Transitgüter-Verkehr durch Ahrensburg: Der Donner grollt, der Blitzeinschlag steht bevor

Niemand in Ahrensburg warnt länger und regelmäßiger vor der Horrorvision des geplanten Transitgüter-Verkehrs der Bahn durch die Stadt Ahrensburg, als es der Blogger von der Szene Ahrensburg tut, der auch immer wieder auf die sechs Meter hohen „Lärmschutzwände“ hinweist, die von der Bahn in der Innenstadt aufgestellt werden sollen. Und letztere gibt es nur, weil ein paar Dickköpfe in Ahrensburg eine S-Bahn haben wollen, die eigentlich kaum jemand benötigt, wenn stattdessen die Regionalzüge vernünftig verkehren würden.

Seit vier Jahren im Gespräch: 6 Meter hohe Lärmschutzwand in der Ahrensburger City

Was sind die Folgen, die durch den Transitgüterverkehr auf die Stadt Ahrensburg zukommen? Die Rechnung: Wenn man zum Tag auch noch die Nacht hinzurechnet, dann ergibt das 24 Stunden pro Tag. Und wenn nach Berechnung von Fachleuten an einem Tag „bis zu 120 Güterzüge mit mehr als 800 Metern Länge“ (Zitat: 4. Buch Abendblatt vom 13.11.2021) durch Ahrensburg donnern werden, und zwar innerhalb von 24 Stunden, dann bedeutet das im Durchschnitt: Alle 12 Minuten donnert ein Transitkoloss mit fast einem Kilometer Länge durch unsere Stadt.

Heute erfährt der Abendblatt-Leser, dass die Stadt einen Brief an die Bahn geschrieben hat mit dem Hinweis, dass die Ahrensburger mit dem Vorhaben nicht einverstanden sind. Donni, donni aber auch, was für ein Einsatz für das Wohl der Bürger! Und was hat die Bahn mit dem Brief aus der Stadt Ahrensburg gemacht? Sie hat geantwortet: Wischiwaschi. Was meint: Man hat ist der Besorgnis der Bürger mit hohlen Worten begegnet, die nichtssagend sind. Und das sagt alles.

Zitat: Hamburger Abendblatt

Aus dem heutigen Abendblatt zitiere ich aus dem letzten Absatz und also lautend: 

Der Verwaltungschef sieht im Vorfeld wenig Erfolgschancen für weitere Vorstöße der Stadt. „Wir sollten unsere Kraft auf das Verfahren konzentrieren und sehen, wie wir die Kompetenzen des Bauamtes und der privaten Initiativen aus Ahrensburg, aber notfalls auch juristische Mittel bündeln können, um mit starker Stimme unsere Interessen kundzutun“, sagt Sarach.

Meine lieben Mitbürger, ich sehe das ein bisschen anders. Denn die Bahn hat bereits mit den Bauarbeiten der Gleise für die S-Bahn begonnen, die das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig im vergangenen Monat mit Abweisung der Klage einer Bürgerinitiative durchgewunken hat. Und mit den Baumaßnahmen schafft die Bahn bereits Tatsachen auf rechtlicher Grundlage!

Balkonkonzert vom Balkon des Rathauses

Ich bin kein Jurist. Aber mein Gefühl sagt mir, das hier kein Verwaltungsgericht die endgültige Entscheidung treffen kann, da es hier weniger um Verwaltungsrecht geht, sondern hier geht es vielmehr um Menschenrechte. Und das, was in Ahrensburg passieren soll, ist ein Anschlag auf die Rechte der Menschen in der Stadt. Und deshalb ist die Absicht der Bahn nach meiner Meinung letztlich ein Fall für den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Womit ich sagen will:

Der Bürgermeister spricht davon, dass er „notfalls“ auch juristische Mittel einsetzen würde. „Notfalls“, sagt er! Das passt auch zur Lieblingsidee von Michael Sarach, die er mehrfach geäußert hat, nämlich dass man notfalls die Gleise für die Donnerzüge einfach nur tieferlegen müsse – also auch unter die Brücken und den Fußgängertunnel am Bahnhof genauso wie durch die Galerie der Hände im Tunnel der Manhagener Allee.

