Noch kein Beschluss der Stadtverordneten, aber einer von ihnen gibt schon grünes Licht für den Bau einer Toilette in der Großen Straße

Ein historisches Ahrensburger Ereignis ist – jedenfalls optisch – verschwunden: Das Luxus-Klo vor dem Rathaus wurde abtransportiert unter Mitnahme von rund einer halben Million Taler aus der Stadtkasse. Und obwohl in der Innenstadt von Ahrensburg ausreichend öffentliche Toiletten vorhanden sind, wollen spendable Politiker noch einmal 150.000 Euro springen lassen, um ein weiteres WC zu errichten.

Nach meinem Kenntnisstand haben die Stadtverordneten bis heute noch keinen Beschluss darüber gefasst, ob und wo eine neue barrierefreie Toilette in der City errichtet werden soll. Aber sie müssen darüber auch gar nicht mehr abstimmen, denn einer von ihnen, nämlich der freundliche Stadtverordnete Christian Schmidt von Bündnis90/Die Grünen, hat die Entscheidung für die Stadt schon auf Facebook bekanntgebeben. Hier der Wortlaut im Original:

Dass der Stadtverordnete Schmidt posthum darauf hinweist, dass die Kosten-Nutzung-Rechnung für das alte Klo gar nicht so schlecht gewesen ist, wie die Stadt bekanntgeben hat, weil Menschen mit Behinderung nichts für die Nutzung bezahlt haben … ist wirklich bemerkenswert. Und wenn Sie den lieben Christan Schmidt irgendwo persönlich treffen, dann fragen Sie ihn doch einfach mal, um wie viele Menschen es sich dabei pro Jahr gehandelt hat! Denn darüber muss es ja eine Untersuchung geben, weil die Entscheidung für eine neue Toilette ohne vorliegende Zahlen gar nicht haltbar wäre.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 26. Januar 2018

20 Gedanken zu „Noch kein Beschluss der Stadtverordneten, aber einer von ihnen gibt schon grünes Licht für den Bau einer Toilette in der Großen Straße

  1. Rotkäppchen

    Wie praktisch, da sparen sich die Damen und Herren ja die umständliche Prozedur einer Diskussion samt Abstimmung. Und keiner muss auch nur eine Sekunde darüber nachdenken, ob dieses Scheißhaus überhaupt benötigt wird. Für 150.000 Euro, versteht sich. Wie lautet doch der Schmidtsche Nickname? Er lautet: Schmidtchen Schleicher. Das ist der mit den elaschtischen Beinen. 😉

    1. Hildebrandt

      Der neu gewählte Ort der Öffentlichen Toilette in der Großen Straße entspricht einer tatsächlichen Nachfrage. Zu den verschiedenen Festlichkeiten wie Weinfest, Stadtfest u.a. errichteten die Veranstalter eigene mobile Toiletten, die ja nun entbehrlich wären. Hoffentlich ist man seitens der Stadtverwaltung bemüht sich das auch von den Veranstaltern bezahlen zu lassen, dass diese nun die stadteigene Toilette nutzen dürfen. So kann auch ein etwas wirtschaftlicherer Betrieb der Toilette erreicht werden. Warum Behinderte in Zukunft für die Benutzung der Toilette nichts zahlen sollen, erschließt sich mir nicht. Deutschland und speziell Schleswig-Holstein kümmern sich so schon rührend um die Belange der Behinderten und nehmen dafür sehr viel Geld in die Hand. Da muß die Benutzung einer Toilette nicht auch noch kostenlos sein.

  2. Observator

    Dann könnte man also sagen: Der Stadtverordnete Schmidt erzählt den Bürgern mal wieder Döntjes. Meine Befürchtung: Um den Kollegen zu decken werden die Stadtverordneten im nacheilenden Gehorsam für eine Toilette in der Großen Straße den Stinkefinger heben. Nur wer Rückgrad hat, senkt den Daumen.

  3. Rüdiger

    Wenn die neue Toilette in der Großen Straße stehen soll, dann muss sich diese Toilette gemäß neuem Sanierungskonzept Innenstadt eine historische Toilette aus dem 18. Jahrhundert sein, die dann im Zuge der Innenstadtsanierung dann mit Steuergeldern in Millionenhöhe modernisiert werden kann. Außerdem muss sich diese Toilette dann auch unbedingt in die historischen Sichtachsen einfügen und die Nähe zum Schlossensemble unterstreichen. Ich schlage also eine spätbarocke Farbgebung und die Anbringung von etwas Stuckverzierung mit Puttengarnierung vor, Man könnte dazu natürlich auch dazu einen städtebaulichen Wettbewerb ins Leben rufen und dazu einen Preis ausloben: der goldene Ahrensburger Donnerbalken.

  4. Peter Egan

    Ich bin nicht im historischen Arbeitskreis, aber im barocken Kontext des 18.Jahrhundert ist eine Toilette mit Wasserspülung unpassend. Die Römer hatten Gemeinschaftslatrinen mit Wasserspülung, aber diese zivilisatorische Meisterleistung, nicht nur in sensorischer sondern auch in gesundheitlicher und oft geschäftlicher Hinsicht, ging im Mittelalter verloren. Was schon lange vor der Entwicklung sozialer Netzwerke oder der Wahl Donald Trumps ein Beleg war, dass Zivilisationen sich nicht immer zum Guten entwickeln.
    Um auf den Bezug zur barocken Sichtachse zurückzukommen, wäre ein stationäres Klo unpassend. Für die Verrichtung der Notdurft wurden damals üblicherweise sichtgeschützte Rückzugsräume wie Büsche, Parks, Knicks aufgesucht. In Städten gab es zentrale Sickergruben mit Donnerbalken.
    Vielleicht sollten wir es mit den historischen Bezügen nicht übertreiben. Schließlich sind wir ein „aufstrebendes Mittelzentrum in der Metropolregion Hamburg“.

