Eine Ausstellung, die Wasser ist auf die Mühlen der Kirchengegner

Es gibt Themen, die zu behandeln eine heikle Sache ist. Weil der Behandler dabei schnell in eine Ecke gestellt wird, in die jeder kommt, der Kritik an Personen übt, die heute – über 70 Jahre nach dem 2. Weltkrieg – immer noch in alten Unterlagen forschen, um etwas zu finden, das diejenigen belastet, die in zwischen ausnahmslos tot sind. Warum, bitte sehr, hat man nicht früher geforscht und veröffentlicht, als die Täter noch gelebt und ihre Taten frisch waren…?!

Werbeblatt MARKT

Der Förderverein Sankt Johannes hat eine Ausstellung in das Kirchengebäude geholt, die sich mit der NS-Vergangenheit der Landeskirchen beschäftigt. Und der MARKT, das Werbeblatt, macht daraus seinen Aufmacher und zeigt sieben Männer, die offenbar so wichtig sind, dass sie sich als Cover-Boys vereint für das Gruppenfoto eingefunden haben, was auch immer der spezielle Grund für diese persönliche Selbstdarstellung gewesen sein mag. Es geht hier schließlich um ganz andere Personen als um die abgelichteten.

Natürlich kann der Förderverein das tun. Aber warum tut er das? Wem soll diese Ausstellung eigentlich helfen – vielleicht den heutigen Mitarbeitern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ahrensburg, um den Fortbestand der Gemeindemitglieder zu sichern und ihre Zahl zu erweitern? Oder soll es den Gemeindemitgliedern helfen beim Glauben, dass teuflische Kirchenvertreter alle in der Hölle gelandet sind, wo auch diejenigen schmoren werden, die Missbräuche in Ahrensburg begangen haben? Oder sollen damit die Atheisten unterstützt werden, die schon immer gesagt haben, dass auch die Kreuzzüge der Christen ziemlich blutig verlaufen sind…?

Wie gesagt: Alle, die es betrifft, die ruhen inzwischen auf dem Friedhof. Alle. Sollte man dort nicht auch die Vergangenheit ruhen lassen?

Nein, das sollte man nicht. Geschehenes Unrecht darf man nicht vergessen. Und ich meine auch nicht, dass man Schuldige ungestraft lassen sollte. Aber wen kann man heute noch bestrafen für seine Taten im grausamen Nazireich?

Wer an Gott glaubt, der glaubt doch auch ans Fegefeuer, oder? Und dort dürften der An-Führer und seine Massenmörder und andere Helfershelfer gelandet sein.

Wenn ich heute in ein Gotteshaus gehe, dann möchte ich dort Ruhe und Frieden finden bei meiner Andacht. Und nicht abgelenkt werden durch eine Ausstellung, die man sinnvoller besser in Magazinform produzieren und jedem anbieten sollte, der sich damit befassen möchte. Notabene: Die Bilder des Teufels, der ein gefallener Engel ist, stellt man doch auch nicht im Gotteshaus aus, oder…?!

Heute ist Pfingsten, das christliche Fest zum Gedenken an die Entsendung des Heiligen Geistes. Möge das für alle Menschen eine Erleuchtung sein! Für alle – also auch für mich. 😉

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 21. Mai 2018

4 Gedanken zu „Eine Ausstellung, die Wasser ist auf die Mühlen der Kirchengegner

  1. Frau Behnemann

    Dieses Kirchengebäude ist zu einem Kulturtempel geworden. Und wenn die Vergangenheit die Gegenwart einholt — wie kann es dann zu einer unbelasteten Zukunft führen? Und warum ist die Ausstellung ausgerechnet in der Johanneskirche und nicht im Kirchengemeindesaal?

  2. Advocatus Diaboli

    Zugegeben, es ist ist ein ernstes Thema. Und genau darum stellt sich die Frage danach, warum sich dafür 7 Personen auf der Titelseite eines Anzeigenblattes abbilden lassen. Was haben diese 7 Menschen geleistet, damit sie den Bürgern im Bild vorgestellt werden?

    Meine Vermutung: Diese 7 Männer stehen dort symbolisch für die Zahl 7, denn die Zahl 7 hat eine magische Bedeutung. In der Bibel gilt die 7 als „heilige Zahl“, denn am 7. Schöpfungstag hat Gott sich ausgeruht; und die Woche hat seither 7 Tage. Wir kennen den Wolf und die 7 Geißlein. Schneewittchen und die 7 Zwerge. 7 auf einen Streich. Die glorreichen 7. Die 7 Raben. Die 7 Schwäne. James Bond 007. Das verflixte 7. Jahr, den Siebenschläfer und die 7 Weltwunder.

    Und last but lange noch nicht least: Über 7 Brücken musst Du geh’n! Diesen Weg wollen die 7 Jünger auf der Titelseite vom „MARKT“ ebenfalls gehen. Es ist in diesem Fall nicht der Jakobusweg, sondern der Johannesweg.

    Ich hoffe, ich habe die 7 richtig interpretiert. Sonst, Herr Dzubilla, diesen albernen Kommentar bitte eliminieren! Allerdings empfinde ich das Foto auf der Titelseite vom „MARKT mindestens genauso albern. Es beweist, wie wichtig sich manche Leute nehmen.

  3. H.J. Lange

    Verunsicherter Herr Dzubilla,

    Sie kommentieren eine („selbstreinigende“) Wanderausstellung, die noch bis zum 30. Mai in der Ahrensburger St. Johanneskirche zu sehen ist.
    Dazu zwei Zitate aus dem ausliegenden Faltblatt:
    1.
    „Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden.“
    (Untertitel: „Stuttgarter Schulderklärung vom 19. Oktober 1945“)
    2.
    „Ich meine, dass diese Erklärung nicht so stehen bleiben darf, ohne dass ihr ein Wort an die Feindmächte zum Nürnberger Prozess folgt, in dem ihnen gesagt wird, dass sie nicht das Recht hätten, die Weltrichter zu spielen.“
    (Untertitel: „Schreiben von Pastor Treplin an Präses Halfmann vom 29. Oktober 1945“)

    Tatsächlich muss Jahrzehnte nach 1945 die Frage gestellt werden, ob ein für die Zeit vor 1945 in Schleswig-Holstein festgestelltes, weit verbreitetes nicht-christliches Denken und Handeln in der Pastorenschaft – auch in heute tätigen Köpfen von Pastorinnen und Pastoren festzustellen ist.
    Leider beantworten Gemeindemitglieder der ev.-luth. Kirchengemeinde Ahrensburg diese Frage mit „Ja“ oder „dazu sage ich nix“ oder „weißnich“.
    Tatsächlich wurden in den letzten, bzw. zurück liegenden Jahren durch mindestens drei bekannte Ereignisse Gemeindemitglieder zutiefst seelisch verletzt (bzw. als Gruppe „traumatisiert“).
    Dafür verantwortlich waren namentlich bekannte Pastorinnen und Pastoren in verschiedenen gemeindlichen und Kirchenleitungs-Positionen und auch einzelne dermaßen „engagierte“ Gemeindemitglieder.
    Ja, es ist nicht nachvollziehbar, wenn einzelne der gemeinten „Geistlichen“ sich augenscheinlich irgendwie stolz in den Vordergrund drängen, etwa im Rahmen der genannten Ausstellung und vor einem Zeitungsreporter.

    Dr. Stephan Linck wurde für die Forschungsarbeit noch von der Nordelbischen Kirche beauftragt. Er hält heute am 23. Mai um 18:00 Uhr in der St. Johanneskirche einen Ausstellungs-bezüglichen Vortrag.
    HJL

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