Ahrensburg: Grüße aus Kiel vom Heiligen Bürokratius

Nein, ich war nicht dabei im Rathaus, als Kieler Beamte den Ahrensburger Politikern in der vergangenen Woche erklärt haben, dass Ahrensburg dazu verpflichtet ist, potentielle Flächen für Wohnungsneubau und Gewerbeansiedlung zu benennen. Auch Ralph Klingel-Domdey vom 3. Buch Abendblatt war nicht in diesem Meeting, wurde jedoch von einem Whistleblower darüber informiert, der sich dafür vermutlich eine “gute Presse” im 3. Buch Abendblatt erhofft hat. Und heute steht ein Bericht über die interne Veranstaltung im Blatt unter der Überschrift: „Kiel fordert Bauflächen: Ahrensburg muss liefern“.

Richtig ist: Ahrensburg muss keine Bauflächen „liefern“. Ahrensburg muss nur potentielle Bauflächen benennen. Aus dem langen Flatschen von Klingel-Domdey zitiere ich nur einen einzigen Passus, der entscheidend ist für das bürokratische Theater und und also lautet:

Symbolbild (Lithographie: A. Paul Weber)

„Zum Hintergrund: Bereits im Frühjahr 2017 hatte die Landesplanungsbehörde Nachbesserungen bei den Entwürfen zum F-Plan gefordert, verlangte mehr Neubaugebiete. Auch soll der Plan bis 2030 ausgelegt sein, statt – wie bis dato vorgesehen – nur bis 2025. Ein Flächennutzungsplan ist das strategisch wichtigste Planungsinstrument einer Kommune. Er gibt vor, welche Areale bebaut werden dürfen, welche für Gewerbe infrage kommen, wo Grünflächen erhalten bleiben sollen. Wie viele Häuser eines Tages tatsächlich an welcher Stelle entstehen, darüber entscheiden jedoch Verwaltung und Politik allein.“

Mit anderen Worten: Hier pfeift der Heilige Bürokratius um die windigen Ecken der Städte und Gemeinden. In meinen Augen wäre das vergleichbar mit folgender Metapher: Alle Familien in der Stadt Ahrensburg müssen nach Kiel melden, wie viele Kinder sie bis zum Jahr 2030 in die Welt setzen wollen. Wie viele Kinder dann eines Tages tatsächlich auf die Welt kommen, darüber entscheiden jedoch Mütter und Väter allein. Und nicht zuletzt auch der liebe Gott.

Was also soll die Stadt jetzt tun? Ganz einfach: Benennen von Stormarnplatz, Benennen von Ahrensburg West, benennen von Beimoor, Erlenhof Nord und Nennung vom Wolkenkuckucksheim. Danach ist dann Ruh’, basta – Ende – aus! Und auch Thomas Bellizzi (FDP) muss nicht weiterhin in die Posaune von Kiel blasen, wo sein Scheffe Buchholz in der Regierung sitzt, der am kommenden Samstag auf dem Rondeel stehen wird, um für seine eigene Wahl zum Stadtverordneten von Ahrensburg zu werben. Ob der Kieler Minister Dr. Bernd Buchholz eines Tages tatsächlich in der Stadtverordneten-Versammlung im Marstall sitzen wird, darüber entscheiden nicht nur die Wähler sondern auch er selber.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 30. April 2018

5 Gedanken zu „Ahrensburg: Grüße aus Kiel vom Heiligen Bürokratius

  1. H.J. Lange

    Die Stadt Ahrensburg ist seit wenigen Tagen sogar verpflichteter Teilnehmer am “Stormarner Bündnis für bezahlbares Wohnen” – sie weigert sich aber weiterhin, der auch in dem Bündnis eingegangenen Verpflichtung nachzukommen, sämtliche potentielle Bauflächen in einem F-Plan auszuweisen.
    Beamte aus Kiel müssen die Stadt Ahrensburg dazu tragen.
    HJL

  2. Martens

    Mal angenommen, die Stadt Ahrensburg besitzt keine freien Grundstücke mehr, die nicht dem Naturschutz unterliegen. Und weiterhin angenommen, kein privater Grundeigentümer will der Stadt auch nur einen einzigen Quadratmeter Land verkaufen. Welche Flächen soll die Stadt dann an Kiel melden?

    1. Harald Dzubilla Artikelautor

      Ich sehe das völlig kreativ: Wenn die Stadt Ahrensburg kein eigenes Land als potentielles Bauland hat, dann kauft sie sich eben welches. Zum Beispiel in einer der Nachbargemeinden. Dieses Land wäre dann Land, das der Stadt Ahrensburg gehört. Und dafür könnte die Verwaltung dann einen Flächennutzungsplan erstellen. Das wäre vergleichbar mit Ersatzparkplätzen, die man anderswo erstellen muss, wenn man dafür selber keinen Platz mehr hat. 😉 Und wenn jetzt jemand kommt und den Einwand erhebt: “So geht es gar nicht!”, dann soll derjenige eben erklären, WIE es denn gehen könnte! 😉

    2. H.J. Lange

      Hallo Martens,
      Sie formulieren es zutreffend: “Mal angenommen …”.
      Sie wissen es also nicht.
      Ihr Ergebnis nennt man überflüssige Spekulation.
      HJL

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