Warum war die Wahlbeteiligung in Ahrensburg so gering?

Nur knapp 40 Prozent der Einwohner von Ahrensburg haben es für nötig gehalten, bei der Bürgermeister-Wahl ihre Stimme abzugeben. Und man fragt sich: Warum diese geringe Beteiligung an einer für die Stadt doch so wichtigen Entscheidung…?

Wahlurne KopieAls Beobachter der Szene von Ahrensburg weiß ich: Den meisten der Bürger geht das, was in Rathaus und Politik passiert, gänzlich am Arsch vorbei. Und ein Großteil dieser Ignoranten  glaubt allen Ernstes: Die Stadt Ahrensburg wird regiert vom Stadtforum. Und die wichtigen Versammlungen sind für diese Bürger nicht die Meetings der Stadtverordneten im Marstall, sondern die vom Stadtforum in der Großen Straße: Stadtfest, Weinfest, Oktoberfest. Da gehen sie zahlreich hin, die Bürger, und glauben, dass sie mit dem Heben der Gläser ihrer demokratischen Pflicht nachgekommen sind. Und wer hat all diese Feste eröffnet? Conring? Oder Hansen?

Ich werde und wurde oft gefragt, warum ich mein Blog Szene Ahrensburg betreibe. Ich antworte: Weil es in der Kommunikation unserer Stadt keine kritischen Stimmen gibt und die Berichterstattung hier wie dort ziemlich einseitig erfolgt. Und weil ich gehofft hatte, ein größeres Wir-Gefühl in Ahrensburg zu erzeugen, was meint, dass viel mehr Kommentare kommen und große Diskussionen über die Themen unserer Stadt passieren. Leider ist es bei den meisten Lesern ähnlich wie bei den Wählern: Sie verhalten sich passiv. Und wenig Politiker und kein Verwalter gehen mit gutem Beispiel voran und diskutieren in Kommentaren mit den Bürgern.

Das aber ist noch nicht alles, denn ich bin auch der Überzeugung: Die drei Bürgermeister-Kandidaten haben selber für eine niedrige Wahlbeteiligung gesorgt. Denn: Einen WahlKAMPF hat es in Ahrensburg nicht gegeben. In den meisten wichtigen Punkten herrschte Einigkeit unter den Kandidaten. Die Herausforderer haben es nicht verstanden, den Bürgern zu erklären, warum Sarach abdanken muss. Und der hat alles getan, um Harmonie und Einigkeit mit seinen Kontrahenten zu heucheln, damit der Bürger erkennen soll: „Ist doch Jacke wie Hose, wer im Rathaus den Häuptling macht – da müssen wir uns doch gar nicht drum kümmern!“

Ein Wahlkampf, liebe Mitbürger, ist wie ein Boxkampf um die Meisterschaft: Da ist der Inhaber des Meistergürtels auf der einen und  die Herausforderer auf der anderen Seite des Rings. Und wenn die Herausforderer nicht angreifen und versuchen, den Meister mit schlagenden Argumenten möglichst zu Boden zu schicken, dann wird der auch nach der Wahl noch im Amt stehen. Zumal SPD-Kandidaten in Ahrensburg durch die eigene Partei, deren Fortsetzung, die AWO, sowie durch den Bürgerverein sozialdemokratisch ziemlich vernetzt sind. Dort guckt man nicht auf die Leistungen des Bürgermeisters sondern nur stur auf sein Parteibuch. Schlimmer noch: Der Vorsitzende der Ahrensburger AWO, Jürgen Eckert, sitzt gleichzeitig als SPD-Mitglied in der Stadtverordneten-Versammlung.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 28. September 2015

