Wo der „Gänsepapa“ seinen Kindern an den Kragen geht

Vegetarier vermehren sich zusehends, und Veganer sind mehr und mehr auf dem Vormarsch. Um das zu beschleunigen, läuft zur Zeit eine Kampagne, wonach Fleisch, das zu Wurst und Schinken verarbeitet wurde, ein erhöhtes Risiko für Krebs darstellt, wohingegen Krebsfleisch für den menschlichen Verzehr noch unbedenklich ist genauso wie das Fleisch von Gänsen.

aus: Hamburger Abendlblatt online

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Heute bringt die Stormarn-Beilage einen großen Beitrag, der uns den Appetit auf Gänsebraten vermiesen wird. Wobei Schreiberin Julia Sextl einen freiwilligen Verzicht nicht wortwörtlich fordert, sondern Sie macht es unterschwellig. Indem sie nämlich die Gänse quasi vermenschlicht und den Verkäufer als  lieben „Gänsepapa“ beschreibt, der am Ende seine Kinder schlachtet. Das erinnert zwar an die Brüder Grimm, aber es ist gar kein Märchen.

 „Knapp 400 Gänse leben auf Gut Wulfdorf – noch“, überschreibt Julia Sextl ihren Beitrag, wo wir erfahren: „In Wulfsdorf leben die Gänse rund 40 Wochen. Sie wachsen langsamer und laufen mehr herum“. So lesen wir und freuen uns über die Tierliebe des Gänsehalters. Doch die angedeutete Fürsorge ist nicht selbstlos, denn: Das ergibt „ein kräftigeres Muskelfleisch und weniger Fett“, erfahren wir noch im selben Satz.

Ich zitiere ein paar Sätze aus dem Betrag von der Gänseliesel Julia und also lautend:

Knapp 400 Gänse kommentieren lauthals alle Bewegungen am Zaun. Einige schlagen zur Bekräftigung mit den Flügeln. Andere beenden ihr Bad in der Wasserwanne und gesellen sich zu den Kameraden. Schnatternd, natürlich.

Tirloi ist so eine Art Gänsepapa auf Gut Wulfsdorf. Der 33-Jährige ist Angestellter des landwirschaftlichen Betriebes und für die Versorgung der Gänse zuständig – bis kurz vor Weihnachten. Denn dann geht es den Tieren an den Kragen. Fünf Tage später liegen sie als Weihnachtsbraten auf den Tellern der Stormarner. Dafür wurden sie geboren, dafür wurden sie rund 40 Wochen lang aufgezogen. Erzeugt, nennt man das in der Landwirtschaftssprache. Und doch hätten die Tiere hier ein gutes Leben, sagt Tirloi.

17 Tage sind die Gänse alt, wenn sie im Frühjahr als kleine, gelbe Küken auf den Gutshof ziehen. In den Rinderstall, denn dort ist es schön warm. „Am Anfang sind die Tiere sehr empfindlich gegen Kälte und Infektionen“, sagt Tirloi. „Und nachts im Dunkeln haben sie Angst.“ Deshalb brennt immer ein kleines Lämpchen im Stall. So können die Tiere beruhigt einschlafen.

„Von den Vögeln sind Gänse eigentlich die schlauesten. Wenn sie etwas entdeckt haben, das sie für gut befinden, schnattern sie so laut, bis die anderen nachkommen.“

Gänse sind empfindliche Tiere, sie mögen keinen Stress.

Knapp sieben Wochen dürfen die Tiere noch grasen und schnattern – dann naht das Ende. Bauer Georg Lutz: „Das Harte ist, dass wir sie immer kurz vor Weihnachten schlachten müssen. Da fragt man sich dann immer, muss das eigentlich sein?“, so Lutz. Warum er sie trotzdem hält? „Zum einen gibt es da natürlich die Nachfrage der Kunden nach Gänsen. Und zum anderen machen Gänse einfach gute Laune. Die machen viel Radau und sorgen dadurch für viel Freude auf dem Hof.“

Ja, und mit diesem satirischen Text lässt sich auch die Moritat zum Gänsebraten singen, wenn die Familie um den Tisch herum sitzt und Vater die Geflügelschere zur Hand nimmt. Dann schnattern alle vor Vergnügen – bis auf die Gans, die jetzt keine Angst mehr haben muss vor dem Dunkel, denn das Lebenslicht ist für sie zur Weihnacht erloschen.

Happy Halloween, liebe Julia Sextl! Wenn Sie heute Abend an meiner Haustür klingeln, bekommen Sie Süßes oder Saures.

Passend dazu in den „Kinder-Nachrichten“ der Stormarn-Beilage:

aus: Hamburger Abendblatt online

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Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 31. Oktober 2015

Ein Gedanke zu „Wo der „Gänsepapa“ seinen Kindern an den Kragen geht

  1. Der Maulwurf unter dem Rathausfundament

    Ihr da oben,
    anhand der 17 „Antworten“ zum Thema Makler und Bodenrichtwerte (am 30.10.15) könnt ihr den Stellenwert des Bodens ablesen, in dem ich gratis lebe.
    Die schnatternden Gänse oben auf dem Boden kommentiert dagegen kein Schwein.
    Gänse und Schweine werden von euch Menschen lieber gefressen.

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