Über eine „Herzensangelegenheit“ des amtierenden Bürgermeisters von Ahrensburg

Eine doppelseitige Werbung für die „Ahrensburger Musiknacht“ im MARKT. Bezahlt von Firmen in Ahrensburg, die dort am Rande platziert sind. Einige von denen haben auch direkt etwas mit der Ahrensburger Musiknacht zu tun. Und deshalb zahlen sie nicht nur doppelt, sonder sie löhnen am Ende sogar dreifach.

Aber der Reihe nach! Als die Ahrensburger Musiknacht dermaleinst gestartet ist, habe ich sie auch besucht. Doch ich habe dann schon nach dem zweiten Mal gemerkt, dass das nichts für mich ist. Ich bezeichne so etwas als Häppchenmusik. Oder als Ahrensburger Laufstrecken-Potpourrie.

Wenn ich dazu mal ein (zugegebenermaßen grob gerechnetes) Gleichnis bringen darf, das ich mir wie folgt ausgedacht habe: Es gibt eine Ahrensburger Speisenacht. Was meint: In 28 Läden, Lokalen, Sparkassen, Holzhandlungen und Seniorenheimen können Sie in dieser Nacht vom augebauten Buffet essen, und zwar von 16 Uhr bis Mitternacht, also rund 8 Stunden lang. Das sind rund 480 Minuten insgesamt. Davon müssen Sie allerdings 28 Fußwege abziehen, was bedeutet: Rund 280 Minuten gehen fürs Gehen drauf. Verbleiben also noch 200 Minuten für 28 Stationen, was heißt: Sie haben pro Essenausgabe rund 7 Minuten Zeit, um ihren Teller zu füllen und auch noch zu essen – falls Sie Letzteres überhaupt noch schaffen. Außerdem wird Ihnen kein Sitzplatz garantiert, weshalb Sie also im Stehen essen müssen. Und dafür löhnen Sie dann rund 28 Euro, weil Sie ja schließlich nicht nur für eine Mahlzeit zahlen müssen sondern für 28 Häppchen.

In der Ahrensburger Musiknacht gibt es 28 Konzerte in 18 Locations. Was für mich als Musiker eine Zumutung wäre, wenn mitten in meinem Konzert ständig Leute kommen und Leute gehen wie auf einem Hauptbahnhof und kaum jemand meinen Auftritt von Beginn bis zum Ende verfolgt. Und für die Besucher ist es überhaupt nicht möglich, alle Musiker zu sehen und zu hören, weil viele Auftritte ja parallel erfolgen

Wenn ich zum Essen gehen möchte, dann gehe ich in ein Ahrensburger Restaurant. Dort kann ich für 28 Euro pro Person sehr gut speisen. Und wenn ich in ein Konzert gehen möchte, dann gehe ich in ein Konzert und genieße die Musik vom Anfang bis zum Ende. Und ich latsche nicht zu 28 Konzerten in einer Nacht, die ich weder komplett noch allesamt hören kann.

Aber die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Genauso wie die Locations, wo die Akustik recht unterschiedlich ist. Und der Witz ist für mich ist alle Jahre wieder: Die Läden, die ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, verlangen dafür nicht etwa Geld von der Veranstalterin, sondern – man höre und staune! – sie müssen sogar dafür zahlen, dass sie ihre Räume der Agentur für die kommerzielle Veranstaltung zur Verfügung stellen. Und dazu kommen auch noch die Kosten für Strom und Reinigung und wahrscheinlich auch noch für Überstunden des Personals.

Die Erlöse aus Eintrittskarten, Locations und aus der Werbung kassiert zuerst einmal Felizitas Schleifenbaum, vormals Thune(c)ke. (Was sie davon an die Musiker abgibt, weiß ich natürlich nicht.) Die Veranstalterin hatte früher versucht, ihre Musiknacht auch in anderen Städten zu etablieren, aber offenbar waren die Geschäftsleute anderswo nicht so unterwürfig und naiv wie in Ahrensburg. Warum? Ich vermute, weil es für den Ahrensburger Bürgermeister eine (Zitat:) „Herzensangelegenheit“ ist, die Schirmherrschaft für Felizitas Schleifenbaum Ex-Thune(c)ke zu übernehmen – wenn Sie wissen, was ich damit meine.

Keine Herzensangelegenheit dagegen ist es für den Bürgermeister, dass keine Güterzüge durch Ahrensburg donnern sollen. Da fordert er eine Tieferlegung von Gleisen, ohne zu erklären, wie das de facto gehen soll. Aber das ist ein anderes Thema, das erst für uns Einwohner hörbar wird, wenn Michael Sarach nicht mehr die Schirmherrschaft über Ahrensburg hat.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 19. Mai 2019

4 Gedanken zu „Über eine „Herzensangelegenheit“ des amtierenden Bürgermeisters von Ahrensburg

  1. Der Spatz vom Rathausdach

    Ob der Bürgermeister wohl auch wie jeder Normalbürger die Eintrittskarte bezahlen muss? Von Amtswegen darf er ja keine Geschenke annehmen, oder?

  2. Torsten Schmidt

    Ich behaupte mal, dass ohne den Rückhalt der Ahrensburger Zivilgesellschaft ein Bürgermeister wenig in der Causa Güterverkehr ausrichten kann. Wo z.B. bleiben die Ahrensburger Grünen ? Die Grünen Schleswig-Holsteins waren seinerzeit vehement gegen die Errichtung des Fehmarnbelttunnels ! Jetzt zur Europawahl hätte man das Thema Lärm durch Güterzüge (sowie Ramponierung der Gleise und damit ständig notwendige Bauarbeiten auf der gesamten Strecke) wunderbar auf den aushängenden Wahlplakaten den Ahrensburgern ins Bewusstsein bringen und langsam zivilen und gesetzeskonformen Widerstand organisieren können. Morgen bei der Veranstaltung mit Herrn K.v.Notz in der Stormarnschule böte sich Gelegenheit auch über dieses wichtige Zukunftsthema zu diskutieren.

  3. Der Spatz vom Rathausdach

    Die Cottage Sauna ist ein stadteigener Betrieb. Was hat dieser Betrieb mit der kommerziellen (!) Ahrensburger Musiknacht zu schaffen? Warum wirbt die Cottage Sauna für die Musiknacht?

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