In eigener Angelegenheit: Der Blogger, die Kommentatoren, die Politiker, die Anonymität und der Alfred-Rust-Saal

Vor ein paar Tagen bekam ich auf einen Blog-Eintrag eine E-Mail von einem bekannten Politiker aus dem Kreise Stormarn. Der Beitrag auf Szene Ahrensburg befasste sich mit dem Ahrensburger Ehrenbürger Alfred Rust, und der Leser hatte seine Meinung dazu nicht als Kommentar geschickt, sondern eben persönlich an mich per E-Mail.

Symbolbild (Lithographie: A. Paul Weber)

Indem ich den Namen des Absenders verschweige, nehme ich mir ungefragt das Recht, seine Mail an dieser Stelle zu zitieren. Der Mann schrieb:

„Einfach nur kurz vielen Dank für die Publikation des Textes von Herrn König über Alfred Rust. Unter uns: Es ist in der Tat schäbig, wie mit seinem Andenken umgegangen wird. Mit dem weit verbreiteten Gratismut von heute lässt sich leider viel zu leicht der Stab über Menschen brechen, die unter widrigen Bedingungen versuchen mussten, ihr Leben zu leben (und heute lässt sich ja auch gut beobachten, wie diese sich für besonders klug und kritisch haltenden Geister den Rattenfängern von links- und rechtsaußen hinterherlaufen und jeden Blödsinn nachplappern; da kann man sich gut vorstellen, wie die sich in der Nazi-Zeit verhalten hätten). Man kann nur hoffen, dass irgendwann Lebensleistung und mögliche dunkle Flecken in der Geschichte von Personen wie Alfred Rust in ein faires, nüchtern abgewogenes Verhältnis gesetzt werden.“

Ich habe dem Mann für seine E-Mail gedankt und ihn gefragt, ob er seinen Text nicht online als Kommentar auf Szene Ahrensburg posten wolle. Seine Antwort:

… ach, es ist ja so (wie man auch bei Facebook sehen kann): Ich versuche mich nach Kräften, nicht im Netz in mögliche Diskussionen zu begeben, weil ich idR weder Zeit noch Nerven dafür habe. Das ist durchaus kritikabel — aber es stiftet ein wenig Seelenfrieden und daher hoffe ich auf Ihr Verständnis. Mir war primär wichtig, Ihnen positive Rückmeldung zukommen zu lassen.“

 Das berichte ich als Einleitung zu dem, was ich heute für Szene Ahrensburg als Kommentar bekommen habe. Absender: „Anonym“. Und der Text von „Anonym“ lautet wie folgt:

„Ihre eigene Meinung ist hier die einzige die Sie hier im Blog gelten lassen. Sie Schreiben: ‚Und es gibt auch Bürger in Ahrensburg, die einfach nur Schiss haben, sich zu ihrer Meinung unter ihrem Namen zu bekennen. Dafür gibt es diverse Gründe.’ Die Gründe sind: Leute mit Klarnamen werden von Ihnen nach allen Regeln der Kunst öffentlich zerlegt und diffamiert. Raten Sie mal, warum hier keine Verwaltung, kein Politiker, kaum ein Kaufmann schreibt. Nur Observatoren, Ahrensburg-Westler, Vögel vom Rathausplatz, die keiner kennt. Sie auch nicht! Also, was soll das. Der Blog war mal gut, Zunehmend werden Sie verbissen und bösartig und zynisch. Keiner weiß mehr, wie dieser Blog gemeint ist: Gut oder doch nur böse.“

So weit der Kommentar – anonym, wie gesagt – und voll der bösartigen Unterstellungen ohne Beweise für die Behauptungen. Und – welch ein Zufall! – wenige Stunden später kam ein weiterer Kommentar mit dem Absender „Ohne Namen“. Und „Ohne Namen“ beschwert sich, dass viele Kommentatoren anonym schreiben. Hier der Text von „Ohne Namen“:

„Herr Dzubilla, wer sind diese Leute,  die ohne eindeutigen Namen bei Ihnen schreiben? Trolle? Angsthasen? Hausmann und Lamprecht und Siemers usw. sind bekannte Menschen. Wer ist der Rest? Kennen Sie die überhaupt und wenn ja warum kennen wir Leser die nicht? Warum soll ich meinen guten Namen hergeben, wenn eine Handvoll Narrenhöfe, Spatzen, Observatoren usw. das Geschehen auf Ihrem Kanal (Blog) ungeniert dominieren darf? Zweierlei Maß oder was?“