Postskriptum: Angenommen, der berühmte Wachtelkönig würde auf der Bahnstrecke sein Nest bauen … dann wäre der Spuk mit den Donnerzügen sofort vorbei. Was sagt uns das? Es sagt:

Artenschutz gilt für Tiere; für Menschen hört der Schutz schon vor den Bahnschranken auf.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 13. November 2021

7 Gedanken zu „Transitgüter-Verkehr durch Ahrensburg: Der Donner grollt, der Blitzeinschlag steht bevor

  1. قارورة ماء ساخن

    Hab gerade mal nachgeschaut, was im vierten Buch Mose steht und ob uns das weiterhilft:
    Am Ende des 4. Buches Mose wird festgelegt, dass Grundstücke nur innerhalb eines Stammes vererbt werden dürfen.
    Hmmm – was will uns das in Bezug auf Ahrensburg nur sagen…..

  2. Kirchberger

    Jeder weiß inzwischen, dass die S-Bahn bloß der Köder gewesen ist, damit die Gleise frei werden können für die Transitzüge. Hat die Stadt Ahrensburg nicht dem Bau der S-Bahn zugestimmt?

  3. Peter Elmers

    Großen Dank an Sie, Herr Dzubilla, dass Sie immer wieder unermüdlich den Finger in die Wunde legen und gleichermaßen Dank auch an Herrn Christian Schmid von den Ahrensburger Grünen, Vorsitzender des Umweltausschusses dafür, dass er mit seinen Anträgen die Verwaltung immer wieder mal auf Trab bringt.

    Der Kampf gegen die unsägliche Planung für den sog. Hinterlandverkehrs der „Festen Fehmarnbelt Querung” hat im vergangenen Jahr zwei unerwartete Rückschläge erlitten.

    Herr Prof.em. Hummeltenberg ist verstorben. Er hatte mit seinem profunden theoretischen Wissen und bewundernswertem Einsatz Schwächen und Widersprüche der Planung aufdeckt und sich mit mir als Praktiker seit 2017 ständig intensiv ausgetauscht.
    Seine Arbeit wurde leider von Politik und Verwaltung nicht gewürdigt, unverständlicher Weise häufig sogar herabgewürdigt. …Er ist unersetzbar und fehlt !

    Auch viel zu jung verstorben ist Heinz Baade, Sachbearbeiter u.a. für Angelegenheiten der S4 im Bauamt, der sich im Rahmen seiner Möglichkeiten immer bemerkenswert engagiert für sein Sachgebiet eingesetzt hatte.
    Seither ist das Sachgebiet verwaist. Nach meiner Kenntnis soll zur Unterstützung von Herrn Schott mit Beginn des Planfeststellungsverfahrens ein Dipl.-Ingenieur im Straßenwesen eingestellt werden, allerdings erst nach Freigabe der Stelle durch den Hauptausschuss.
    Dass im Sommer -wenn dem Vernehmen nach die Planfeststellungsunterlagen ausgelegt werden sollen- sich für dieses hochkomplexe Aufgabengebiet (es sind ja nicht nur bautechnische, sondern auch eisenbahnbetriebliche und juristische Kenntnisse erforderlich) kurzfristig ein hinreichend qualifizierter Bewerber findet, der bereit ist, als Sachbearbeiter im Tiefbauamt zu arbeiten, dürfte angesichts des bekanntlich leer gefegten Stellenmarktes und der Arbeitsbedingungen dort ausgeschlossen sein.

    Keine guten Aussichten also, um Änderungen der Pläne zu erreichen !!

    Überhaupt ist die bisherige Strategie der Verwaltung, mit echten Aktionen zu warten, bis die Pläne offiziell ausgelegt werden, von vorne herein zum Scheitern verurteilt.
    Die Erfahrung lehrt, dass im Planfeststellungsverfahren nur marginale Änderungen, aber kein grundsätzlicher Systemwechsel erreicht werden können.

    Die Deutsche Bahn ist auch der falsche Adressat für Eingaben oder Petitionen.