12 Gedanken zu „Warum war die Wahlbeteiligung in Ahrensburg so gering?

  1. Wolfgang König

    Hallo, Herr Dzubilla,
    gut gebrüllt, Löwe. Ich war auf keiner Wahlveranstaltung, weil ich schon ahnte, dass sich alle drei Kandidaten auf Kuschelniveau bewegen. Mit Vorwürfen gegen die Verwaltung und Herrn Sarach konnte man als Insider auch sich selber treffen. Möglicherweise gab es außenstehende Interessenten, die vor der Ahrensburger Situation panikartig gekniffen haben.
    Heute habe ich nach meiner Welt am Sonntag die letzten Vorlagen und Protokolle gelesen. Es waren wenig. Es war ja auch Sommerpause. Im Normalfall wird zwischen Verwaltung und Politik so viel Papier produziert, dass ein Fraktionsvorsitzender mindestens 16 Stunden am Tag lesen und nachfragen muss, um verantwortungsvoll zu wissen, was so in Ahrenburg geschieht. Und der Bürgermeister muss das auch alles lesen, bevor er unterschreibt. Da war dann auch der dicke Jahresabschluss 2012 in meinem Fach. Ich schätze einmal, dass da 200 Arbeitsstunden im Rathaus und 100.000 Euro für den Fachberater in Bremen drin stecken.
    Das dicke Ding ist öffentlich: Fazit zu den Beanstandungen: „Diese Beanstandungen waren bereits Bestandteil des „Schlussberichtes über die Prüfung der Eröffnungsbilanz zum 1. Januar 2009“ sowie der „Schlussberichte über die Prüfung der Jahresabschlüsse 2009 und2011″.
    Ein Punkt lautet:“ Wir widerholen unsere kritische Anmerkung,dass die Verwaltung für die Erstellung der doppischen Jahresabschlüssein erheblichem Umfang externer Unterstützung bedurfte und dass es ein Schwerpunkt bei der Auftragserteilung sein sollte, die städtischen Mitarbeiter dahin zu qualifizieren, die Abschlussarbeiten eigenständig erbringen zu können. Dieser Ansatz (von 2009, Anmerkung des Schreiberlings) wurde -obwohl vertraglich vereinbart- nicht konsequent verfolgt. Ein Großteil der zur Prüfung des Jahresabschlusses 2012 vorgelegten Unterlagen wurde durch Externe erstellt.“ Das wurde am 09. September vom Ahrensburger Rechnungsprüfungsamt unterschrieben.
    Weiter: „in der Regel …alle drei Jahre drei Jahre eine körperliche Bestandsaufnahme durchzuführen“ ist. Hier besteht weiterhin Handlungsbedarf.
    Konnte sich Frau Pepper schon nicht durchsetzen, ist das Herrn Sarach in den letzten fünf Jahren ebenfalls nicht gelungen. Lag das an deren Linkslastigkeit? Bei allen Vorlagen mit größerem Inhalt gibt es endlosen Debatten, die sich über Jahre hinziehen und viel Geld kosten.
    Wer glaubt, dass Herr Conring als Neuling an dieser Situation etwas ändern kann, was dem verwaltungserfahrenen Sarach über fünf Jahre nicht gelungen ist? Da muss er schon kommandierender Oberst bei der Bundeswehr gewesen sein, um sich in unserem Rathaus durchzusetzen. Da muss er zu harten Disziplinarmaßnahmen greifen, um sich durchzusetzen -so wie Frau Anders. Das wird teuer und führt zu keinem Erfolg für die Stadt, wie wir beim schweigsamen Fall Andres sehen können.
    Unser Moorwanderweg liegt mir am Herzen. Wegen fehlender Fachkenntnis und fehlendem Interesse sind sinnlose und teure Gutachten eingeholt worden, statt sich mit Naturschutz und den Archäologen abzusprechen (Betonstelzen tief im Untergrund des Naturschutzgebietes eingespült, durch schwere Baumaschinen durchpflügtes Tunneltal). Endlos dauern die Debatten. Ich schätze einmal, das 90 % der Stadtverordneten die Schwimmbrücke gar nicht kennen. Alle streben die teuerste Lösung an.
    Die S-4-Brücke als Ersatz für den Braunen Hirsch wird wohl hässlich unmittelbar neben der Straße entstehen. Unsere Verwaltung und unsere Politik agieren an unserer Zukunft vorbei!!!!! Ich habe mir die „Ausgrabungen“ vor Ort angesehen. Da ist nichts zu sehen. Offenbar soll die neue Trasse mit breiten Aufschüttungen unmittelbar durch den Sumpf des Naturschutzgebietes Tunneltal führen. Ist dort Grund und Boden kostenfrei zu erhalten? Müssen die Privatflächen auf der Westseite der vorhandenen Trasse teuer erworben werden? Deshalb wird wohl nicht auf der Westseite der vorhandenen Trasse probegebohrt.
    Das hochgehaltene Knochenfragment und das Flintsteinstück sind wohl kaum eine Sensation. Das ist ein Witz. Bohrungen dienen nur zur Sondierung. Sie zerstören viel. Rust hat noch ersten Sondierungsbohrungen auch sieben Meter tief gegraben mit aufwendiger Wasserhaltung. Und er hat voll erhaltene Artefakte erhalten. Ohne großflächige und tiefe Grabungen können unsere Archäologen vergessen, auf einen „Eizeit-Ötzi“ zu stoßen. Vielleich bohren sie ihm den Schädel an.
    Der Bericht der Stormarn-Ausgabe „Der Sensationsfund vom Tunneltal“ ist ein Fake.
    Rust hat weitaus sensationellere Funde gemacht. Er ist noch immer weltweit als Experte bekannt. So wird der Bürger veralbert.
    Man wird interesselos, wenn man diesen ganzen Quatsch verfolgt. Man kann nichts ändern gegen Presse, verwaltung und Politik. Warum dann zu einer Wahl gehen?
    Aber trotzdem raffe ich mich am 11.10. auf, streiche Termine und gehe zur Wahl. Conring, wohl wieder an erster Stelle, ist mir jedenfalls angenehmer als Sarach. Wenn, dann gehen wir halt in zwei Jahren zur nächsten Bürgermeisterwahl. Kann man öffentliche Ausschreibungen dieses Amtes verbieten? Und Sarach soll zusehen, dass seine Wahlplakate vor den Wahllokelen verschwinden.
    Mit sauren Grüßen
    Wolfgang König

