Wollen Sie nur die halbe Wahrheit lesen oder die ganze…?

Politkern zueigen ist, dass sie gerne nur die halbe Wahrheit sagen. Und was die halbe Wahrheit ist, das wissen wir: Die halbe Wahrheit ist die ganze Unwahrheit. Und heute füllt der Stadtverordnete Jochen Proske im Werbeblatt MARKT die Kolumne „Politiker und Parteien haben das Wort“, wo er nur die halbe Wahrheit verkündet.

aus: MARKT

aus: MARKT

Auf den Punkt gebracht: Proske fragt mich und alle anderen Bürger, die Grundsteuern zahlen müssen, ob wir nicht gern 40 Euro mehr zahlen, wenn wir dafür „eine funktionierende Stadt haben“. Was allerdings der Aussage seiner Partei widerspricht, denn wie konnte die SPD bei der letzten Bürgermeisterwahl dem Kandidaten der SPD bescheinigen: „Gut gemacht!“, obwohl doch genau dieser Verwaltungschef dazu beigetragen hat, dass wir eben bis dato keine funktionierende Stadt haben und deshalb die Grundsteuern erhöht werden mussten?!

Und wer hat einen Teil der Klaus-Groth-Straße verschenkt, der zur Rampengasse geworden ist? Wer hat städtisches Geld in den Blaumann gesteckt? Und Hunderttausende im Luxus-Klo vor dem Rathaus versenkt…? Richtig: Ex-Bürgermeisterin Ursula Pepper (SPD). Und wer hat die Rathausstraße mit teuren Granitplatten neu belegen lassen, was so unnötig gewesen ist wie ein Blinddarm? Und wer hat das Areal am Beimoorweg zum Spottpreis verscherbelt, statt es selber zu vermarkten? Und wer hat den Erlenhof nicht zurückgekauft und für die Stadt gewinnbringend  vermarktet? Und…und…und…? Genau: Michael Sarach, der „Gut-gemacht!“-Bürgermeister, für den Ahrensburg schon beim Amtsantritt eine stattliche Alterspension aufwenden musste, wofür letztendlich auch die Grundsteuern erhöht werden mussten. Und statt dass der Bürgermeister dafür gesorgt hat, dass sich neues, attraktives Gewerbe in Ahrensburg angesiedelt hat und zusätzliche Gewerbesteuern zahlt, sind stattdessen gute Gewerbesteuerzahler abgewandert.

Kurz gesagt: Grundsteuern erhöhen kann jeder Depp, das könnte sogar ich, hätte man mich zum Meister der Bürger gewählt. 😉

Und was geschieht nun mit den besagten 40 Euro? Davon wird der Alte Speicher bezahlt, der jetzt auch noch für Millionen saniert werden muss. Und von den 40 Euro wird auch eine leitende Mitarbeiterin im Rathaus seit Jahren fürs Nichtstun bezahlt samt Bürokosten und sozialer Leistungen, nämlich die ehemalige Bauamtsleiterin. (Zwischenfrage: Wann füllt Herr Proske mal mit diesem Thema seine Kolumne, denn das würde die Bürger weitaus mehr interessieren!) Und eine andere Rathaus-Insassin wird bezahlt für das Erstellen eines Newsletters, der so nützlich ist wie ein Hundehaufen auf dem Rathausplatz. Und warum liefern die Stadtwerke ihren Gewinn nicht in die Stadtkasse ab sondern verschleudern das Geld für nichtsnutzige Werbung, ohne dass der Bürgermeister jemals Einhalt geboten hat? Und das Highlight: Ein Großteil der 40 Euro fließt in die Kassen freier Berater der städtischen Verwaltung, was Herr Proske auch nicht in seiner Kolumne erwähnt hat.

Meine Empfehlung: Die 40 Euro sollten für die Vergütung unserer Stadtverordneten eingesetzt werden. Damit sich dort endlich mal Leute einfinden, die kein Parteibuch haben, sondern einfach nur Sachverstand und Unabhängigkeit.

