Ein königlicher Leserbrief an die Stormarn-Beilage vorab auf Szene Ahrensburg

Wolfgang König hat einen Leserbrief an die Stormarn-Redaktion vom Hamburger Abendblatt geschrieben. Der Inhalt ist bemerkenswert. Und weil ich weiß, dass die Redaktion der Stormarn-Beilage die Briefe von Lesern durchaus mal ein paar Wochen Tage lang ablagern lässt, um sie dann zu bringen oder nicht, komme ich den Damen und Herren in der Großen Straße schon mal etwas entgegen und veröffentliche besagten Leserbrief vorab auf Szene Ahrensburg und also lautend:

Bildschirmfoto 2015-09-29 um 17.51.32Der Sensationsfund – ein Fake?

Was hält die Archäologin dort hoch? Einen vom Moor schwarz gefärbten Gelenkknochen und einen einfachen Flintsteinabschlag. Solche Artefakte hat Rust bereits vor Jahrzehnten in besserer Qualität geborgen. Und Rust hat nach den ersten erfolgreichen Sondierungsbohrungen überhaupt in der Welt diese Bohrungen eingestellt und fing an, gute acht Meter tief mit aufwendiger Wasserhaltung zu graben. Dann stieß er auf den Abfall der Rentierjäger.

Durch Bohrungen mit tonnenweisem Aushub wird das Fundgebiet mit den Fundstücken zerstört. Heute sind die Archäologen aber so weit, dass sie im dreidimensionalen Fundgebiet auf Fundebenen Schicht für Schicht abtragen, durchsieben und durchschlämmen. Es könnten ja mehrere Besiedlungsepochen übereinander liegen. Mit Bohrungen zerstört man nur und bohrt möglicherweise den Schädel des Ahrensburger Ötzis an. Sicherlich haben die Rentierjäger ihre Toten nicht in den Sumpf geworfen. Sie haben sie pietätvoll auf dem Trockenen bestattet. In Handarbeit kommt man ohne Wasserhaltung nicht sehr tief – nicht in den Bereich, der fundträchtig ist.

Ist der Sensationsfund ein Fake? Soll abgelenkt werden?

Ich war am Braunen Hirsch auf den Moorwiesen unterwegs (Sternchen in der Stormarnbeilage). Von Aufgräbern keine Spur. Dort sind nur Reste von möglichen Bohrungen zu sehen. Von Grabungen auf den unberührten Wiesen habe ich nichts gesehen. Wieso führen die Archäologen teure Sondierungen im Osten des Bahndammes durch, wenn doch die geplante Trasse westlich der Gleise verlaufen soll? In diesem für die Sondierung wichtigen westlichen Bereich habe ich nicht eine einzige Bohrung oder Grabung gesehen. Soll der dritte Planungsvorschlag im Naturschutzgebiet liegen?

Laut Planungszustand (2.Option) soll die Trasse im Westen liegen. Die „Braune-Hirsch-Brücke“ liegt unmittelbar südlich der heutigen Fahrbahn und wird über Erd-Rampen bis unmittelbar vor die Bahntrasse geführt. Da gibt es keinerlei Zukunftsoption für eine Südumfahrung. Da wird ein riesiges Bauwerk mitten in ein Naturschutzgebiet gebaut mit tiefen Auskofferungen bis auf tragfähigen Boden. Das Bauwerk zerstört den Moor-Untergrund, verschandelt die Optik, bringt mehr Verkehr und mehr Lärm in die Siedlung und beeinträchtigt die Natur. Dieses Bauwerk gehört weiter nach Süden an die Hamburger Stadtgrenze. Aber unsere Verwaltung und die Politik sind mehrheitlich gegen die Natur, gegen die betroffenen Bürger und gegen unsere Zukunft.

Wolfgang König

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 29. September 2015

3 Gedanken zu „Ein königlicher Leserbrief an die Stormarn-Beilage vorab auf Szene Ahrensburg

  1. Anne Frey

    Hallo Herr König,
    Welcher massiver Eingriff dem Tunneltal durch die Verlegung zusätzlicher Gleise droht, ist wohl den wenigsten Bürgern und Politikern klar. Allein die Brücke beim Bahnübergang Brauner Hirsch würde das Landschaftsbild unwiderbringlich zerstören.
    Viele Grüße
    Anne Frey

