Meldung aus dem Revolverblatt: Morddrohungen in Reinbek und Großhansdorf

„Gewalt gegen Ärzte in Kliniken nimmt zu“, schreibt Christina Schlie heute im 3. Buch Abendblatt. Und wie diese Gewalt ausschaut, wird durch ein „Symbolbild“ dokumentiert – wenn Sie sich bitte mal die Abbildung anschauen! Und wir erfahren aus dem Bericht: „Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) waren es im vergangenen Jahr täglich 75 Fälle von körperlicher Gewalt gegen Ärzte in Deutschland. Auch Kliniken im Kreis Stormarn sind betroffen.“

Aus: Hamburger Abendblatt

Ich habe gegoogelt und erfahren: „In Deutschland gibt es (Daten für 2015) 1.956 Krankenhäuser mit insgesamt 499.351 Betten, in denen mehr als 19,2 Mio. Behandlungsfälle von mehr als 1,19 Mio. Beschäftigten, darunter 174.391 Ärzte, versorgt werden. Damit stehen für jeweils 1.000 Einwohner 6,1 Betten zur Verfügung.“ Dazu kommen außerdem die Besucher der Patienten.

Dass Patienten in Krankenhäusern ausrasten, ist nachvollziehbar, da es eine besondere Situation für Menschen ist, zumal wenn diese ernsthaft verletzt oder erkrankt sind und mit Medikamenten behandelt werden. Nicht selten spielen auch Alkohol und Drogen eine Rolle. Und für Besucher bedeutet es höchster Stress, wenn es bei ihren Angehörigen auf Leben und Tod geht.

Zum Bericht im 3. Buch Abendblatt stelle ich es mir so vor: Die Redaktion hat per Pressemitteilung die Statistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bekommen, die sich jedoch auf Gesamt-Deutschland bezieht. Und dann hat der Redaktionsleiter der Stormarn-Beilage sofort eine Praktikantin losgeschickt, um zu erkunden, was in Stormarner Kliniken an Gewalt passiert. Und Christina Schlie berichtet nun:

„Mediziner aus Reinbek und Großhansdorf sprechen über Morddrohungen“ – siehe die Unterschrift zur Überschrift!

Das ist Boulevard-Journalismus der brutalen Sorte, wo in der Schlagzeile etwas Sensationelles verkündet wird, das sich im Kleingedruckten aber als Halbwahrheit darstellt. Und eine halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge.

Die Wahrheit erfährt der Leser vom 3. Buch Abendblatt im kleingedruckten Text: „Einen Vorfall mit einer Morddrohung gegen einen Mitarbeiter haben wir im vergangenen Jahr angezeigt“, sagt der Ärztlicher Direktor Professor Jörg Braun“ von der Park-Klinik Manhagen. Von einer weiteren Morddrohung ist nirgendwo die Rede, weder in Reinbek noch in Großhansdorf oder anderswo.

Und ich beende diesen Blog-Eintrag mit einem Zitat aus der Zeitung und also lautend: „In der Asklepios-Klinik in Bad Oldesloe gehört das Thema Gewalt gegenüber Pflegepersonal noch nicht zum Alltag, betont Pressesprecher Mathias Eberenz. Er spricht über ‚Einzelfälle von Patienten mit Demenz oder psychischen Auffälligkeiten’“.

Postskriptum: Dass es Gewalt gegen Personen auch auf Straßen, Schulhöfen und anderswo im täglichen Leben gibt, dürfte allgemein bekannt sein. Sogar die Gewalt gegenüber Polizisten hat zugenommen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 11. April 2019

3 Gedanken zu „Meldung aus dem Revolverblatt: Morddrohungen in Reinbek und Großhansdorf

    1. Frau Behnemann

      Das Foto ist echt der Knaller. Welche Person soll denn den Arzt und welche den Patienten symbolisch darstellen?

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