Ahrensburg: Seid verschlungen, Millionen!

Endlich ist sie vorbei, die traurige Zeit der blauen Fähnchen, die da alljährlich unter der Beaufsichtigung durch den Bürgermeiser für hungernde Kinder in die Schlosswiese gesteckt werden. Denn: Kinder unterhalb der Armutsgrenze wird es in der Schlossstadt in Zukunft nicht mehr geben. Der Grund: Ein 76-Millionen-Regen wird auf Ahrensburg herniederprasseln, jawoll, meine lieben Mitbürger!

aus: Hamburger Abendblatt

Heute schreibt das 3. Buch Abendblatt, “wofür Ahrensburg 76 Millionen ausgeben will”. Und wenn der ahnungslose Bürger das wissen will und den Beitrag liest, dann erfährt er es dort gar nicht. Denn rechnet man alle angegebenen Posten zusammen, dann kommt man ungefähr auf die Hälfte der veranschlagten Summe. Woraus ich schließe: Der Rest ist für arme Kinder!

Oder sind die angeführten Kosten nur grobe Vorausschätzungen (siehe: Flughafen Berlin), die sich nach Baubeginn noch verdoppeln werden, zumal dazu auch noch die Kosten für freie Berater addiert werden müssen…? 😉

Aber genug mit bösem Scherz und leiser Ironie, denn dazu ist die Sache viel zu ernst! Hier soll nämlich etwas über die Bühne in Ahrensburg gehen, das nahezu an den Bürgern vorbeigeht, weil die den Komplex gar nicht mehr überblicken. (Ich übrigens auch nicht.) Ich erinnere mich nur noch, dass wir Bürger vor der letzten Bürgermeisterwahl an einer Wünsch-Dir-was-Aktion teilnehmen konnten ähnlich der vorhergegangenen Je-ka-mi-Aktion um den Rathausplatz, die als “Bürgerbeteiligung” umschrieben war. Und dann hat unsere tüchtige Verwaltung den Einwohnern einen gemeinsamen Spaziergang durch unsere Stadt angeboten. Eine Alibi-Aktion, bei der die Abteilung Stadtplanung die Projekte erläutert hat.

Wenn ich das alles so betrachte, dann stelle ich fest: Es handelt sich bei dem Vorhaben vorwiegend um die Um- und Neupflasterung von Straßen. Bei der Großen Straßen werden die Parkplätze, die wir braven Bürger gerade mal vor knapp zehn Jahren mit unserem Steuergeld bezahlt haben, diese Parkplätze werden wieder beseitigt. Ob die damals gefällten Bäume, denen auch der Naturschutz nicht helfen konnte, wieder angepflanzt werden, wage ich aus biologischen Gründen zu bezweifeln. Und wie die FDP schon im Vorwege befürchtet: Es wird kaum mehr Parkplätze zu ebener Erde geben.

So und weiter: Von den genannten 76 Millionen sind lediglich 640.000 Euro vorgesehen als Zuschüsse für die Eigentümer von denkmalgeschützten Häusern. Also Peanuts. Und für dringend benötigte günstige Wohnungen wie auch für die Sanierung von Sozialwohnungen ist kein Cent eingeplant.

Ein Corpus Delicti für unsinnige Planung: 6,9 Millionen Euro für “Straßenräume am Bahnhof und ZOB”. Wer sich dort auskennt, der weiß: Hier gibt es überhaupt keine “Straßenräume”, weil die Bebauung dort immer enger wird und der Lindenhof-Parkplatz weggefallen ist. Oder aber: Sollte es sich um eine verdeckte Bezuschussung eines möglichen Kinos am Bahnhof handeln…?

Ein Lichtblick: Wenigstens die Kita-Erweiterungen machen Sinn. Sie sind aufgrund des ungezügelten Wachstums der Stadt natürlich dringend erforderlich. Aber auch hier wird nur herumgekleckert, ohne dass übergeordnete Ziele erkennbar sind.