Postskriptum: Natürlich weiß ich, dass ich hier mit dem Schwert statt mit dem Florett fechte. Aber es fällt mir nun mal schwer, die Wahrheit bloß hinter vorgehaltener Hand zu äußern.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 28. September 2016

12 Gedanken zu „Wollen Sie nur die halbe Wahrheit lesen oder die ganze…?

  1. Frieda B.

    Hallo Herr Dzubilla,
    Sie können davon ausgehen, dass sämtliche SPD-Stadtverordnete und auch der SPD-Bürgermeister alles, was in diesem Blog geschrieben wird, genauestens lesen. Wenn die Herrschaften Ihnen aber öffentlich antworten würden, müssten sie zugeben, dass sie Szene-Ahrensburg regelmäßig studieren. Es ist bei der SPD ungeschriebenes Gesetz, so zu tun, als ob sie Szene-Ahrensburg nicht kennen würden.

    So, wie Herr Proske schreibt, kann man nur schreiben, wenn man die Ursachen der Ahrensburger Finanzprobleme komplett ausblendet. Herr Proskes Stellungnahme im Markt ist reiner Populismus, genau wie die gegenteilige Position der CDU zu diesem Thema.

    1. Harald Dzubilla Artikelautor

      Liebe Frieda B. – ich denke mal, der Herr „Gut-gemacht!“-Sarach liest Szene Ahrensburg nicht, sondern er lässt lesen. Von Thomas Reich, dem Advokaten der Stadt. Und ich meine nicht nur die Politiker, die hier antworten könnten, sondern ich meine die Leser des Blogs: Hunderte schalten sich hier täglich ein, aber Widerspruch kommt so gut wie gar nicht. Nur von einem Spinner, ein Troll, der hier gelegentlich auftaucht und mich beschimpft, weil ich seinen Quatsch nicht mehr freischalte.

      Ach ja, und noch was: Die Parteienvertreter vertreten primär ihre Parteien, wie der Name schon sagt. Wir Bürger kommen erst an zweiter Stelle. Oder an dritter. Oder gar nicht…

  2. Fritz aus Ahrensburg

    Statt die Probleme der Stadt an der Wurzel zu packen, führen die Politiker jedes Jahr den immer gleichen Eiertanz um Steuererhöhungn – oder Steuersenkungen auf. Mir hängen diese Scheindebatten zum Hals heraus.

  3. Kassandra

    40 Euro, damit wir wieder eine funktionsfähige Stadt haben, Herr Proske? Meinen Sie damit, dass Sarach mit dem Geld abgefunden werden soll…? Ich wäre dabei!

  4. Frieda B.

    Hallo Herr Dzubilla,
    da bin ich anderer Meinung als Sie. Sowohl der“ gut-gemacht“ Bürgermeister als auch sein
    “ furchtbarer Jurist“ lesen Szene-Ahrensburg genauestens. Denn aufgrund der in Szene-Ahrensburg besprochenen Themen wird im Rathaus ausgehandelt, wie man die übrige Presse dahingehend manipulieren kann, dass die Mehrheit der Bevölkerung über die Versäumnisse des Verwaltungschefs und seiner obersten Speerspitze nichts Genaueres erfährt.

  5. chessy

    Immer wieder gern zitiert:

    „Der Staatshaushalt muss ausgeglichen sein. Die öffentlichen Schulden müssen verringert werden. Die Arroganz der Behörden muss gemäßigt und kontrolliert werden. Die Zahlungen an ausländische Regierungen müssen reduziert werden, wenn der Staat nicht Bankrott gehen will.“
    Marcus Tullius Cicero
    Durch eine geplante Reform der Grundsteuer werden die 40 € nur die Spitze des Eisberges sein. Hier werden die Sozialen Demokraten ihrem Klientel noch kräftiger in die Tasche greifen, denn diese Kosten trägt letztlich der Mieter. Nicht die Einnahmen sind das Problem, es sind die Ausgaben, die von Politik und Verwaltung nicht mehr unter Kontrolle sind. Aber in Ahrensburg scheinen es ja sogar die Einnahmen (Erlenhof, Rampengasse, Beimmoorgelände usw.) zu sein, die egal sind. Klappt´s bei den großen Deals nicht, muß der „kleine“ Bürger ran. Und der wählt dann zum Dank unseren „Michi – Gut gemacht“!!

