Schilda des Nordens: 62.000 Euro für die Arbeit einer Kommission zur Überprüfung der Arbeit einer Kommission

Ich habe etwas losgetreten und damit den Geist der Vergangenheit gerufen, was eigentlich gar nicht meine Absicht gewesen ist. Mein Thema: Ich ärgere mich seit vielen Jahren, dass ich in einer Straße wohne, die den Namen „Schimmelmannstraße“ trägt. Diese Straße wurde benannt nach Heinrich Carl von Schimmelmann (1724-1782), einem der größten und brutalsten Sklavenhändler seiner Zeit. Schimmelmann ließ zum Beispiel wehrlose Menschen misshandeln, indem er ihnen seine Initialen mit einem Brandeisen in die Haut brennen ließ.

Doch anstatt, dass die Stadt den Namen „Schimmelmannstraße“ von den Schildern der Straße nimmt, kamen Die Grünen auf den Plan. Und die Grünhörner stellten den Antrag, dass alle anderen Ahrensburger Straßennamen ebenfalls überprüft werden sollen. Ein Ansinnen, das ich zunächst mal für einen Scherz gehalten habe; aber einer Umweltpartei, wo die Fraktionsvorsitzende mit einem SUV in der Innenstadt herumkurvt, muss man alles zutrauen. Die Folge: In der letzten Stadtverordneten-Versammlung wurde tatsächlich beschlossen:

Die Stadt Ahrensburg wird eine Kommission einberufen, die alle Straßen in Ahrensburg genauso wie Plätze, Säle u. a., die nach Personen benannt worden sind, auf den Prüfstand stellen soll. Dafür stimmten 18 Stadtverordnete bei 10 Gegenstimmen und 10 Enthaltungen. Und: Die Verwaltung rechnet für dieses Projekt mit Kosten in Höhe von über 62.000 (zweiundsechzigtausend) Euro.

Aber Ahrensburg wird nicht umsonst das Schilda des Nordens genannt. Denn bereits im Frühjahr des Jahres 2002 hatte die Stadt eine Suche nach Namensgebern durchgeführt, die möglicherweise aus der Nazizeit belastet waren und heute auf Straßenschildern verewigt sind. Und es wurde festgestellt: Außer „Schimmelmannstraße“ ist alles okay in der Stadt Ahrensburg. Und alle Fraktionen haben damals einstimmig entschieden, dass es keine weiteren Nachforschungen mehr geben soll, wie Georgia Wahl in der “Ahrensburger Zeitung” berichtet hatte.

Und damit komme ich zurück auf Schimmelmann: Die damalige Kommission mit der früheren Stadtarchivarin Elke Petter hatten bezüglich „Schimmelmannstraße“ dargelegt, dass dem Ende des 19. Jahrhundert geborenen Grafen Schimmelmann zwar eine Mitgliedschaft in Waffen-SS und NSDAP nachgewiesen wurde, dass aber die Ehrung durch die  „Schimmelmannstraße“ sich auf den ersten Schlossherrn bezieht, und das ist der berüchtigte Sklavenhändler Heinrich Cal von Schimmelmann. Doch weil es in der damaligen Untersuchung ausschließlich um Nazivergangenheit ging und nicht um Menschenrechtsverletzungen, wurde das Thema „Schimmelmannstraße“ damals erst einmal ausgespart.

Mit anderen Worten: Es gibt in Ahrensburg bis heute nur zwei Straßen, die belastet sind. Und das sind neben der Schimmelmannstraße auch die Rantzaustraße, die nicht nach der Familie derer von Rantzau benannt worden ist, sondern nach dem Grafen Rantzau, der die Leibeigenschaft in Ahrensburg eingeführt hat und auch sonst kein ehrenhafter Mensch gewesen ist,  weshalb es unmöglich ist, dass dieser Horrorgraf auch weiterhin durch eine Straße namentlich geehrt werden sollte.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 2. November 2020

10 Gedanken zu „Schilda des Nordens: 62.000 Euro für die Arbeit einer Kommission zur Überprüfung der Arbeit einer Kommission

  1. Rohde

    Was macht Nadina Levenhagen von den Grünen eigentlich beruflich? Ich frage, um zu erfahren, was ihr die Legitimation gibt für die Ämter in der Stadtverordnetenversammlung und in den Ausschüssen. Ist sie womöglich Autoverkäuferin?

    1. Harald Dzubilla Artikelautor

      Vater Levenhages Tochter Nadine ist nicht umsonst von der CDU zu den Grünen gewechselt und dort gleich in den Vorsitz gelangt, denn sie ist “Personal Couch”, wie sie selber gesteht. Das sagt eigentlich schon alles. Aber es kommt noch etwas dazu: Nadine Levenhagen ist auch – bitte nicht darüber feixen! – Finanzexpertin.

      1. Green Warrior

        N.Levenhagen hat sich (als gelernte Personaler*in) schlauerweise eben mehr mit den menschlichen Schwächen und Eigenheiten ihrer grünen Parteifreunde befasst, um eine handstreichartige Übernahme der Ahrensburger Grünen zu bewerkstelligen. Wer klandestin damit beschäftigt ist, Mehrheiten für den Papa im Stadtparlament zu organisieren, hat es nicht wirklich nötig mal das Parteiprogramm der Grünen durchzulesen und darüber nachzudenken was es bedeutet eine Grüne zu sein.
        Großes Kino was hier geboten wird! Zusammen mit den ganzen Kuriositäten die das Rathaus in der Vergangenheit zu bieten hatte, böte sich genügend Stoff für eine kleine Fernsehserie. Am liebsten mit Christoph Maria Herbst in der Rolle des Bürgermeisters.

  2. Fritz Lucke

    Die Kommission muesste dann auch die Zerstörung des Blaumanns beschließen, da die Farbe Blau in der Vergangenheit (z. B. bei den Preußen) die Farbe der Uniformen war und damit die militärische Vergangenheit heraufbeschwoert.

  3. B. M. Schrader

    Bevor Frau Levenhagen zu den Grünen gekommen war, waren die doch nicht so doof wie heute oder? 62000 Flocken für Pillepalle. Und es gibt Familien in der Stadt, wo es kaum fürs tägliche Brot reicht. Jagt diese Räuberbande aus der Stadt … spätesten bei der nächsten Wahl.

  4. Grünhöker

    Ich hätte mir für Ahrensburg einen Bürgermeister gewünscht, der in der SVV aufsteht und sagt: Tut mir leid, aber diesen Blödsinn mache ich nicht mit! Ich bin neugierig, was die Grünen dann gemacht hätten!!!

  5. Observator

    Nachdem die 30.000 Euro für den Muschelläufer schon im Schwarzbuch der Steuerzahler gelandet sind, werden die 62.000 Euro für die Untersuchung einer Untersuchung dort mit Sicherheit ebenfalls erwähnt werden. Wer da zugestimmt hat, hat echt einen Riss in der Pfanne. Und für Kinder in Not ist kein Geld vorhanden, weshalb man diesen Kindern Freikarten fürs badlantic gibt. Gegen Ahrensburg war Schilda eine Universitätsstadt.

    1. Harald Dzubilla Artikelautor

      Man könnte das auch “Veruntreuung von Steuergeldern” nennen. Ich schlage vor, eine Kommission zu bilden, die alle Stadtverordneten, die dem zugestimmt haben, auf ihren Geisteszustand hin überprüft. Dafür wären 62.000 Euro durchaus angemessen.

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