Sie sehen: Es gibt mehr Fragen als Antworten. Und wer immer noch glaubt, das Lesen einer Zeitung mache klüger, der sollte besser den “Playboy” lesen! Was dort gezeigt wird, ist zwar auch nicht alles ehrlich, aber die schönen Träume kosten den Leser nur den Kaufpreis des Magazins. 😉

Und ausgangs noch einmal zum Festhalten: Seit Jahrzehnten beschränkt sich die Planungdaktivität der Abteilung Stadtplanung auf die so genannte Stadtverschönerung. Diese beschränkt sich im Wesentlichen darauf, das Straßenpflaster aus- bzw. umzutauschen. Es mangelt an der Entwicklung eines Verkehrskonzepts, es fehlt eine übergreifende Innenstadtplanung verbunden mit der Frage: Wo sollen was für Gebäude  zu welchem Zweck entstehen?

In der Innenstadt steht ein Konglomerat unterschiedlichster Baustile, die nicht zusammenpassen. Die Rampengasse beispielsweise findet  in den Berichten zum Thema keinerlei Erwähnung. Anscheinend soll die hässlichste Straße von Ahrensburg so bleiben, wie sie ist, was angesichts des Gesamtaufwands geradezu als Skandal betrachtet werden darf.

Wie am Alten Markt ein Platz mit Aufenthaltsqualität entstehen soll, ist angesichts der Verkehrsdichte nicht nachvollziehbar. Das wäre dann die gleiche Fehlplanung wie in der Großen Straße Nord. Auf diesen Bänken habe ich noch nie jemanden sitzen gesehen. Und warum in der Nähe des Bahnhofs über 6 Millionen verpulvert werden sollen, ist überhaupt nicht nachvollziehbar. Außerdem: Denken Sie doch einmal an die vielen Behinderunge durch Baustellen in den kommenden Jahren! Glauben Sie wirklich, dass dieses neue “Ahrensburger Tunneltal” der Geschäftswelt von Ahrensburg förderlich sein wird?!

Der Bericht im Stormarn-Teil ist wieder einmal für Leute, die nur kursorisch lesen. Hier soll uns Lesern das Gefühl vermittelt werden: “Die tun doch was, die Verwaltung und die Stadtverordneten!” Bald ist Kommunalwahl, da  will man den Wählern schließlich was zum Anfassen bieten und seien das auch nur Potemkinsche Bauten. Die geplanten Tiefgaragen sind zwar gut und entstammen meiner Empfehlung, aber hier muss der Steuerzahler dafür löhnen, dass zugunsten der Investoren viele Parkplätze wegfielen. Die Crux:  Ein Tiefgaragenparkplatz kostet zwei- bis dreimal so viel wie das, was die Investoren auf dem Lindenhof an die Stadt für nicht gebaute Parkplätze bezahlt haben. Das zeigt wieder einmal nach dem Muster des berühmten Ahrensburger Luxus-Klos, wie man in der städtischen Verwaltung rechnen kann, nämlich gar nicht.

Postskriptum: Ceterum censeo Carthaginem Muschelläufer esse deledam!

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 24. Januar 2018

17 Gedanken zu „Ahrensburg: Seid verschlungen, Millionen!

  1. Ahrensbürgerin

    In der Großen Straße wurden vor 10 Jahren neue Parkplätze gepflastert. Jetzt werden sie wieder herausgerissen. Damals haben so gut wie alle Stadtverordneten zugestimmt. Jetzt stimmen die gleichen Parteienvertreter mit der größten Sebstverständlichkeit zu, dass diese Parkplätze wieder vernichtet werden. Mit diesem Geld könnte man wunderbar Sozialwohnungen bauen oder bedürftige Kinder unterstützen.