  6. H.J. Lange

    Hallo Herr Dzubilla,

    Sie fordern offen den Widerspruch gegen Ihre Thesen heraus.
    Ich versuche es mal:

    Einerseits preisen Sie gelegentlich die Stadtverordneten, die gegen ein karges Sitzungsgeld ihre kostbare Freizeit opfern, um nach bestem Wissen und Gewissen zu versuchen, den Willen ihrer Wähler umzusetzen, nämlich das einzig Richtige zu tun. Toll.

    Andererseits beschreiben Sie in Ihrem obigen Artikel einige konkrete Ergebnis-Symptome der modernen Demokratie.
    Frage: Was ist das ?
    Antwort:
    Nur ein Teil der Einwohner ist wahlberechtigt.
    Nur die Hälfte davon geht noch an die Wahlurnen.
    Nur diese Gruppe hat die Wahl zwischen Kandidaten, die die wahlwilligen Wähler und Wählerinnen nicht selbst aussuchen dürfen und auch nicht wegwählen können. Es zeigt sich die Demokratie der Parteien.

    Wollen später die Wähler den dann gewählten Stadtverordneten zeigen, dass deren Tun objektiv unzureichend bis falsch ist, können die Bürger nur noch ohnmächtig drohen, bei der nächsten Wahl anders zu wählen – oder gar nicht mehr zu wählen.
    Folge:
    In den fremd und selbst gesteuerten Medien können Stadtverordnete nach der Wahl schreiben was sie wollen und zwar frei von konstruktiver Kreativität, Hoffnung und breit verständlicher Vernunft.
    Bereits der Titel des SPD-Stadtverordneten Proske: „40 Euro für eine funktionierende Stadt“ treibt die „lieben Leserinnen und Leser“ in die Arme der in den Medien so beschimpften „Rechtspopulisten“.
    Das SPD-Wahlplakat „gut gemacht“ Herr SPD-Bürgermeister, war nur noch vorsätzliche Verdummung durch Dumme – fern jeder Realität.

    Lesehinweis: HA von heute / Leserbrief Seite 2: „Demokratie sieht anders aus“.

    Nachtrag: Die Zukunft der weltlichen Demokratie zeigt bereits heute die kirchliche Demokratie, nämlich weit weg vom Kirchenvolk, von dem sich die abgehobene Administration bezahlen lässt.
    So lässt sich die zur Zeit in Travemünde tagende ev.-luth. „Synode“ seit einigen Jahren in den Medien gerne als „Parlament“ bezeichnen, obwohl dort vom Kirchenvolk gewählte Parlamentarier eher zufällig sitzen.
    HJL

    1. "Ahrensbürger"

      1. In einem muss man Herrn Proske zustimmen: Die Liste der Aufschübe und Versäumnisse ist lang!! Bleibt nur die Frage: Schließt er die Fraktion der SPD mit ein?
      2. Schwarz-Grün verkauft öffentliche Parkplätze in der Innenstadt!? Welche Farbzusammenstellung hat denn die städtischen Grundstücke im Erlenhof verkauft?

    2. H.J. Lange

      Nachtrag zur schillernden Frage, wie man in ein Parlament gelangt:
      Nicht die Parteien und schon gar nicht die Wähler und Wählerinnen entscheiden, wer in die Parlamente kommt, sondern es „entscheiden die Männer“.
      Quelle: HA v. 30.9.16 S. 12 Bildunterschrift: „Ob die als kompetent geltende Karin Prien für den Bundestag kandidieren darf, entscheiden die Männer“.
      Frau Prienn ist CDU-Mitglied in Hamburg.
      HJL

  7. Hans Wurst

    Warum so bescheiden, Herr Proske? Warum nicht 1000€ Erhöhung der Grundsteuer?
    Ahrensburg würde eine bessere Stadt sein, wenn der gut-gemacht-Bürgermeister kooperativ sprechen würde mit den ehrenamtlichen Feierabend-Politiker der Parteien, die nicht das Parteibuch der Genossen bei sich tragen.

  8. Hans Wurst

    Eine funktionierende Stadt wollen vermutlich alle Ahrensburger. Aber wir brauchen keine solche Option wie sie kleinen Kindern zur Wahl gestellt wird. Danke, Herr Proske, für die Einschätzung der Ahrensburger Bürger.

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