Herr Klingel-Domdey und die Zeit der sauren Gurken

Der Volksmund spricht: „Über Geschmack kann man nicht streiten.“ Das ist nicht ganz richtig, denn streiten kann man natürlich über Geschmack, allerdings endlos, weil ohne Ergebnis. Und so entsteht auch der Streit um das Ahrensburger Rathaus: Die einen finden es historisch wertvoll und wollen es unter Denkmalschutz stellen, den anderen gefällt es nicht, und sie möchten es am liebsten abreißen lassen.

Rathaus von obenMit diesem Thema macht die Stormarn-Beilage heute auf, berichtet davon, dass Tobias Koch (CDU) die „Notbremse zieht“ und verhindern will, dass unser Rathaus unter Denkmalschutz gestellt wird, was Bürgermeister Michael Sarach dagegen ausdrücklich befürwortet. Und Herr Klingel-Domdey von der Stormarn-Beilage macht Stimmung bei den Bürgern, sagt seinen Lesern gleich, was Sache ist, nämlich dass das Rathaus „hässlich“ ist, das „wie eine Betonburg mit Flakturm anmutet“. Sagt Herr Klingel-Domdey, der es ja wissen muss. Und er meint, dass der Erhalt des Gebäudes „wohl für die meisten Bürger“ nur schwer nachvollziehbar ist.

Frage: Woher weiß Herr Klingel-Domdey, dass die meisten Bürger ihr Rathaus nicht erhalten wollen? Hat er sie gefragt? Hat er eine neutrale Umfrage in Auftrag gegeben? Oder hat er nur seine paar Leser in Ahrensburg angerufen und sich nach deren Meinung erkundigt…?

Liebe Mitbürger, wehren wir uns nicht immer dagegen, wenn „ein altes Stück Ahrensburg“ unter die Spitzhacke kommt? Das Rathaus ist ein Stück altes Ahrensburg. Und die Aussage von Klingel-Domdey, dass es abgerissen werden müsse, weil: „…die Verwaltung gerade im Begriff ist, eine Jahrhundertchance zur Gestaltung der Innenstadt zu verspielen“, ist genauso Humbug wie der folgende Satz: „Denn steht der Waschbeton erst unter Schutz, werden Rathaus und Marktplatz niemals zu einem ansprechenenden Ensemble zusammenwachsen, auf das die Ahrensburger eines Tages stolz sein können.“

Danach setzt der Redakteur noch eins drauf und behauptet allen Ernstes: „Hier fehlt es seit Jahrzehnten an der nötigen Kreativität und Durchsetzungskraft bei der Finanzierung richtungweisender Pläne.“ Diese Aussage ist nur zu einem kleinen Teil richtig. Wir wissen: Es hat niemals an Kreativität gefehlt; und auch für die Finanzierung gibt es ein Angebot. Lediglich bei der Durchsetzungskraft zeigt man Schwächen. Hinzu kommt: Der Rathausplatz liegt nur zu einem Teil im Eigentum der Stadt.

Ja, es ist Sommerszeit. Und im Sommer herrscht bei den Medien eine Nachrichtenflaute, was man das Sommerloch nennt. Früher tauchte in den Medien immer Nessi, das Ungeheuer, im Sommerloch auf. Diesmal ist es das Ahrensburger Rathaus.

Postskriptum: Wieder einmal ist es Thomas Bellizzi (FDP), der zwar selber einen Abriss befürwortet, der aber einen weisen Rat in die Diskussion wirft: Volksabstimmung! Bei der kommenden Bundestagswahl sollen die Ahrensburger Einwohner entscheiden, ob ihr Rathaus unter Denkmalschutz gestellt werden soll oder nicht. Bis dahin sollte auch Herr Klingel-Domdey mit seiner Stimmungsmache warten, zumal die Befragung seiner Leser kein objektives Bild über die tatsächliche Meinung der Ahrensburger gibt.