  2. Rüdiger

    Auch wenn die Stadtverordneten noch so viele Millionen für die “Stadtverschönerung” ausgeben, wird die Ahrensburger Innenstadt immer hässlicher. Das liegt an den zunehmend überdimensionierten Investorenbauten, die überhaupt nicht in eine Kleinstadt passen. Der Terrakottaklotz samt Rampengasse ist ein schlimmes Beispiel für Stadtzerstörung, und das neue überdimensionierte Lindenhofgebäude setzt hier noch eins drauf!

  3. Britta S.

    Wer eine schöne Innenstadt haben will, muss entweder schöne Gebäude bauen oder die vorhandenen Gebäude schöner machen. Weder das eine noch das andere ist hier geplant.

    1. Harald Dzubilla Artikelautor

      Und wenn es nicht beabsichtigt ist, die verrückte Rampengasse zu beseitigen genauso wie den Blaumann vom Rondeel, welches überdies einer Neu-Gestaltung bedarf, dann könnte man die Verwalter der staatlichen Millionen auch als Veruntreuer öffentlicher Gelder bezeichnen. Ich jedenfalls würde das tun.

      Was mir dabei immer wieder neu auffällt: Die örtlichen Politiker und Beamten erwecken immer den Eindruck beim Bürger, dass Gelder des Landes keine Steuermittel sondern Geschenke sind, die vom Himmel fallen wie die Sterntaler im gleichnamigen Märchen. In Wahrheit sind es auch keine Lottogewinne, sondern es ist das von den Menschen hart erarbeitete und bezahlte Steuergeld. Und damit haben die Damen und Herren sorgfältig umzugehen!

  4. Wolfgang König

    Ich habe mich beim Lesen dieses Artikels gefragt, wie man was in der Ahrensburger Innenstadt schöner machen kann. Bei einer alten, mehrmals gelifteten Oma mit zahlreichen Kunstfehlern hilft kein Bügeln und kein Jungbrunnen. Da hilft vielleicht die Abrissbirne. Ich bin gespannt, was uns die Verwaltung anbieten wird. Die Politik wird es sicher über viele Jahre zerreden. Das erinnert mich an den Krankenhaus-Nachbau. Die angeblich erhaltenwerte Fassade, die teuer abgestützt wurde, sieht aus, als wenn sie neu, auf alt getrimmt, hochgezogen worden wäre. Das erinnert mich an weitere Schildbürgereien wie die Nobeltoilette, die Rampen vor dem CCA, unpassende Fassaden, Bruchsteinpflaster von der Großen Straße bis hin zur Bahnhofstraße mit Nebenstraßen (könnte nun erneuerte werden), moderner Vorbau vor dem genkmalgeschützeten Marstall und vieles andere mehr. Die Planungen werden sicherlich wie in der Vergangenheit schleppend und verteuernd vorangehen. Nach vielen Debatten wird Positives verwässert und gar gestrichen. Eine “Verschönerung” des Aue- (Mühlenbach-) Tales ist auch im Sande verlaufen wie viele andere Gedankengänge auch. Die Nordtangente ist wie die Südumfahrung vergessen. Die Moorwanderbrücke wird auf mächtigen Pontons ruhen, statt preiswert die alte Konstruktion zu erneuern.
    Ich fürchte, dass verschlimmbessert wird, nur um das viele Geld auszugeben. Und viele Berater-Firmen werden sich goldene Nasen verdienen wie bisher. Uns stehen spannende Jahre bevor. Ob wir danach unsere Stadt noch wiedererkennen werden?
    Wolfgang König

  5. Frieda B.

    Hinzu kommt, dass hinterher die Anwohner von der Stadt noch zur Kasse gebeten werden, weil dann angeblich eine Wertsteigerung ihrer Häuser und Grundstücke eingetreten ist. Zudem stehen die Eigentümer ab jetzt ständig unter der Kontrolle der Verwaltung, weil die Stadt sich auf einmal berechtigt sieht, jeden Verkauf und fast jeden Mietvertrag zu kontrollieren. Es ist zu hoffen, dass die Eigentümer sich eine derartige Kontrolle nicht gefallen lassen und sich notfalls per Gerichtsentscheid gegen diese Bevormundung durch die Stadt zur Wehr setzen.