    Die Bahn ist lediglich Auftragnehmer und Erfüllungsgehilfe;
    – zum einen der Bundesrepublik (als Vertragspartner des Königreiches DK) und der EU hinsichtlich des transkontinentalen Eisenbahnverkehrs, der in jüngster Zeit im Zeichen der „Verkehrswende“ einen riesigen Bedeutungsschub erfahren hat,
    – zum anderen der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, die seit mehr als zwanzig Jahren den Nahverkehr auf der Achse Hamburg-Lübeck verbessern wollen und angesichts der inzwischen aus Klimaschutzgründen notwendigen „Verkehrswende“ dringendst auch verbessern und puschen müssen.
    Unseligerweise hatte der Senat der Hansestadt vor langer Zeit eine damals vielleicht schlaue, inzwischen aber fatale Idee.
    Um Geld zu sparen, beschloss er, beide Vorhaben zu koppeln und überzeugte unsere Landesregierung, dabei mitzumachen.

    Von Sparen kann inzwischen keine Rede mehr sein, bei der Detailplanung stellte sich heraus, dass die Kopplung mit immensen technischen Schwierigkeiten verbunden ist.
    Inzwischen ist das Projekt spezifisch (also auf den Bau-Kilometer umgerechnet) annähernd doppelt so teuer, wie das bislang teuerste vergleichbare Schienenwege-Ausbauprojekt in Deutschland.
    Aus lauter Verzweiflung darüber und um überhaupt noch das für die Finanzierungsbewilligung erforderliche positive Kosten-/Nutzenverhältnis zu erreichen, wurde das Projekt eingedampft und auf zusätzliche Gleise bis Bargteheide verzichtet und wurde die Zahl der Nutzer neu berechnet.
    Schon zum Zeitpunkt der Entscheidung hochproblematisch :

    Nämlich : S-Bahn-Züge müssen nördlich Ahrensburg zwischen die im engen Takt zu fahrenen Nah-, Fern- und Güterzüge beider Richtungen eingefädelt werden und in Bargteheide nochmals aus dem östlich der Durchfahrtsgleise geplanten Bahnsteiggleis zur Rückfahrt Richtung Hamburg zwischen den Zügen Richtung Lübeck durchgeschleust und zwischen die Züge Richtung Hamburg eingeschleust werden.
    Verspätungen und gelegentliche Leistungseinschränkungen (Ausfälle) waren eigentlich schon damals absehbar wurden aber ignoriert.

    Wer räumt schon freimütig Irrtümer ein und fängt noch mal freiwillig (fast) von vorne an ?
    Das machen üblicherweise weder Landesbehörden noch kommunale Bauämter freiwillig ! – Zumal unter (manchmal nur selbstgemachtem) Zeitdruck und schlechter Personalausstattung.

    Ich war da die große Ausnahme; – mir wurde häufig vorgeworfen, dass ich „immer neue Kaninchen aus dem Hut zauberte“, wenn ich meinem Ausschuss mitteilen musste, dass sich die ursprünglichen Randbedingungen der Planung so entscheidend geändert hätten, dass -wären sie ursprünglich bekannt gewesen- sie von vorneherein zu einer anderen Planung und zu anderen Beschlüssen geführt hätten.

    Übrigens: Bezüglich der Ausbaustrecke Harburg-Hannover war die Bundesregierung so mutig -angesichts der Erfordernisse des „Deutschlandtaktes“, der eine enorme Eisenbahn-Attraktivitätssteigerung verspricht- die seit zwei Jahrzehnten immer wieder modifizierte und inzwischen jetzt mit allen Akteuren abgenickte Planung in die Tonne zu treten und mit einer autobahnparallelen Hochgeschwindigkeitsstrecke von vorne anzufangen…! –

    Weshalb nicht auch zwischen Hamburg und Lübeck ?? – Bei uns ist die Planung doch noch gar nicht abgenickt… ganz im Gegenteil !

    Übrigens : Inzwischen ist die Wahrscheinlichkeit auch zukünftiger und dauerhafter Verspätungen und Ausfällen noch deutlich größer geworden :
    Inzwischen wird die zweigleisig bleibende Stammstrecke nördlich Ahrensburg nämlich nicht nur -wie früher- in den relativ kurzen Hauptverkehrszeiten morgens und nachmittags, sondern ganztägig von fünf bis einundzwanzig Uhr halbstündlich statt stündlich von den Regionalbahnen und zukünftig (hoffentlich!) den S-Bahnen befahren. Eine fatale Kapazitätseinschränkung für die RE-, Fern- und Güterzüge!!
    Nicht ausgeschlossen, dass die Taktverdichtung bis Bargteheide wieder zurückgenommen werden muss.

