Stormarn-Beilage: Irgendwie müssen die Seiten doch gefüllt werden – warum nicht mit Albernheiten…?

Wenn Sie Leser der Stormarn-Beilage sind (liegt dem Hamburger Abendblatt bei), dann werden Sie sich vielleicht genauso wie ich gefragt haben: Schreiben wir heute schon wieder den 1. April, und Praktikantin Manuela Wilk will ihre Leser in denselben schicken…?

Bildschirmfoto 2014-04-25 um 08.51.14Auf Seite 3 ein riesengroßer Bericht mit der sensationellen Schlagzeile: „Stormarns Pilze im Atomtest“. Der Inhalt kurzgefasst: Ein Mitarbeiter einer Autovermietung und „ehrenamtlicher Pilzexperte“ sammelt Pilze in Stormarn, um zu testen, ob sie 28 Jahre (achtundzwanzig Jahre) nach dem Unglück von Tschernobyl durch radioaktive Strahlung belastet sind, und er kommt zur Erkenntnis: nein. Und der Leser erfährt, dass dieses die erste Untersuchung der Pilze ist seit dem Unglück in der Ukraine. (Japan wird in diesem Beitrag nicht mal am Rande erwähnt!)

Da stellt man sich natürlich die Frage: Was soll dieser Bericht eigentlich bezwecken, zumal der Beitrag außerhalb der Pilzsaison erscheint? Wo bleibt die Beantwortung der Fragen: Warum untersucht der Pilzexperte die Pilze erst 28 Jahre nach dem Unglück? Was war denn in den 27 Jahren zuvor, als viele Menschen die Pilze gesammelt und gegessen haben…?

Bildschirmfoto 2014-04-25 um 08.36.58Als Leser habe ich das Gefühl: Hier wird krampfhaft versucht, das Blatt zu füllen ohne Rücksicht auf den Inhalt. Und die heutigen „Kinder-Nachrichten“, die im Gegensatz zu den Erwachsenen-Nachrichten extra gekennzeichnet werden, sind überschrieben: „Ein Männlein steht im Walde“. Abgebildet ist aber weder ein Männlein noch eine Hagebutte, sondern ein … Fliegenpilz! Und auch den finden die Kinder gar nicht in dieser Jahreszeit.

Kann es da eigentlich noch verwundern, dass die Stormarn-Beilage im 1. Quartal 2014 (IVW) im Vergleich zum 4. Quartal 2013 (IVW) 180 Käufer täglich verloren hat…?

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 25. April 2014

5 Gedanken zu „Stormarn-Beilage: Irgendwie müssen die Seiten doch gefüllt werden – warum nicht mit Albernheiten…?

  1. Joachim K., Abg.

    Guten Morgen, Herr Dzubilla! Könnte es sein, dass es sich bei dem Artikel um die Werbung einer Autovermietung handelt, die ihren Mitarbeiter in die Zeitung bringt, damit sie PR bekommt?

    In diesem Zusammenhang: Was ist eigentlich mit den Pilzköpfen, sprich: den überlebenden Beatles? Vielleicht kann Frau Wilk das auch mal recherchieren?

    Mit fröhlichen Grüßen
    J. K.

  2. wolfgang könig

    Hallo, Herr Dzubilla,
    so albern ist der Bericht über die Radioaktivität unserer Pilze nicht. Tschernobyl bedroht uns noch immer. Damals bestanden Hauptwindrichtungen nach Bayern und nach Skandinavien. S.-H. und Stormarn haben auch einen Teil radioaktiver Isotope abbekommen. Über viele Jahre wurden täglich mehrmals die Strahlungsbelastungen von Lebensmitteln über das Radio durchgegeben. Besonders belastet waren Milch (Molke musste in Süddeutschland als Sondermüll entsorgt werden), Gemüse, Brot, Fleich und besonders auch erdwüchsige Wald-Pilze. Unter diesen Pilzen war besonders der Rotfußröhrling sehr hoch belastet. Gemessen wurde die Belastung durch das Isotop Cäsium 137 mit einer mittleren Halbwertzeit von 30 Jahren (Nach jeweils 30 Jahren sind 50% des gefährlichen Isotopes zerfallen). Über die unterschiedlichen Zerfallszeiten sind bei uns noch immer radioaktive Isotope der unterschiedlichsten Elemente vorhanden, die wir täglich über die Luft, Getränke und Nahrung zu uns nehmen. Die Gefahr für die Gesundheit ist sehr gering aber noch immer vorhanden und Tschernobyl findet wie Hiroschima statistisch noch immer selbst im weit entfernen West- und Mitteleuropa Opfer. An die natürliche Bodenradioaktivität kommen wir also noch längst nicht heran.
    Für die Belastungsfeststellung sollte der Pilzexperte bis zum Spätsommer warten, wenn der Rotfußröhrling wieder wächst. Aber er hat in einem gewissen Maß recht. Da Waldpilze unterschiedlich viel Isotope aufnehmen und kein Hauptnahrungsmittel sind, ist die Belastung ungefährlich gering. Waldpilze wachsen bei uns kaum noch und deren Ernte ist oft verboten. Und Baumpilze wie Halimasch sind so gut wie unbelastet. Zuchtpilze waren auch damals nahezu unbelastet.
    Warum berichtet unsere Stormarnbeilage nicht über das Freilegen des Eiskellers auf der Schlossinsel, der zur 700-Jahr-Feier mit Spenden über 4551 Euro begehbar sein sollte?
    Mit strahlenden Grüßen
    Wolfgang König

  3. wolfgang könig

    Hallo, Herr Dzubilla,
    immerhin scheinen Sie recht resistent zu sein. Offenbar mögen Sie keine Pilze und ernähren sich ohne Geigerzähler. Einige sollen noch nachts gesammelt werden können, weil sie in der Dunkelheit leuchten. Shiitake sollen wie Brokkoli sehr krebshemmend sein.
    Soeben las ich im HA vom 26.04.2014 auf Seite 40 rechts unten: „28 Jahre nach Tschernobyl: Wildschweine und Pilze strahlen weiterhin: München: 28 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl sind einige Pilze und Wildschweine noch hoch radiaktiv belastet. Bei Wildschweinen…..wurden……….Spitzenwerte von gut 9800 Becquerel pro Kilogramm (allein !!!!, es gibt ja noch viel mehr strahlend zerfallende radioaktive Isotope) für radioaktives Cäsium 137 gemessen. Das Fleisch muss als Sondermüll entsorgt werden.“
    Dies ist ein Zeichen dafür, dass die Strahlenbelastung unserer Nahrungsmittel noch immer laufend gemessen wird und selbst bei uns relativ hoch ist. Auch in Skandinavien wird Ren- und Elchfleisch noch laufend gemessen. Wir in Stormarn befinden uns mit geringerer Belastung noch immer mitten drin. Unser Wild ist belastet. Unsere Rinder fressen belastetes Gras. Unsere Schweine speisen belastetes Fertigfutter (wenn es nicht gerade Gen-Mais aus den USA ist). In Ihrem Garten wächst belastetes Gemüse und Obst.
    „Na und,…..“ fragen Sie sich als junger Familienvater? Das ist ein heikles Thema, welches aufgegriffen wurde. Fukushima ist hinzugekommen. Und jeder Umgang mit Uran reichert die Umwelt an. Neben Chemiefutter und falsch deklarierter Tierhaltung bleiben mir nun meine Spaghetti quer im Mund stecken. „Und….????“
    Mit strahlenden Grüßen
    Wolfgang König

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