    1. Harald Dzubilla Artikelautor

      Hallo Frieda B. – die Lösung ist doch ganz einfach: Wir Bürger wählen im Frühjahr doch eine neue Stadtverordneten-Versammlung. Und dann wählen wir einfach neue Vertreter, sodass die Urteile der alten Damen und Herren dann vom neuen Parlament kurzerhand kassiert werden. Machen Sie mit…?

  6. Frieda B.

    Das wäre eine gute Idee. Nur muss man damit rechnen, dass die Generation der über 70- Jährigen wieder die besten Listenplätze okkupiert. Es gibt da so einige Herrschaften, die sich seit Jahrzehnten für unersetzlich halten, z.B. die Dame mit den rostigen Fahrrädern in der Innenstadt, die angeblich den auswärtigen Besuchern den Weg vom Bahnhof zum Schloss weisen sollen. Offensichtlich hat die Dame noch nie etwas von Google maps gehört.
    Das eigentliche Ziel der so genannten Stadterneuerung besteht laut ahrensburg24 übrigens darin, dass Besucher der Stadt Ahrensburg nach Abschluss der Verschönerungsarbeiten einen schöneren Weg vom Bahnhof zum Schloss haben als bisher. Das ist die absurdeste Begründung für die Verschwendung von vielen Millionen Euro, die ich je gehört habe. Und vermutlich werden so lange noch die ollen Rostlauben der bereits erwähnten Dame in der Innenstadt herumstehen.

  7. Paul

    Die Art, wie Verwaltung und Stadtverordnete mit Millionen um sich schmeißen, ist eine Beleidigung all der Menschen, die hart arbeiten und trotzdem am Ende des Monats mit einem Mindestlohn nach Hause kommen. Das sind gerade auch die Menschen, die sich in Ahrensburg angesichts steigender Mieten keine Wohnung mehr leisten können.

  8. Hildebrandt

    Die oberirdischen Parkplätze in der Großen Straße werden von gutsituierten Damen für ihre Einkäufe in der Innenstadt genutzt. Fallen diese weg, verlieren die Ahrensburger Geschäftsleute zahlungskräftige und kaufwillige Kundinnen welche niemals aus nachvollziehbaren Gründen in einer Tiefgarage parken würden. Vor Belästigungen in der Tiefgarage schützen auch keine Kameras. Sollten
    sich die Ahrensburger Geschäftsleute die Eliminierung der oberirdischen Parkplätze so gefallen lassen, dann ist denen auch nicht mehr zu helfen. Ich werde mir dann überlegen, ob es für mich überhaupt noch sinnvoll ist, mich hier für deren Interessen stark zu machen. – Ein weiteres Stück altes Ahrenburg soll abgerissen werden !!! Es ist das Haus wo einmal eine Weinhandlung in der Hagener Allee ansässig war.(steht jetzt leer) Ein weiterer Mieter des gelben Hauses ist ein Optiker. Es ist dieses gelbe Haus, davonstehend, rechts vom Taschengeschäft. Ein Investor soll angeblich schon Abriss- und höherstöckige Neubaugenehmigung haben. Hier wäre mal die Möglichkeit für die Ahrensburger Zivilgesellschaft, sich für den Erhalt des Ahrensburger Flairs einzusetzen.

  9. Frank B.

    Mit einem derartigen Abriss wäre das Sanierungsprogramm für die Innenstadt schon vom ersten Augenblick an Makulatur.

  10. Rüdiger

    @Herr Hilderandt: Laut Sanierungsprogramm sollte doch die alte Bausubstanz in der Innenstadt gehegt und gepflegt werden. Und jetzt droht bereits wieder ein Abriss. Die Versprechen der Verwaltung sind anscheinend kaum das Papier wert, auf das sie gedruckt sind.

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