    Die Aussicht, dass eines Tages, im fernen 2028 -wenn ab jetzt alles planmäßigfertig werden sollte- Verspätungen und Ausfälle der Vergangenheit angehören werden, können wir uns abschminken !
    Sie ist nur ein Köder, mit dem die öffentliche Akzeptanz gesteigert werden soll…
    Den berühmten 10-Minuten-Takt werden wir auch nur in den Hauptverkehrszeiten bekommen…, die Taktung wird analog der heutigen U1-Taktung sein.

    Und während dieser langen Bau-Zeit wird immer über den Fahrplänen -wie schon heute und im letzten Jahr- stehen : „Zugausfälle, Umleitungen und abweichende Fahrzeiten (Busersatzverkehr) möglich“. Und das nicht als Ausnahme, sondern als Regel !

    Wenn wir Ahrensburger noch irgendwelche Änderungen erreichen wollen, muss SOFORT intensiv AGIERT werden und nicht -wie bisher beabsichtigt- nur reagiert werden.
    Und zwar nicht bei der „Behörde“ Deutsche Bahn, sondern bei der POLITIK, mit unseren Landes- und Bundespolitikern und bei der Landes- und Bundesregierung; – so wie das längst erfolgreich in Ostholstein praktiziert wurde und wird.
    Dort sollten die Güterzüge ursprünglich auch durch Timmendorf, Scharbeutz und Neustadt
    donnern !

    Der deutlich artikulierten Absicht unserer Verwaltung -wie im Umweltausschuss am vergangenen Mittwoch herausgehört werden konnte-, angesichts des Scheiterns der Wandsbeker Bürgerinitiativen im ersten, bereits laufenden Abschnitt zwischen Hasselbrook und Bovestraße jetzt „aufzugeben“, muss ganz entschieden entgegengearbeitet und -argumentiert werden.

    Die Erwartung oder auch nur Hoffnung der dortigen Bürgerinitiativen, den ersten Bauabschnitt (u.a. um das „Wandsbeker Gehölz“ zu schonen) durch Klagen verhindern zu können, war absolut blauäugig und von vornherein zum Scheitern verurteilt:
    Die gesamte Baustrecke des 1. Planfeststellungsabschnitts ist zwingend erforderlich für das alternativlose Erfordernis, die sog. „Zwei-System-S-Bahnzüge“ auf gesonderten Gleisen auf einer hinreichend langen antriebslosen Rollstrecke vom Oberleitungsbetrieb auf die Stromversorgung über die seitliche Stromschiene umzuzwitschen und sie dann mit einem sog. „Überwerfungsbauwerk“ in die S-Bahn-Stammstrecke der S1/S11 einzufädeln.

    Der Realisierung der weiteren Abschnitte ist dagegen keineswegs alternativlos !!

    NUR MUT ! – kann man allen potentiellen Akteuren nur zurufen.
    ENGAGIERT EUCH !
    Nichts ist wichtiger für die Zukunft Ahrensburgs…. ! Projekte, wie der Radschnellweg für 12 Millionen, für den kein einigermaßen vertretbares Kosten-/Nutzen-Verhältnis jemals erreicht werden kann, können warten !

    1. Michael Kukulenz

      Sehr geehrter Herr Elmers,
      ich bedanke mich für Ihren Beitrag. Sie wissen vielleicht nicht, dass es seit einiger Zeit eine Gruppe in Ahrensburg gibt, die genau zu diesem Thema arbeitet und u.a. auch Führungen durch das Tunneltal anbietet, in denen sowohl auf die archäologische und die umweltpolitische Bedeutung dieser FFH-Gebiete (FFH=Fauna-Flora-Habitat bedeutet höchster europäischer Naturschutz) als auch auf den politischen Kampf für den weiterhin uneingeschränkten Schutz dieser Gebiete informiert wird.
      Im Peter-Rantzau-Haus läuft gerade eine Fotoausstellung von mir, in der das Tunneltal auch ein Aspekt ist.
      Dort finden Sie auch eine Möglichkeit mit mir Kontakt aufzunehmen, worüber ich mich sehr freuen würde.

      Michael Kukulenz

  4. S. Trautmann

    An den Bürgermeister: Immer schön abwarten, Herr Sarach – bis zum 30. April 2022, dann haben Sie es ja geschafft. Gehts dann wieder zurück nach Schwerin?

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