“Ohne Schloss ist Ahrensburg gar nichts!”

Gestern Abend im Marstall:  erste Versammlung  unserer Stadtverordneten nach der Sommerpause. Mit zwei Ausnahmen waren sie vollzählig erschienen, die Damen und Herren von Parteien und Verein. Und Bürgermeister Michael Sarach, der gerade seinen 60. Geburtstag gefeiert hatte, bekam öffentlich Blumen überreicht – allerdings nur von seinem Parteifreund Hartmut Möller, Fraktionsvorsitzender der SPD.

Der Bürgermeister berichtet

Der Bürgermeister berichtet

Vorab die Ergebnisse einzelner Abstimmungen: Sechs Ausschüsse bekommen 2 Sitze mehr. Allen personellen Umbesetzungen in den Ausschüssen wurde zugestimmt. Bau der Kindertagesstätte auf dem Erlenhof soll im Timing forciert und darum landesweit ausgeschrieben werden wg. der Fördermittel. Kindertageseinrichtung Pionierweg bekommt zusätzliche Mittel, die nicht geplant waren. Die Verwaltung bekommt keine befristete Planstelle. Die Stiftung Schloss Ahrensburg erhält 100.000 Euro nicht als Zustiftung, sondern umgewidmet als Zuschuss. (Werbewort des Bürgermeisters: “Das Schloss ist Ahrensburg. Und ohne dieses Schloss ist Ahrensburg gar nichts!”) Das Amateur-Jazz-Festival, das 2014 in Ahrensburg stattfindet, bekommt Geld aus der Stadtkasse. Und Zirkusse, die zukünftig in Ahrensburg auf dem Stomarnplatz gastieren wollen, erhalten keine städtische Genehmigung mehr, wenn sie Wildtiere mit- und vorführen.

Herr Stern steht

Herr Stern steht

Soweit die Resultate der Versammlung, die nur von relativ wenigen Besuchern wahrgenommen wurde. Immerhin gab es hohen Besuch: Schlossherrin Dr. Tatjana Ceynowa höchstselbst gab sich die Ehre zu erscheinen – wegen Zuschuss zu ihrem Dienstsitz. Doch kaum war das Thema entschieden, erhob sich die Dame und rauschte von dannen.

Am Rande beobachtet: Der Stadtverordnete Matthias Stern (CDU) stand die meiste Zeit an die Wand gelehnt und ging auch früher, was auf “Bandscheibe” schließen lässt. (Falls ja: gute Besserung!)

Ansonsten war die Sitzung ziemlich turbulent. Verwaltungs-Kritiker Thomas Bellizzi (FDP) gegen Bürgermeister Sarach, der schließlich Nerven zeigte. So fielen gegen 22 Uhr die bürgermeisterlichen Worte: “Ihr Benehmen ist ungehörig. Bewahren Sie Ihre Contenance, jetzt rede ich!” Und Tobias Koch (CDU), der miterlebt hatte, dass im Schloss Tremsbüttel auch an Samstagen getraut wird, wurde vom Bürgermeister belehrt: “Wären Sie am Samstag nicht im Schloss Tremsbüttel gewesen, sondern im Ahrensburger Schloss, dann hätten Sie gesehen, dass auch hier am Samstag getraut wird!”

Herr Bellizzi kritisiert

Herr Bellizzi kritisiert

Apropos Schloss: Das Museum erwirtschaftet einen hohen Kostendeckungsbeitrag von rund 60 Prozent. Mehr kommerzielle Veranstaltungen als bisher sind kaum möglich, weil der Verein sonst möglicherweise seine Gemeinnützigkeit verlieren würde und dann als Wirtschaftsunternehmen zu versteuern habe. (Hinweis aus dem Plenum: Schloss Tremsbüttel ist ein Gewerbebetrieb.) Michael Sarach erklärte in diesem Zusammenhang, er habe rund 200 Firmen auf Spendengelder für das Schloss angesprochen und sich dabei laufend eine “blutige Nase” geholt. Überall wurde der Bürgermeister gefragt: “Warum sollen wir für das Schloss was tun?”

Viel Geplänkel zwischen den Fraktionen gab es um die Erweiterung der Ausschüsse, wogegen CDU und WAB gestimmt haben, sich jedoch einer Stimme an Mehrheit fügen mussten. Für die Bürger auf den Zuschauerstühlen wirkte diese parteiliche Debatte eher peinlich als verständlich.

Die Peinlichkeit des Abends indes lieferte mal wieder Blümchenfrau Karen Schmick (WAB) mit unsinnigen  Anträgen und überflüssigen Hinweisen an die Verwaltung, die der Bürgermeister zurückwies mit dem Verweis auf die amtlichen Vorschriften im geltenden Recht, die er einzuhalten gedenke. Und Gemahl Hinrich (WAB) kam der Gattin eilfertig zu Hilfe, um richtigzustellen: “Meine Frau hat nie daran gezweifelt, dass Gesetze eingehalten werden.”

Herr John moniert

Herr John moniert

In der Einwohnerfragestunde fragte Einwohner Uwe John u. a., warum die Beantwortung von Briefen an das Rathaus nicht zeitnah oder gar nicht erfolge. Der Bürgermeister versprach, der Sache nachzugehen. (Zwischenbemerkung: Ich habe inzwischen eine Antwort auf mein Schreiben aus Juni bekommen, worinnen mir Abhilfe versprochen wird 🙂 ) Weitere Einwohner fragten nichts.

Im Bericht des Bürgermeisters erfuhr man eine lustige Geschichte: Ein TV-Team der ARD drehte einen Beitrag im Ahrensburger Rathaus zum Thema Denkmalschutz. Dieser Beitrag konnte jedoch nicht gesendet werden, angeblich “aus technischen Gründen”, weil die Aufnahmen nicht perfekt gewesen sind. Was natürlich eine Ausrede ist, denn wenn das Thema für die Redaktion wirklich wichtig gewesen wäre, dann wäre das Team noch einmal erschienen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 27. August 2013

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