  2. Jürgen Plage

    Hallo Herr König, ich danke Ihnen für Ihren absolut fundierten Kommentar zu Alfred Rust und unserem Tunneltal!
    Hallo Frau Frey, ich kann Sie beruhigen. Ich habe den Bürgermeister-Wahlkampf dazu genutzt mit allen Landes- und Bundespolitikern, die in Ahrensburg waren, über die Bedeutung und den Schutz des Tunneltales gesprochen. Sie haben von mir auch die Faltblätter über die Bedeutung der Archäologie und des FFH Gebietes für die Naturkunde bekommen. Weiterhin haben sie Landschaftskarten bekommen und ich habe ihnen dargestellt um was es geht. Unsere Kommunalpolitiker spreche ich ständig in Wort und Schrift an. Im übrigen ist auch bei den Ahrensburger Bürgern das Interesse sehr groß. Das konnte ich bei meiner letzten Führung, die im Programm des Peter-Rantzau-Hauses angekündigt war erkennen. Es waren 25 Wanderer dabei. Im übrigen bereitet die Stadt Ahrensburg ein Faltblatt vor in dem wieder Stadtführungen und Führungen auf dem Alfred- Rust-Wanderweg angeboten werden. Sprechen Sie mich gerne an. Meine Telefonnummer steht im Telefonbuch.
    Mit freundlichen Grüßen
    Jürgen Plage

  3. Wolfgang König

    Hallo, Herr Dzubilla,
    danke für den Vorgriff. Ich glaube kaum, dass dieser Leserbrief veröffentlicht wird. Er zeigt, wie wenig sich unsere Bürger und unsere Presse für unsere Historie, unser Umfeld und unsere Zukunft interessieren. Der Autor des Artikels, Finn Fischer, gehört wahrscheinlich auch zu den Jungredakteuren, denen die Welt gehört, die, aber keine Ahnung haben. Das kenne ich von der Telekom: hochtrabende Berufsbezeichnungen aber kein Wissen. Sie haben die Telekom zerlegt. Wer über das Tunneltal schreibt, sollte schon über Wissen darum verfügen. Hätte Herr Fischer sich informiert, würde er den Lesern diese Bagatellen nicht als Sensationsfund präsentieren. Ein Sensationsfund waren die Opfertiere, die Totems und die ältesten Pfeile der Menschheit, die Rust am Am Aalfang ausgegraben hatte. Ein Sensationsfund war die Ausgrabung am Pinnberg mit Gräbern und einer Saatreibe, auf der die Jäger Grassaat zu verdaubarem Mehl zerrieben hatten. Rust hat im Tunneltal noch mehr welterregende Sensationsfunde getätigt und unser Tunneltal weltbekannt gemacht. Selbst mongolische Archäologen kennen unser “Tal vor dem Hagen”. Im Moor wird man unseren Ahrensburger Ötzi nicht finden. Er ist eher auf der höhergelegenen, “trockenen” Westseite zu finden oder auf der Terrasse (dem Kratt). Aber das ist ja ohne Archäologen Platt gemacht worden. Mooropferungen von Menschen fanden erst 10.000 Jahre später statt. Die Deutsche Bahn wird sicherlich nur die Probebohrungen/ Ausgrabungen entlang der geplanten Trasse zahlen. Alle anderen Arbeiten wird das Archäologische Landesamt selber tragen müssen.
    Da gibt es noch einen guten Film über Rust und das Tunneltal aus der Reihe Terra -X: “Jäger an der Eisgrenze” (oder so ähnlich). Da wurde auch bei der ersten Bohrung in einem Ahrensburger Toteisloch eine Pfelspitze gefunden. Merkwürdigerweise war der Sprecher ein Archäologe aus Mecklenburg-Vorpommern und nicht aus S-H. Und letzte Nacht habe ich die DVD “Kampf der Menschenaffen – warum wir am Ende überlebten” – ein Wissenschaftliches Grauen.

    Ich war erstaunt festzustellen, dass noch immer die hohe Brücke (Oberleitungen mit Sicherheitsabständen, Brückenkörper, Lärmschutzwände) mit zwei Erdrampen unmittelbar südlich des Brauner Hirsch in der Planung sind. Vor ca. vier Jahren hatte der Bauausschuss unter Herrn Haase einstimmig (in Worten: EINSTIMMIG) für die Ausrichtung der Brücke von der Eulenkrugchaussee in Richtung Süden gestimmt. Neben Gelder für den Umbau des Brauner Hirsch (Gelder gestichen – der versprochene Umbau erfolgt wohl nie) waren auch ca. 200.000 Euro für die Vorplanung der Süd-Brücke mit der Option einer Süd-Umfahrung im Haushalt eingestellt. Aber mit jedem Neuzugang bei den Parteien wechselt dort die Meinung. Man steht nicht mehr zu älteren Abstimmungsergebnissen.
    Es gab damals mehrere Petitionen aus dem Hagen. Weder Verwaltung noch Politik stehen zu ihrem Wort. Fachleute um den S-4-Bau mahnten die Brücken-Entscheidung Ahrensburgs an. Dann traten die Grünen zurück und Herr Bellizzi erklärte auf einer StVV die Einleitung der Vorplanung zur Süd-Brücke für populistisch.
    Es wurde wieder rumgehangelt wie bei der Osttangente. Es tut weh, zu sehen, wieviel Zeit durch Ränke und wieviel Geld durch unsinnige Gutachten in Ahrensburg verschwendet werden.
    Vielleicht entwickelt sich einmal aus Szene Ahrensburg ein Parallel-Parlament.
    Noch einen sonnigen Tag,
    Wolfgang König

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