Steuersparmodell: Handwerker ohne Rechnung im Tauschring

Zu der Zeit als weder das Geld noch das Finanzamt erfunden waren, da herrschte unter den Menschen der Tauschhandel. Da wurden Waren gegen Waren  getauscht und Waren gegen Dienstleistungen und umgekehrt. Das passierte damals auf den Marktplätzen in der Stadt und auf dem Land. Und heute bei der Arbeiterwohlfahrt in Uns Huus.

Auf der städtischen Homepage von Ahrensburg wirbt der „Tauschring Ahrensburg“. Das ist ein eingetragener Verein, wo die Mitglieder „ihre Fähigkeiten und Talente im Rahmen einer alternativen Nachbarschaftshilfe“ tauschen.

Apropos Fähigkeiten: Wenn sich in einer derartigen Tauschrunde ein Maurer, ein Zimmermann, ein Elektriker und ein Dachdecker treffen und das Quartett beschließt: „Wir bauen für jeden von uns ein Haus!“ – dann können diese Handwerke gegenseitig ihre Arbeitsleistungen tauschen und müssen nur noch versuchen, das Baumaterial ebenfalls im Tausch zu beschaffen – und schon bekommen alle ihr Haus sozusagen für’n Appel und ’n Ei.

Klar, das Eintauschen von Baumaterial dürfte schon etwas schwieriger zu machen sein, denn wer hat schon soviel Ziegelsteine, die er gegen Dachpfannen austauschen kann! Und wer hat soviel Zement, den er im Tausch gegen Holzbalken anbieten kann.

Der Tauschhandel gehört heute zur Schattenwirtschaft, weil er im Schatten der Wirtschaft blüht genauso wie die Schwarzarbeit. Dumm ist dabei nur, wenn der Dachdecker von der Leiter fällt und sich dabei verletzt. Oder der Elektriker hat nicht aufgepasst beim Verlegen der Leitung, und der Maurer bekommt dann einen Stromschlag beim Verputzen der Wände und fällt auf die Nase. Oder eine Decke stürzt ein oder etwas bricht auseinander. Wie zum Beispiel die Gemeinschaft der Handwerker vor der Fertigstellung aller vier Häuser.

Angenommen, alle Handwerker, Dienstleister und Händler in Deutschland würden nur noch im Tausch (also steuerfrei) arbeiten – wie günstig wäre dann doch das Leben für alle, die etwas zu tauschen haben oder ihre körperlichen Dienste anbieten können! Da ist es doch echt Geld sparend, wenn der Malermeister seine Liebesdienerin dahingehend honoriert, indem er ihr das Zimmer tapeziert.

Wer hingegen im Supermarkt den Inhalt seines Einkaufswagens an der Ladenkasse gegen Geld eintauscht und nicht gegen Putzarbeit nach Marktschluss, der hat selber Schuld, wenn ihm das Geld ausgeht. Und wenn jemand mit mir tauschen möchte, liebe Leser, dann biete ich Werberaum auf Szene Ahrensburg an im Tausch gegen ein Krügerrandstück in 22 Karat Legierung.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 16. Juli 2019

6 Gedanken zu „Steuersparmodell: Handwerker ohne Rechnung im Tauschring

  1. Torsten Schmidt

    Was wollen Sie den Herr Dzubilla ? Die Verantwortlichen in den Behörden die diesem Tauschring auch noch den Status eines eingetragenen Vereins zugebilligt haben, werden sich schon etwas dabei gedacht haben ! 😉 Eingetragene Vereine können übrigens auch Fördermittel bekommen. Hierzu ist nur ein Antrag bei der Gemeinde zu stellen. Als Förderzweck kann man in dem Antrag z.B. „Förderung eines sozialen Projektes“ eintragen. Die Süddeutsche Zeitung schreibt fast täglich eine Kolumne zum Thema Sozialismus. Und dieser Tauschring ist ein großer Schritt in diese Richtung 😉 Und jetzt erschließt sich mir auch, warum die Genossen aus dem Rathaus so gnadenlos mit den Ahrensburger Geschäftsleuten sind.

    1. Harald Dzubilla Artikelautor

      Auch in Deutschland, Herr Lorenz. Damals hat man Kartoffeln gegen Zigaretten eingetauscht. 😉 Und statt Wochenmarkt wie heute gab es damals den Schwarzmarkt. Und hat Kolumbus nicht gegen Schmuck, Perlen und Feuerwasser ganz Amerika eingetauscht…?

  2. L. Lorenz

    Diese ‚Art der Geschäfte meinte ich weniger. Schwarzmarkt, Schwarzgeld, schwarze Listen, gab es wohl schon immer. sie aber scheuen das Tageslicht. In der Schweiz und in Österreich klappt es aber in aller Öffentlichkeit. Die BCI-Wien (Barter, Clearing und Information) rangiert auf Platz 26 nacht Umsatz.

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