Ein Kapitel Humor: Was damals im Orient geschah…

…lesen Sie hier und heute auf Szene Ahrensburg. Es ist eine kurze Geschichte zum Schmunzeln von Hans Reimann (1889–1969), der in Großhansdorf gelebt hat und seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in Schmalenbeck gefunden hat, wo auch seine Frau, die Schauspielerin Wilma Bekendorf (1910–2005) ruht.

Hans Kossatz & Frau und Hans Reimann (von links)

Die besagte kleine Geschichte stammt aus dem Anekdoten-Bändchen “Hast du Töne?” (Gebr. Weiss Verlag), das schon lange vergriffen ist. Die Illustrationen schuf der bekannte Berliner Zeichner Hans Kossatz (1901-1985). Und weil ich in meinem Archiv kürzlich ein Foto von Hans Reimann mit Hans Kossatz gefunden habe, das am 4. August 1961 im Ihlendieksweg in Schmalenbeck entstanden ist, wo Hans Kossatz seinen Freund Hans Reimann damals besucht hatte, halte ich die Aufnahme hiermit für die Nachwelt fest.

Und nun die versprochene Anekdote, über die ich schon zu Lebzeiten des Dichters geschmunzelt habe. Sie trägt den Titel “Eine Wette im Orient”. Viel Vergnügen bei der Lektüre! 😉

Eine Wette im Orient    

In Turkistan verbreitete sich die Kunde, der blinde Duban male Blumen, Früchte, Tiere und Menschen nach dem Gefühl, indem er sie zuvor und während der Arbeit behutsam betaste.

Alle Wohlhabenden rissen sich um den Blinden, und waren seine Gemälde auch stümperhaft, so entzückten sie doch durch die seltsame Art ihrer Entstehung.

Dubans Ruhm wuchs, und mit ihm wuchsen die Preise, die der blinde Künstler forderte.

Abu Tamam schloss mit Freunden eine Wette, dass er Duban als Schwindler entlarven werde, und lud den Blinden ein.

Der Maler kam und erhielt einen Auftrag, für den er ein unverschämtes Honorar verlangte. Und er begann.

Abu Tamam ward nicht müde, den Blinden auf die Probe zu stellen. Er vertauschte den für einen Augenblick weggelegten Pinsel mit einem glühenden Eisenstab – Duban griff zu. Er streute Glasscherben um Dubans Nachtlager – der Blinde trat hinein. Er schüttete ihm Skorpione ins Weinglas – der Blinde trank. Er setzte ihm Taubendreck als Mahlzeit vor – Durban aß.

Zeichnung: Hans Kossatz

Trotzdem hielt ihn Abu Tamam für einen durchtriebenen Gauner.

Und bald war die Wette tatsächlich gewonnen.

Es brannte die Sonne, der Blinde malte, Abu Tamam schlug ein gemeinsames Bad vor, die Männer entkleideten sich und betraten den marmornen Raum.

Er war angefüllt mit nackten Haremsdamen, die wie verwunschen und in völliger Lautlosigkeit herumhockten oder lagerten.

Dubans Angesicht blieb unbewegt.

Aber zwei Handbreit unter seinem Nabel regte sichs bei ihm … erst sanft, dann immer heftiger; und während Abu Tamam schallend lachte, sprang der Schwindler auf und davon und ward nie wieder gesehen.

Hans Reimann (1889 –1969)

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 20. Mai 2018

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