  5. Grünschnabel

    Was mich verwundert, das ist die Tatsache, dass die Grünen offenbar nicht auf eine naturgemäße Entsorgung bestehen, sondern 150.000 Euro für eine industrielle Lösung ausgeben wollen. Hier mal eine Anregung, wie eine Entsorgung auch auf herkömmlichem Wege möglich wäre. Und es würde auch historisch zur Ahrensburger Sichtachse besser passen als Hightech.

  6. J. P. Kirchhoff

    Der Stadtverordnete Schmidt will sich doch nur ein wenig bekannt machen vor der Kommunalwahl. Und darum nimmt er eben politische Entscheidungen vorweg. Und wundert sich dann hinterher, dass niemand ihn für seriös hält.

    1. Peter Egan

      Hallo Herr (?) Rüdiger
      ich habe ihre Ironie sehr gut verstanden und fand sie sogar ausbaubar. Es ist doch eine interessante Idee, wie man Parkplätze, Local Area Networks und Chemieklos in die barocke Stadtlandschaft einbettet.

  7. Frank B.

    Hallo Herr Egan,
    Sie müssen den Lesern von Szene-Ahrensburg die Welt nicht erklären. Das können die schon selber. Es ist Ihnen offenbar entgangen, dass in diesem Leserkommentar eine Kritik an der Ausgabenpolitik der Ahrensburger Stadtverordneten enthalten ist. Auch Sie haben einem so genannten Sanierungskonzept Innenstadt zugestimmt, bei dem über 70 Millionen Euro für z.T. fragwürdige Projekte ausgegeben werden sollen. Ich habe Rüdiger dahingehend verstanden, dass es dann auf ein weiteres unsinniges Projekt , bei dem ebenfalls Steuergelder in Millionenhöhe verschlissen werden, auch nicht mehr ankommt. Immer wenn die Verwaltung immense Geldausgaben rechtfertigen will, beruft sie sich auf die historischen Stadtachsen. Rüdiger hat sich einen Spaß erlaubt und genau das Gleiche getan, was Verwaltung und Stadtverordnete regelmäßig tun.

  8. Vespasian Kaiser

    Könnte man nicht irgendwo vier Wände mit breitem Zugang über einen Gullydeckel stellen? Oder sind Stadtverordnete dermaßen erigiert, dass sie nicht nach unten zielen können?

    Im übrigen könnte man Kosten sparen, indem man die Klobesucher auffordert, das Toilettenpapier doppelseitig zu benutzen. Das tut der grüne Herr Schmidt doch schließlich auch, um die Umwelt – sprich die Bäume – vor Hakle & Zewa zu schützen.

  9. Observator

    Christian Schmidt möchte wohl deshalb das WC in die Große Straße holen, weil sich hier doch sein Wahlkreis befindet, wo er im Mai 2018 zur Gemeindewahl antritt. Wie ich hörte, soll sein Wahllokal in eben diesem Stillen Örtchen sein, wo der Wähler dann entscheiden kann, was er mit seinem Wahlzettel macht. Sie erkennen: Ahrensburger Politik ist ein Scheißgeschäft. Schönes Wochenende trotz allem! 😉

  10. Christian Schmidt

    Sehr geehrte Forist*innen,

    Wenn man bedenkt, dass es zu dem WC mehrere Beschlüsse gibt, ist diese Diskussion sehr interessant.

    Im Dezember 2017 hat der Umweltausschuss beschlossen 150.000 € für dieses WC in den Haushalt einzustellen. Damals waren noch die Standorte Brüno-Böker-Haus (aufgrund eines Antrages der FDP) und Große Straße im Gespräch.

    Im Dezember 2017 hat die Stadtverordnetenversammlung den Haushalt beschlossen.

    Auf der Umweltausschusssitzung im Januar 2018 hat die FDP ihren Antrag zurück gezogen.

    Somit sind 150.000 € für ein WC in der Großen Straße beschlossen.

    Falls jemand Interesse hat dies nachzulesen:
    https://infonet.ahrensburg.de/sessionnetbi/info.asp

    Gruß
    Christian Schmidt

    1. Frau Behnemann

      Hallo Herr Schmidt!

      Können Sie bitte mal ganz genau erkläen, wo der Bürger die Stelle findet, wo die Stadtverordneten-Versammlung mit Mehrheit beschlossen hat, dass in der Großen Straße von Ahrensburg für 150.000 Euro ein neues Luxusklosett gebaut werden soll? Ich kann das anhand Ihrer Quellenangabe nicht finden genauso wenig, wie ich davon bei den Politiker-Statements auf ahrensburgTV gehört habe.

      1. Klodette Scheuermann

        Aber wenn der Boden im stillen Örtchen aus Marmor ist, die Becken aus Alabaster und die Wände gefliest werden mit klassischer Keramik, dann können ganz schnell 100.000 Euro zusammenkommen. Wenn dazu noch die Armaturen vergoldet sind und das WC-Becken mit vorgewärmter Arschdusche ausgestattet wird, dann sind 150.000 Euro nicht zu hoch kalkuliert. Und im Gegensatz zum ehemaligen Luxus-Klo ist dieser Preis geradezu ein Schnäppchen, zumal das WC-Becken auch breit und barrierefrei ist für ganz große Ärsche, die zu faul sind, in der Nacht zum Bahnhofsklo zu gehen. Und für 150.000 Euro Neupreis bekommt man gerade mal den billigsten Ferrari in der Grundausstattung.

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