  2. Thomas H.

    Mir ist beinahe die Luft weggeblieben, als ich anlässlich der ersten Diskussionsrunde eine Äußerung von Jörg Hansen in der Stormarnbeilage las : „Der richtige/ideale Bürgermeister wäre eine Mischung von uns drei (Kandiaten) „. Damit hat Jörg Hansen sich selbst die Grundlage für einen größeren Erfolg bei seiner Kandidatur entzogen. Zudem ist dies ein Signal an die Wähler, dass es eigentlich egal ist, wer in Ahrensburg Bürgermeister wird.
    Das Gleiche ist noch einmal nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses passiert. Jörg Hansen schätzt laut ahrensburg24.de sowohl Conring als auch Sarach als honorige Kandiaten ein. Auch hier stellt sich wieder die Frage: Warum hat Jörg Hansen eigentlich kandidiert, wenn er an dem Amtsinhaber auf einmal gar nichts mehr auzusetzen hat? Warum sollen die Wähler nochmals zur Wahl gehen, wenn es sogar dem Kandidaten der Grünen egal sein sollte, was im zweiten Wahlgang herauskommt? Ich finde, dass derartige Signale eine verheerende Wirkung entfalten können, und ich hoffe sehr , dass Jörg Hansen diese Position noch einmal korrigiert.

    Beste Grüße
    Thomas H.

    1. Martens

      Wenn Sie mich fragen: Ich hatte während des ganzen Wahlkampfes den Eindruck, dass Herr Hansen noch nicht so ganz erwachsen ist. Ein großer Junge, der auch noch etwas grün hinter seinen Ohren ist. So wie er aufgetreten ist, hat er bewiesen, dass er das Zeug zum Bürgermeister noch lange nicht hat. Witzig auch: Kurz vor der Wahl signalisierte er im Abendblatt, dass es seiner Meinung nach zu einer Stichwahl zwischen Sarach und Conring kommen wird.

    2. Sabine Heinrich

      Ich verweise auf den exakten Wortlaut „seriös und integer“. Beide Kandidaten. Ich verstehe Herrn Hansen nicht.
      Hat er denn nun wirklich nichts von der Amtsführung von Herrn Sarach in all den Jahren mitbekommen, verschließt er nur seine Augen oder meint er den rein privaten Eindruck, den er von beiden Kandidaten hat? Privates und das Auftreten als Politiker sind aber streng voneinander zu trennen!
      Der „Kuschelkurs“, den die beiden Gegenkandidaten von Herrn Sarach bisher gefahren sind, hat Herrn Conring und Herrn Hansen eher geschadet als genutzt – das ist meine Überzeugung.
      Bei einem Wahlkampf – und daher heißt er ja auch so – können / sollen ruhig einmal die Fetzen fliegen – dann ist eine derartige Wahl auch für die Bürger interessanter. Wenn alle nur miteinander kuscheln, dann ist die Wahl – wie auch schon Kommentatoren vor mir geschrieben haben – für die Bürger belanglos – ganz gleich, ob die Sonne vom Himmel strahlt oder eine Regenwand auf die Ahrensburger niedergeht! 😉

  3. Lonny

    Lieber Herr Dzubilla!
    Sie erwarten doch nicht wirklich von den Bürgerinnen und Bürgern, dass sie die Wahllokale stürmen…oder? Zumal das Wochenende mit sooo schönem Wetter es uns doch lieber in die Natur getrieben hat! Auch ich habe es vorgezogen am Wochenende an die Ostsee zu fahren! Blauer Himmel, Sonnenschein! Herrlich! Soll ich mir durch die Bürgermeisterwahl etwas das Wochenende vermiesen lassen…NEIN!!! Warum auch?