Bereits im Sommer dieses Jahres hatte ich eine E-Mail bekommen, die ich gelesen und nicht veröffentlicht habe, weil sie eben nicht als Kommentar zu einem Thema im Blog bestimmt war. Der Absender hat unter seinem Namen geschrieben. Und auch diesen Text stelle ich (leicht gekürzt) in mein Blog, ohne den Namen des Schreibers zu veröffentlichen:

„Lieber Herr Dzubilla! Mit Ihrem Blog Szene Ahrensburg verstehen Sie es ganz wunderbar, sich nach allen Seiten hin unbeliebt zu machen. Und genau damit erklärt sich die Beliebtheit Ihres Blogs. Sie nehmen kein Blatt vor den Mund und scheuen sich nicht, in die Wunden zu stechen und Ross und Reiter zu nennen. Dabei lassen Sie niemanden aus, will meinen: Es gibt keine politische Partei in Ahrensburg, die nicht auf Ihrem Blog ihr Fett abgekommen hat, was zeigt, dass Sie unparteiisch berichten. Und das ist gut so. (Wozu das in den Kopf Ihres Blogs gestellte Zitat von der Springer-Akademie voll ins Schwarze trifft.)

„Zwischen den Stühlen“ (Lithographie: A. Paul Weber)

Was mir persönlich auf Szene Ahrensburg nicht gefällt, das sind die vielen Kommentare, die anonym, sprich unter Pseudonym abgegeben werden. Das ist eine Unsitte, die sich mit Plattformen wie Facebook ergeben hat, wo die Menschen sich unter falschem Namen äußern. Warum? Klar, dass ein Mitarbeiter aus der Verwaltung sich nicht namentlich über die Unzulänglichkeiten im Rathaus äußern möchte. Und auch ein Kaufmann ist vorsichtig, weil möglicherweise nicht alle Kunden seine Meinung teilen könnten, wenn diese politisch motiviert ist. Und vielleicht schreibt auch der eine oder andere Politiker unter einem Decknamen, um dabei dem politischen Gegner ein bisschen ans Schienbein zu pinkeln? 😉

Apropos Politiker! Die Damen und Herren äußern zwar gern ihre parteigebundene Meinung, aber wenn sie daraufhin Feuer aus dem Wählervolk bekommen und mit ihrem Latein am Ende sind, dann ziehen sie sich schmollend zurück. Was ich sogar verstehen kann, denn warum sollen sie sich persönliche Blößen auf einem öffentlichen Social-Medium geben! (Ich erinnere in diesem Zusammenhang an den Spruch des römischen Gelehrten Boëthius, der gesagt hat: ‚Si tacuisses, philosophus mansisses.’ – ‚Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben.’) Und ich schätze, dass kein Ahrensburger Stadtverordneter einen öffentlichen Kommentar abgeben darf, ohne diesen nicht zuvor in der Fraktion abgestimmt zu haben, oder sehe ich das falsch?“

Nun sitzt der Blogger zwischen den Stühlen – Abbildung siehe oben rechts! Aber es gibt für ein Blog genauso ein Stimmungsbild wie für Politiker, nämlich die Entscheidungen der Wähler. Und Szene Ahrensburg hat eine steigende Einschaltquote: Alle Besucher, die pro Tag durchschnittlich Szene Ahrensburg wählen, die würden den Alfred-Rust-Saal komplett füllen. Und dort passen rund 480 Stühle rein. (Zum Vergleich: In der vergangenen Stadtverordneten-Versammlung im Marstall (Kapazität: 280 Personen) waren in der letzten Woche 6 (sechs) Bürger anwesend.)

Symbolbild (Lithographie: A. Paul Weber)

Und genau das sollte unseren Politikern zu denken geben, die Angst vor Social-Media haben, weil sie bei einem dort möglichen Shitstorm völlig hilflos sind. Und die sich als offizielle Vertreter der Stadt bei einer öffentlichen Versammlung nicht einmal fotografieren lassen wollen. Warum wohl nicht? Vielleicht, weil sie am Abend nicht mehr so gut frisiert sind? Oder nur, weil einige von Ihnen ziemlich luschig bekleidet sind…?

So, und ausgangs vermerke ich: Kommentare von „Anonym“ , „Ohne Namen“ oder ähnliche Bezeichnungen landen in Zukunft im Spam-Ordner. Es sei denn, sie geben ihren Echtnamen wenigstens in der E-Mail-Adresse an.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 28. November 2019

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