 

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 26. Juni 2013

5 Gedanken zu „Herr Klingel-Domdey und die Zeit der sauren Gurken

  1. Wolfgang König

    In Hamburg besuchen 52 % der Schüler Schulen, die zum Abitur führen. Bald werden wir nur noch Abiturienten haben. Viele drängen über diverse Studiengänge zum Denkmalschutz. Offenbar über ein Arbeitsbeschaffungsprogramm sind in Hamburg über 3.000 Objekte vom Denkmalschutz zum Schutz vorgesehen worden.
    Wo war das Denkmalschutzamt, als in Ahrensburg viele historische Bauwerke abgerissen wurden? Auch die ca. 100jährige Schlossschule fiel dem Denkmalschutzamt zum Opfer (nicht erhaltenswert). Aber unser teures Rathaus von nur 43 Jahren ist plötzlich erhaltenswert. Was kommt als nächstes? Die Kosten für den Denkmalschutz des Rathauses sind der Stadt Ahrensburg „zumutbar“ (DSchG (S-H)). Die Bürger zahlen halt mehr Grundsteuern. Zuschüsse dürften bei leeren Landeskassen die zusätzlichen Kosten nicht abdecken.
    Laut § 20 DSchG (S-H) gelten Verordnungen über Denkmalbereiche und Grabungsschutzgebiete unbefristet. Wer traut sich schon, eine alte Verordnung aufzuheben? Dann sind Millionen in die Sanierung und Instandhaltung geflossen.
    Das Rathaus ist nun nicht mehr zu veräußern. Am Ende der Menschheit durch Denkmalpflege werden überall Denkmäler aufragen. Aber eins beruhigt: unser Rathaus wird dann den Muschelläfer überleben.
    Der Vorschlag von Herrn Bellizzi ist gut. Warum sind nicht andere darauf gekommen? Ein Bürgerentscheid wird Klarheit schaffen wie bei dem unsinnigen Kastenschnitt für stark verastete alte Linden.
    Wolfgang König

    1. Christian Schubbert

      Mann, Herr König,

      finden Sie das eigentlich ok, den Vorwurf zu machen: warum sind nicht andere darauf gekommen? Sie waren bis vor 2 Wochen selbst Stadtverordneter und hätten das jeder Zeit vorschlagen können. Stattdessen warten Sie darauf, dass Sie nicht mehr in Funktion sind, um pauschal allen anderen vorzuwerfen, dass sie diese Idee nicht hatten…Freuen Sie sich doch darüber, dass jemand eine Idee hat, die Ihnen zusagt und die Sie unterstützen…

      sonnige Grüße
      Ihr
      Christian Schubbert

  2. Observator

    Wie schaut es eigentlich aus mit dem Einsatz der Politiker für die St. Johanneskirche? Hatte die SPD nicht vollmundig verkündet, sich für die Gemeinde einzusetzen? Oder galt dieses Versprechen bloß VOR der Wahl….?

    Und noch eine Frage: Steht Herr Koch in Ahrensburg eigentlich unter Denkmalschutz…?

  3. Wolfgang König

    Hmmmmmm….., Herr Schubbert,
    eigentlich dachte ich an einen Plausch über diesen Blog mit Hinweisen auf das DSchG, Randproblemen, Ideen usw.. Aber dass nichts beigesteuert wird und eine allgemeine Frage spitzfindig zu einem gezielten Vorwurf gemacht wird, ist ein Ding. Ich muss zugeben, dass ich die Idee eines Bürgerentscheides bislang nicht hatte – sonst hätte man diese werbewirksam zur Wahl vermarkten können. Andere, wie die Verwaltung, die Presse usw. hatten diese Idee auch nicht. Herr Bellizzi toppt oft mit guten Ideen und mit Humor. Ich freue mich über diesen Vorschlag und bin frei von Neid.
    Mit wortklauberischen Grüßen
    Wolfgang König

  4. Behnemann

    Hä…? „Tobias Koch zieht die Notbremse“, schreibt das Abendblatt in seiner Stormarnausgabe? Wie macht er denn das? Ist er der Denkmalschutzbehörde überbeordnet? Oder macht er sich einfach nur mal wieder wichtig wie neulich mit der Cafeteria in seinem Wahlkreis…?

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