Der Landrat möchte, dass die Bürger von Stormarn drei ganz bestimmte Bücher lesen – allesamt aus dem Rowohlt-Verlag

Im vergangenen Jahr hatte ich darüber berichtet, dass Landrat Klaus Plöger und die Kreiskulturreferentin Tanja Lütje alle Einwohner im Kreis Stormarn dazu aufgerufen hatten, ein Buch zu lesen. Das wäre nicht sonderlich bemerkenswert, wenn die Leser nicht unter drei ganz bestimmten Büchern wählen sollten und alle drei Werke aus ein und demselben Verlag gekommen wären, nämlich Rowohlt in Berlin/Reinbek

(Bild: HDZ)

(Bild: HDZ)

Mit anderen Worten: Es handelt sich hier um eine großangelegte Werbekampagne des genannten Verlages. Und die geht nun in eine neue Runde, wozu der Veranstalter, so berichtet die Stormarn-Beilage,  nur 15.000 Euro an Werbeetat ausgeben muss, weil die Stiftungen der Sparkassen genauso wie die Bürgerstiftung dieses Event bezuschussen als wäre es eine gemeinnützige Angelegenheit. Und zu Promotionszwecken treten nicht nur die drei Rowohlt-Autoren in Erscheinung, sondern auch der Landrat und die Kulturreferentin ziehen als öffentliche Zugpferde den Werbekarren durch die Straßen und Medien – siehe auch den nebenstehenden Werbebeitrag aus der Stormarn-Beilage vom Hamburger Abendblatt!

Was ich im vergangenen Jahr schon nicht verstanden habe, das kapiere ich in diesem Jahr erst recht nicht. Mir stellt sich nach wie vor die Frage: Ist es einer Behörde und ist es einer Stiftung erlaubt, für die kommerziellen Interessen eines Wirtschaftsunternehmens bei den Bürgern die Werbetrommel zu rühren, um den Verkauf gedruckter Werke zu unterstützen…?

Um nicht missverstanden zu werden: Ich empfinde die vorgestellten Bücher durchaus als lesenswert; und ich würde kein negatives Wort darüber verlieren, wenn es Bücher von unterschiedlichen Verlagen wären, die von einer neutralen Jury ausgewählt worden sind …

… aber so, wie es jetzt wieder über die Bühne den Tresen geht, ist es in meinen Augen keine neutrale kulturelle Aktion, sondern kommerzielles Marketing für einen einzigen Verlag. Und das ist eigentlich schade, denn es hätte, wie gesagt, auch eine beispielhafte Aktion werden können.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 10. April 2015

3 Gedanken zu „Der Landrat möchte, dass die Bürger von Stormarn drei ganz bestimmte Bücher lesen – allesamt aus dem Rowohlt-Verlag

  1. Thomas H.

    Hallo Herr Dzubilla,
    Schade, dass hier wirtschaftliche Interessen und kulturelle Interessen bis zur Unkenntlichkeit vermischt werden. Dazu sieht sich der Landrat anscheinend berechtigt, weil der Rowohlt-Verlag im Kreis Stormarn ansässig ist.
    Beste Grüße
    ThomasH.

    1. Observator

      Wir Bürger bezahlen die Gehälter von Landrat und Kulturschaffenden, die im Arbeitsverhältnis mit dem Kreis stehen. Das Geld von Stiftungen stiften wir Bürger auch, denn es ist Geld, das am Finanzamt vorbeigeht und damit dem städtischen Haushalt – sprich: uns Bürgern!! – entgeht. Deshalb sollten Gelder von Stiftungen auch sozialen Zwecken zur Verfügung gestellt werden. Frage: Ist der Rowohlt-Verlag ein Sozialfall, damit die Sparkassenstiftungen ihn unterstützen können? Oder hat der Verlag lediglich ein Girokonto bei der Sparkasse? Fragen über Fragen. Wer gibt die Antworten? Vielleicht der Landrat persönlich, denn der müsste ja eigentlich wissen, was er tut….?

  2. Hermann Jochen Lange

    Ich weiß gar nicht was Sie wollen,
    denn schließlich macht auch die mit weltlichem Steuergeld bezahlte Gleichstellungsbeauftragte “Frau Fricke” Werbung für die “Feldenkrais-Methode” – “beim Frauentreff” – – – im “Haus der Kirche” – ein Nichtpredigtort (mit Kneipe, schimmelfreier Doppel-Pastorenwohnung und Gartenpflege) der samt der Mitveranstalterin Frau Frauen-Pastorin Weißmann ebenfalls mit (angeblich nicht vorhandenem) kirchlichen Steuergeld bezahlt wird. Und außerdem “ist der Eintritt frei”. Also alles normal.
    (Quelle: HA Stormarnbeilage v. 10.4.15)
    HJL

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