Versalzen: Wie Pressearbeit zur Real-Satire werden kann

Sie erinnern sich vielleicht an meinen Blog-Eintrag vom 13. Dezember 2013, der überschrieben ist: „Winter-Streusalze aus der Apotheke?“ Hier habe ich mich darüber mokiert, dass die DHU für Schüßler-Salze mit einer Anzeige wirbt, in der nichts über eben diese Salze ausgesagt wird, was meine Hypthese bestätigt: Schüßler-Salze helfen allein dem Hersteller und Apotheker. Und sind im Winter zu verwenden als Tausalz auf dem Gehweg.

3760-orgDaraufhin hat sich Dr. Wolfgang Kern gemeldet. Das ist der Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DHU, die „Original Schüßler-Salze“ vertreibt. Und Dr. Kern schreibt über meinen Beitrag:

„Manchmal wird Satire zur Satire, wenn sie Dinge persifliert, die durch eine kleine Recherche schnell aus dem Fokus des Spots verschwunden wären.“ Und der PR-Chef erklärt, dass das, was ich als Witz der Werbung dargestellt habe, „einfach eine Vorschrift im Heilmittelwerbegesetz ist. Danach dürfen Medikamente ohne Indikation wie z. B. Schüßler-Salze gar nicht mit Wirksamkeiten genannt werden.“ Und dieses, so meint Dr. Kern hätte ich als Kolumnist einer Zeitschrift für Marketing und Werbung sehr wohl wissen müssen.

Und der DHU-Pressesprecher fährt fort: „Es nimmt mich immer Wunder, wenn die Meister der Worte beklagen, dass es Dinge gibt, die noch ihrer wissenschaftlichen Bestätigung harren. Auch die Satire wirkt ja ohne Wissenschaft. Ich lache oder weine und weiß eigentlich nicht warum.“

Ich musste über diese Worte lachen und weiß auch, warum. Abgesehen davon, dass nach meinen Recherchen das Internet voll ist von Wirkungsversprechen für Schüßler-Salze (dazu nur zwei Beispiele, und zwar hier und hier), so ist der Kern-Versuch mit Satire schon sehr komisch, und zwar angesichts der Tatsache, dass die DHU nach Angaben ihres Pressesprechers keine Wirksamkeit für Schüßler-Salze nennen darf. Dieses jedoch tut die DHU sehr massiv, wenn ich hier bloß mal  auf zwei Passagen aus deren Werbung hinweisen darf, die nach Angaben des Pressesprechers gegen das Heilmittelwerbegesetz verstoßen:Bildschirmfoto 2013-12-21 um 22.49.20

So wird Presse- und PR-Arbeit zur Real-Satire. Und darüber kann man lachen oder weinen, je nachdem, wie man aufgelegt ist. Und das ganz ohne Wissenschaft.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 22. Dezember 2013

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