Die Bestatter, das Einstein, der Leichenschmaus

Wer sich ein bisschen mit Werbung auskennt, der weiß auch, dass eine Anzeige im richtigen redaktionellen Umfeld stehen sollte. Zum Beispiel ist eine Anzeige für eine Slipeinlage in einer Frauenzeitschrift besser platziert als in “Kicker” oder “Playboy”, auch wenn letzteres Magazin einen hohen Anteil an weiblichen Lesern hat. Und wer für ein veganes Produkt wirbt, der wird das nicht unbedingt in der Zeitschrift “Beef!” tun, die zu Ostern einen ganz besonders geschmacklosen Titel bringt – siehe Abbildung am Fuße!

(Bild: HDZ(

Passend platziert (Bild: HDZ)

Heute sehe ich eine Anzeige vom Restaurant Einstein im MARKT. Hier ist der Werbeträger durchaus passend ausgewählt, denn potentielle Gäste findet der Wirt im Verbreitungsgebiet des Anzeigenblattes. Aber: Nicht nur der Werbeträger ist mitentscheidend für die Wirkung der Werbung, sondern auch das redaktionelle Umfeld.

Schauen wir uns an, wo der MARKT die Werbung vom Einstein platziert hat, nämlich gegenüber einer Seite mit der Überschrift “Abschied” und der Unterzeile: “Angehörige: Suizid führ zu Schuldgefühlen” – also eine Überschrift, die zu dem bekannten Ereignis passt wie die Faust in die Magengrube. Und darunter stehen dann die Annoncen von Bestattern – siehe die Abbildung! Bekommt der Leser da nicht sofort Appetit?

Geschmacklos! (Bild: HDZ)

Geschmacklos! (Bild: HDZ)

Was ich damit zum Ausdruck bringen möchte? Ich will sagen, dass die Anzeige vom Einstein sehr gut platziert ist, weil die Trauergäste sich nach Tod und Beisetzung bekanntlich zum sogenannten “Leichenschmaus” versammeln. Und da wirbt das Einstein für sich, um das Trauermahl für die Angehörigen und Freunde des Verblichenen zu servieren mit Pizza und Lammhaxe.

Und dann werfen Sie bitte einen Blick auf die nebenstehende Titelseite von “Beef!”, der Zeitschrift, die sich dem Fleische verschrieben hat! Frage: Bekommen Sie jetzt zum Osterfest auch so richtig Appetit auf eine leckere Lammkeule…?

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 28. März 2015

Ein Gedanke zu „Die Bestatter, das Einstein, der Leichenschmaus

  1. Wolfgang König

    Hallo, Herr Dzubilla,
    es ist doch die Redaktion, die ihre Zeitung gestaltet und weniger der Werbende, der zahlt. Und wenn dort in der Redaktion so lederhäutige, pietätlose Blattgestalter sind, gibt es solche Konstellationen. So würde auch das Wort zum nächsten Sonntag für Ostermenüs mit Osterhasen in Rahmsoße passen.
    Irgendwie entwickele ich mich zum Vegetarier. Ich esse lieber gedünstete Bohnen, Broccoli, Blumenkohl, frisches Obst und frisches Gemüse als altes Fleisch. Da fehlt mir überall die entsprechende Werbung.
    Sagt ein Pärchen beim Abschied aus dem Restaurant zum Wirt: “Wenn wir vorher gewusst hätten, was für Leckereien Sie servieren. wären wir schon früher gekommen.” “Das können Sie doch alles nachholen!”. “Nö, damals wäre das Fleisch noch frisch gewesen!”
    Mit satten Gemüsegrüßen
    Wolfgang König

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