Warum es dumm von mir war, heute einer Bitte zu folgen

Eigentlich hatten meine Frau und ich uns heute vorgenommen, ein ausgiebiges Frühstück in der Innenstadt zu genießen. Aber es kam anders. Denn in der Nacht hatte ich eine E-Mail bekommen. Absender: Rolf Schälike (80), Pressesprecher von Klaus Schädel. Der alte Herr bezeichnet mich im Internet seit Wochen als „Depp“, „Idiot“ und „Verrückter“ – um nur mal die harmloseren Beschimpfungen zu zitieren. Aber das hatte er wohl beim Absenden seiner Mail schon verdrängt, zumal sein Wahrnehmungsempfinden nicht so recht funktioniert.

Schälike schrieb: Gute Nacht, bis zur morgigen Show. Schade, dass Sie als Satiriker nicht teilnehmen dürfen. Versuchen Sie es trotzdem. Ich bitte Sie darum. RS“

Zwar hatte ich wenig Lust, der Bitte des Mannes zu folgen, der inzwischen schon von der Staatsanwaltschaft verfolgt wird, aber ich tat es trotzdem: Statt zum Frühstück gingen wir also ins Amtsgericht Ahrensburg. Und das hätten wir besser nicht tun sollen.

Der Anklagte forderte zur Beginn der Verhandlung theatralisch keifend unsere sofortige Entfernung aus dem Gerichtssaal, stand auf und pöbelte, hetzte und beleidigte uns mit den übelsten Worten, die wohl jemals im Ahrensburger Amtsgericht zu hören waren. Und er drohte dem Richter, die Verhandlung platzen zu lassen und nachhause zu gehen. Nach kurzer Pause und vorübergehendem Ausschluss der Öffentlichkeit ging die Verhandlung dann weiter. Der Angeklagte verlas seitenweise irgendwelche skurrilen Erklärungen, die sein Pressesprecher vermutlich formuliert hat. Und er beleidigte Personen reihenweise mit Vokabeln wie Nazis, Kriminelle und so weiter und so fort.

Seine unzähligen boshaften Agitationen verschwieg der Angeklagte wohlweislich; stattdessen regte er sich auf über die Reaktionen der Betroffenen. Er selber sieht sich als Unschuldslamm und 100-faches Opfer der Justiz. Allein, was er dabei an Beleidigungen über mich und meine Frau in den Gerichtssaal brüllte, wären schon ausreichende Gründe für einen weiteren Strafprozess. Das und seine Drohungen für sein Weitermachen gegen mich in Zukunft sind (hoffentlich!) ins Verhandlungsprotokoll aufgenommen worden.

Nein, auch wenn der Richter offenbar anderer Meinung ist: Für mich ist der Mann kein Fall für den Strafrichter, für mich gehört der ernsthaft in eine längerfristige Therapie.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 7. Juli 2017

7 Gedanken zu „Warum es dumm von mir war, heute einer Bitte zu folgen

  1. Prof. Scherzkeks

    Nicht nur, dass der Pressesprecher gegen seinen Auftraggeber agiert; er bezeichnet diesen im Internet sogar als „Leere Flasche, Ohne Pfand“, siehe hier:

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  2. Ben Kröger, RA

    Pressesprecher Rolf Schälike weist in seiner Pressemitteilung die Berichterstatterin vom Hamburger Abendblatt ausdrücklich darauf hin:

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  3. Rompa

    Am 14. Juli 2017 hat der Angeklagte die Richter vom Ahrensburger Amtsgericht mit folgendem Text diskriminiert, den er vom Blatt abgelesen hat:

    „Der Unterschied zwischen Ihnen und Roland Freisler liegt in Folgendem: Während Roland Freisler im Gerichtssaal schrie und tobte und überhaupt keinen Wert darauf legte, das von ihm begangene Unrecht in irgendeiner Weise zu verschleiern, gehen Sie den umgekehrten Weg: Sie haben sich ein Mäntelchen umgehängt, auf dem die Worte „Rechtsstaat“ und „Legitimität“ aufgenäht sind. Sie hüllen sich in einen Anschein von Pseudolegitimität, die Sie aber in Wahrheit in keiner Weise für sich beanspruchen können. Denn in Wahrheit begehen Sie – zumindest in diesem vorliegenden Justizskandal – genauso schlicht Unrecht, wie es auch Roland Freisler getan hat. So betrachtet ist das Unrecht, das Sie begehen noch viel perfider, noch viel abgründiger, noch viel hinterhältiger als das Unrecht, das ein Roland Freisler begangen hat: Bei Roland Freisler kommt das Unrecht sehr offen, sehr direkt, sehr unverblümt daher. Bei Ihnen hingegen kommt das Unrecht als unrechtmäßige Beanspruchung der Begriffe Rechtsstaatlichkeit und Demokratie daher: Sie berufen sich auf die Begriffe Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, handeln dem aber – zumindest in dem vorliegenden Justizskandal – zuwider.“

    Diesen Text hat er hier abschrieben: http://www.burhoff.de/asp_weitere_beschluesse/inhalte/4041.htm

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  4. Advokat

    Verbindlichsten Dank für das Gedicht vom Pullermann. Wir haben es gerahmt und an der Wand in unserem Büro aufgehängt. Der besagte Pullermmann selber bezeichnete einen Anwalt auf Twitter auch schon mal als „Pullermann“, wenn Sie mal hier schauen wollen:

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