    Wenn ich wählen möchte, ohne am Sonntag in Ahrensburg sein zu müssen, dann geht es doch ganz einfach….BRIEFWAHL!!! Stimme abgeben und ab ins Wochenende. Wo ist das Problem? Ich empfand es als sehr unkompliziert! Mit der Bürgermeisterwahl scheint es sehr ähnlich zu sein wie z.B. Weihnachten oder Geburtstagen…PLÖTZLICH ist der Tag einfach da…so ganz ohne Voranmeldung! So etwas aber auch…Huch und nun???
    Wer keine Lust hat ins Wahllokal zu laufen, der sollte sich wenigsten die 5 Minuten Zeit nehmen und per Briefwahl seine Stimme abgeben!

    Herzliche Grüße! Lonny

  4. Frieda B.

    Mir fiel bereits bei der Wahlveranstaltung im Kirchsaal Hagen auf, dass Herr Hansen mehrfach Christian Conring direkt als Vertreter der CDU angriff, als sei Conring für alle Fehler der CDU verantwortlich. Beim Amtsinhaber war er weitaus zurückhaltender. Der Amtsinhaber wurde nicht für die Fehler der SPD gerügt.
    Statt dieses kleinlichen Parteienhickhacks müsste doch die Frage lauten: Was hat ein Bewerber bisher Sinnvolles für die Stadt geleistet? Und in diesem Fall müssten auch die Grünen eingestehen, dass Herr Conring in seiner Funktion als Vorsitzender des Finanzausschusses gute Arbeit geleistet hat, während der Bürgermeister in den vergangenen Jahren nichts auf die Beine gestellt hat und der Stadt eher Schaden zugefügt hat. Warum wird das Alles von den Grünen nicht thematisiert? Wenn die Grünen sich weiter so verhalten, müssen sie sich später den Vorwurf gefallen lassen, als Steigbügelhalter für die Wiederwahl von Sarach gedient zu haben.
    Frieda

  5. Peter Kahlert

    So so, der Bürgerverein ist sozialdemokratisch vernetzt.
    Wo haben Sie denn diese exklusive Meinung her.
    Diese Erkenntnis ist auch für uns völlig neu – gut dass wir das erfahren, denn die meisten Ahrensburger sehen uns mehr in der Nähe der Christdemokraten.
    Hat doch das eine Mitglied (mit sozialdemokratischem Parteibuch) uns so infiltriert, dass 7 christdemokratische, 3 WAB und 410 „In-keiner-Partei“-Vereinsmitglieder dagegen machtlos sind.
    Oder aber: Muss der Ahrensburger Bürgerverein jetzt dafür herhalten, dass Sie mit dem Ausgang der 1. Wahl nicht zufrieden sind?
    Wir bemühen uns, alle Parteien neutral zu behandeln, so wie das unsere Satzung auch vorschreibt!
    Übrigens: Vor gut 20 Jahren wurde in der Stadtverwaltung darüber abgestimmt, ob der Bürgerverein die Bagatelle kaufen kann: Die SPD stimmte als einzige Partei gegen den Kauf.
    Wie kommen Sie darauf, dass wir sozialdemokratisch vernetzt sind?
    PETER KAHLERT
    Ahrensburger Bürgerverein

    1. Harald Dzubilla Artikelautor

      Lieber Herr Kahlert – das war ein Test, um zu überprüfen, ob der Bürgerverein hier noch mitliest. 😉 Sie müssen aber mal was gegen Ihr Image tun, denn man munkelt in der Stadt, dass die Mitglieder vom Bürgerverein „linkslastig“ sind. Wenn dem nicht so ist, dann revidiere ich meine Meinung gern! Freundliche Grüße! Harald Dzubilla

      1. Sabine Heinrich

        Ich habe durch zahlreiche Gespräche den ganz starken, dominierenden Eindruck gewonnen, dass viele Mitglieder des Bürgervereins aus unterschiedlichen Gründen stocksauer auf Herrn Sarach sind – vor allem auch wegen dessen „Unterstützung“, den vorweihnachtlichen Stand am Rondeel betreffend. Inwieweit das tolle ehrenamtliche Engagement des Bürgervereins (dessen Mitglied ich nicht bin) für das ehemals baufällige Haus an der Bagatelle sowie die zahlreichen Aktivitäten je von Vertretern der Stadt oder dem jetzigen Bürgermeister und seiner Vorgängerin Frau Pepper gewürdigt und unterstützt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.

  6. Kassandra

    Würde das Stadtforum Götz Westphal zum Bürgermeister-Kandidaten nominieren und der uns ein zweites Stadtfest im Winter versprechen würde – ich bin sicher: Westphal würde zum BM gewählt werden mit 60% der Stimmen!

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