stadt Ahrensburg ansässigen und Steuer zahlenden Heizungsbauunternehmen wildert, indem es jetzt selbst als Heizungsvermieter auftritt …
    Nicht nett …
    Schönes Weihnachtsfest, Albert

  4. Beobachter

    Ja, Herr Dzubilla, ich plädiere eindeutig für weniger Individualverkehr und für einen ÖPNV, der sich nach dem Bedarf der Bürger orientiert. Das wären unter Umständen auch Minibusse oder Grossraumtaxen, die besser durch die engen und mit PKWs vollgestellten Straßen kommen.
    Ich bin nicht dafür, dass man für die paar Meter bis zum Bäcker mit dem PKW fährt. Ich halte mich gesund und beweglich, auch körperlich. Aber ich bin niemand, der anderen Mitbürgern ein Auto verbieten würde. Ich finde es aber gut, wenn auch in ihren Kopf ein Umdenken für eine zukunftsfähige Umwelt, auch in Ahrensburg, stattfindet. Wenn alles so bleibt wie es ist,wird sich nichts verändern.

    1. Harald Dzubilla Artikelautor

      Denken Sie bitte daran, dass öffentliche Verkehrsmittel nicht so fahren können wie der Individualverkehr. Für sehr viele Menschen bedeutet das: kostbare Lebenszeit opfern für Wege und langes Warten. Wenn das 20 Stunden im Monat sind, dann sind es im Jahr 240 Stunden verschenkte Lebenszeit. Und je älter Sie werden, desto weniger Lebenszeit haben Sie noch vor sich. Und es gibt nicht nur Singles und junge Menschen, sondern es gibt auch Familien mit kleinen Kindern, und es gibt auch ältere Menschen. Haben Sie schon mal einen einen Wocheneinkauf für die ganze Familie im Supermarkt inkl. Getränkekolli auf Ihrem Fahrrad transportiert oder einen Kinderwagen bzw. Rollator…? Und denken Sie dabei nicht nur an Menschen aus Ahrensburg, sondern auch an die vielen Bürger, die von außerhalb nach Ahrensburg kommen!

  5. Beobachter

    Heute habe ich zufällig in Ahrensburg unfreiwillig einen Gespräch zuhören müssen, in welchem es von Seiten des etwas älteren Mannes ggü.der Frau dem Wortlaut in etwa so klang “ich bin zwar oft nicht der Meinung von Herrn Dzubilla, aber den Blog lesen ich fast täglich”. So ähnlich habe ich dies auch in der Vergangenheit das eine und andere Mal von Ahrensburger Stadtverordnete vernommen.
    Ja, Herr Dzubilla, so geht es mir auch. Nur das ich ab und an mal meine Meinung hinterlassen habe.
    Schade, dass Sie anscheinend nur auf Privatverkehr mit PKWs setzen, aber das ist in Ihrem Blog zwischen den Zeilen häufig zu lesen.
    Es gibt viele Möglichkeiten des öffentlichen Nahverkehrs, so man offen dafür ist. Vom HVV kommt freiwillig wenig (Standard). Hier sind neben den Menschen in Ahrensburg auch die hier arbeitenden wie und die hier kaufenden Damen und Herren gefragt.
    Besinnliche Tage, wünsche ich, damit gerne im neuen Jahr mit viel Schwung sachlich diskutiert wird. Vielleicht auch im Klimabeirat. Tschüss.

    1. Harald Dzubilla Artikelautor

      Hallo Beobachter –

      lesen Sie bitte das Testimonial der Axel-Springer-Akademie oben rechts! Genau dort wird es auf den Punkt gebracht.

      Es wäre schlimm, wenn alle Leser immer (m)einer Meinung sind. (Nicht mal meine eigene Frau ist das! 😉 ) Und natürlich will ich nicht vorrangig die Menschen erreichen, die meine Meinung teilen, sondern genau diejenigen, die anderer Meinung sind. Und wenn die Szene Ahrensburg lesen und meine Meinung zur Kenntnis nehmen, dann habe ich mein Ziel erreicht.

      Zu Ihrer Information: Ich habe sogar zwei Fahrräder und fahre mit dem Fahrrad in die Stadt, oft zusammen mit meiner jüngsten Tochter. Aber mit dem Fahrrad kann ich nicht größere Einkäufe erledigen. Und bei Dunkelheit und wenn es dann auch noch regnet, bin ich auf dem Fahrradweg hilflos. Weil der Radweg schlecht und die Beleuchtung noch schlechter ist. Und wenn ich ein Taxi nehme, dann brauche ich keine Mitfahrer. (Im Restaurant setze ich mich auch ungern an einen Gemeinschaftstisch mit fremden Leuten.) Und wenn ich nach Hamburg muss, fahre ich ausschließlich mit der Regional- oder U-Bahn, was eine Katastrophe ist bezüglich der Parkmöglichkeiten an den Bahnhöfen.

      Meine Meinung: Alle Verkehrsteilnehmer in Ahrensburg müssen gleichermaßen zu ihrem Recht kommen; eine Bevormundung durch Politiker oder Verwaltungsbeamte lehne ich ab.

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