Die Moritat vom Stromzähler. Erzählt von Alexander Sulanke

Es gibt Menschen, die sind etwas unbeholfen. Was meint: Sie sind nur unzureichend fähig, normale Alltagsgeschehnisse zu beurteilen und selber zu regeln, zumal wenn Dinge passieren, die nicht der Normalität angehören. Heute führt die Stormarn-Beilage zwei Ahrensburger in der Öffentlichkeit vor. Als Aufmacher des Tages auf der Titelseite. Der Anlass ist ein defekter Stromzähler, der zu Forderungen des Versorgers geführt hat, die – ganz offenkundig – in gar keinem Verhältnis zum Haushalt der Familie standen.

15.400 Kilowattstunden soll die Familie verbraucht haben und sollte einen Abschlag von 420 Euro monatlich zahlen, die in keinem Verhältnis zur Wohnungsgröße und Ausstattung standen. Dazu berichtet Alexander Sulanke in der Stormarn-Beilage allen Ernstes:

Bildschirmfoto 2013-09-26 um 08.30.34Fernsehen? Nein. Warm duschen? Möglichst nicht. Wäsche waschen? Nur, wenn es sich partout nicht vermeiden lässt. Essen im Backofen zubereiten? Unmöglich. Roland Leunig hat sich bereits mit nahezu allen erdenklichen Einschränkungen abgefunden. Als er dann abends im schummerigen Licht einer kleinen Glühbirne hockt und nicht mehr weiß, was er noch machen kann, und als sich der Stromzähler im Keller trotzdem noch so schnell dreht wie ein Karussell – da ist er am Ende. Fast alles verloren haben er und seine Frau Birgit zu diesem Zeitpunkt schon: die Ersparnisse, die Freude am Leben, um ein Haar auch den Verstand. Wie kann es sein, dass ein Einfamilienhaus mit 126 Quadratmeter Wohnfläche so viel Strom verbraucht wie der Bauernhof mit all den Stallungen am anderen Ende der Stadt?”

Ja, wie kann das sein? Können Menschen wirklich so naiv sein wie das besagte Ehepaar dargestellt wird von Autor Alexander Sulanke? Immerhin ist der beschriebene Mann als Beamter tätig, nämlich Polizist.  Jeder halbwegs normale Mensch geht angesichts der Tatsache, dass der Stromverbrauch, den der Zähler anzeigt, mit Sicherheit nicht korrekt sein kann, zu einem Fachmann und lässt das umgehend überprüfen. Das kostet 150 Euro, wie die Stormarn-Beilage berichtet. Diese 150 Euro aber wollte das Ehepaar angeblich nicht ausgeben, weil es befürchtet hatte, dass das Geld verloren wäre, wenn der Zähler tatsächlich korrekt arbeitet. Statt dessen, so berichtet die Zeitung, habe das Ehepaar sein “einstiges Traumhaus aufgegeben”. Und die Stormarn-Beilage zitiert den Polizisten auch noch mit dem Zitat: “Man wird ja paranoid.”

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 26. September 2013

2 Gedanken zu „Die Moritat vom Stromzähler. Erzählt von Alexander Sulanke

  1. Observator

    Würde es sich bei dem Mieter um eine 90jährige, alleinstehende Witwe handeln, würde ich sagen: So was ist ein Unding. Da es sich hier um einen 50jährigen Polizisten handelt samt Ehefrau, die gemeinsam mit ihren Kindern mitten im Leben stehen, sage ich: Das ist ein Unding. Und zwar von der Redaktion der Stormarner Beilage, die uns einen solchen Schmarren vorsetzt! 🙁

  2. Behnemann

    War da nicht neulich schon mal so’n Beitrag über die Galerie Faerber, wo der Inhaber auch den Stromzähler beanstandet hat? Vielleicht handelt es sich hier um eine neue Serie vom Abendblatt: nach Vereinen, Lieblingsplätzen, Wochenmärkten nun: “Ahrensburg, Deine Stromzähler”?

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