Hans Reimann: “Die Feuerzangenbowle” und der Mann, der Hans Pfeiffer war – Pfeiffer mit drei äff

Jeder kennt den Film “Die Feuerzangenbowle” und hat gelacht über die Schülerkomödie mit Heinz Rühmann. Und viele Menschen haben auch den Roman gelesen, der von Heinrich Spoerl (1887–1955) stammt, einem Rechtsanwalt aus Düsseldorf. Der aber hat “Die Feuerzangenbowle” nicht allein geschrieben, sondern gemeinsam mit Hans Reimann (1889–1969), dem in Leipzig geborenen Schriftsteller, der die Hauptarbeit daran geleistet hat. Und dessen Grab auf dem Waldfriedhof in Großhansdorf-Schmalenbeck liegt, wo er bis zum Lebensende auch gewohnt hat und sehr häufig in Ahrensburg gewesen ist, um hier einzukaufen und ins Kino zu gehen. (Einen Fernseher im Haus hat Reimann bis zum Ende seiner Tage nicht geduldet.)

Dass Hans Reimann der Co-Autor des Romans “Die Feuerzangenbowle” gewesen ist, möchte der Droste-Verlag in Düsseldorf, wo das Buch erschienen ist, allerdings gern verschweigen, obwohl man bis zum heutigen Tage die Hälfte der Tantiemen aus dem Buchverkauf an den Erben von Hans Reimann überweist.

Und so publizierte der Droste-Verlag im Jahre 2004 ganz bewusst eine Falschmeldung über die Entstehung des Romans. In einem Buch des Verlages mit dem Titel “Heinrich Spoerl – Buch – Bühne – Leinwand” ist zu lesen:

“Die Anfänge der ‘Feuerzangenbowle’ gehen auf das Jahr 1930 zurück. Am 30. Mai schreibt der schriftstellernde Debütant einen Brief an Hans Reimann und bittet ihn um Durchsicht und Überarbeitung einer kleinen Komödie; dafür bietet er ihm ‘die hälftige Teilung’ der Tantieme an. Die Grundidee und das Handlungsgerüst der ‘Feuerzangenbowle” sind offensichtlich das geistige Eigentum Spoerls. Jedenfalls verzichtet Reimann auf Persönlichkeitsrecht und Spoerl firmiert bis heute allein als Autor des Buches.”

Diese Darstellung des Verlages ist wider besseres Wissen erfolgt und vermutlich mit betrügerischer Absicht veröffentlich worden, und zwar unter der Regie des damaligen Nachlassarchivars von Heinrich Spoerl. Richtig ist zwar, dass Spoerl sich an Reimann im Jahre 1930 wegen der Überarbeitung einer kleinen Komödie gewandt hat, aber bei dieser Komödie handelte es sich keineswegs um “Die Feuerzangenbowle”, sondern um das Theaterstück Der beschleunigte Personenzug”, das am 8. September.1932 im Berliner Theater am Nollendorfplatz als gemeinschaftliches Bühnenwerk beider Autoren uraufgeführt wurde.

Wie nach der ersten Zusammenarbeit der beiden Autoren dann anschließend der Roman “Die Feuerzangenbowle” entstanden ist, das hat Hans Reimann in seinen Memoiren “Mein Blaues Wunder” (1959, List-Verlag) ausführlich beschrieben. Die Geschichte ist teilweise nachzulesen auf  www.hans-reimann.de, wo auch über das Leben des Humoristen Hans Reimann und seiner zahlreichen Werke berichtet wird. Einen Schriftsteller, über den Thomas Mann geschrieben hat: “Die Deutschen haben noch nie einen so lustigen (und heimlich strengen) Deutschlehrer gehabt!”

Und dieser Hans Reimann wird heute von Seiten des Droste-Verlag posthum immer wieder verunglimpft, weil man dort den Namen “Heinrich Spoerl” nicht beschädigen möchte. Und: Über einen Menschen kann man dreißig Jahre nach seinem Tode ungestraft alles behaupten und veröffentlichen.

Auch die “taz” hat vor Jahren  über die Entstehung des Romans “Die Feuerzangenbowle” geschrieben mit der Überschrift: “Da stelle mer uns janz dumm”.

Zu Lebzeiten hat Hans Reimann auch im Droste-Verlag publiziert

Und dann ist da noch Wikipedia. Hier trage ich als Erbe von Hans Reimann seit vielen Jahren einen Disput mit dem Droste-Verlag aus, was man als Edit-War bezeichnet. Der Wikipedia-Eintrag über den Roman “Die Feuerzangenbowle” kommt von Seiten dieses Verlages und bringt natürlich auch hier eine falsche Darstellung über die Entstehung des Werkes und die Hintergründe. Und das Unglaubliche: Wenn ich dort als Autor anhand von unumstößlichen Quellen die Wahrheit ergänze – zum Beispiel mit Zitat aus einem Urteil des BGH als Quelle  – dann setzt irgendjemand diesen Text sofort wieder böswillig zurück auf die ursprüngliche Version des Droste-Verlages. Das ist auch ein Corpus Delicti dafür, dass man bei Eintragungen auf Wikipedia vorsichtig sein muss, denn dieses Lexikon ist leider nicht so zuverlässig wie man es früher vom Brockhaus her kennt, sondern es ist nun mal ein Je-ka-mi-Lexikon. Und wer die dortigen Regularien kennt, die ziemlich kompliziert sind, ist klar im Vorteil.

Aaaber liebe Leute: Es ist ja nicht so, dass man sich im Zeitalter von Social Media nicht gegen fehlerhafte Eintragungen bei Wikipedia wehren kann. Jedenfalls dann, wenn man Blogger ist und auf seinem Blog die Informationen veröffentlichen kann, die auf Wikipedia zuvor gelöscht bzw. zurückgesetzt worden sind, weil sie dem Droste-Verlag nicht behagen. Und das mache ich an dieser Stelle mit freundlichen Grüßen an den Droste-Verlag nach Düsseldorf, wo die Geschichten vom Lügenbaron Münchhausen besser aufgehoben wären als “Die Feuerzangenbowle”:


Quelle: Text auf Wikipedia, der vom Droste-Verlag zum größten Teil gelöscht und ersetzt worden ist durch eine verlagseigene Version.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 4. Mai 2021

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