Herrscher über über die Schlossstadt Ahrensburg: Familie Levenhagen (CDU+Grüne)

Zur Einführung: Detlef Levenhagen (CDU) ist Fraktionsvorsitzender seiner Partei in der Ahrensburger Stadtverordneten-Versammlung. Und Nadine Levenhagen (Grüne) ist nicht nur die Tochter von Detlev Levenhagen, sondern die junge Frau und Mutter ist auch Fraktionsvorsitzende ihrer Partei in der Ahrensburger Stadtverordneten-Versammlung. Dort hat die CDU = 13 Verordnete, und die Grünen haben = 9 Verordnete, ergibt zusammen = 22 Verordnete. Und weil wir in Ahrensburg insgesamt 40 Stadtverordnete haben, hat “Familie Levenhagen” mit ihren 22 Stimmen die absolute Mehrheit in der Stadtverordneten-Versammlung.

Detlev Levenhagen (CDU) erklärt Vertretern vom Stadtforum, was diese sich unter “Stadtmarketing” vorzustellen haben!

Früher war das mal anders, da war auch Nadine Levenhagen noch Mitglied der CDU-Fraktion. Und die Christdemokraten bekamen damals die Mehrheit bei Abstimmungen hauptsächlich mit Hilfe der WAB und nur selten von den Grünen – wie zum Beispiel zur “Lindenhof”-Bebauung.

Und genau das änderte sich mit der Konvertierung von Nadine Levenhagen: CDU & Grüne bilden heute quasi eine Familie. Und es könnte unter “Demokratie” laufen – wenn es denn die freie Meinungsäußerung in der CDU gäbe, was ich allerdings stark bezweifle.

Denn da gibt es noch etwas, und zwar: Fraktionszwang. Der herrscht offenbar in der CDU, wo der Stadtverordnete Eckehard Knoll soeben das Handtuch geworfen hat und die Fraktion von einem auf den anderen Tag verlassen hat. So, und nun aufgepasst, meine lieben Mitbürger! Im 3. Buch Ahrensburg lasen wir zu diesem Vorgang die Äußerung von Fraktionschef Detlev Levenhagen und also lautend:

“Dass es innerhalb der CDU unterschiedliche Meinungen gebe und diese bei internen Fraktionssitzungen auch geäußert und diskutiert würden, sei völlig normal. Entscheidend sei, dass die Fraktion in der Öffentlichkeit geschlossen auftrete. Das habe Eckehard Knoll nicht immer getan, sagt Levenhagen. ‘Das war für uns aber kein Problem, weil er in der Stadtverordnetenversammlung immer fraktionsgemäß abgestimmt hat.'”

Aus diesem “kein Problem” lässt sich interpretieren: In der CDU herrscht Fraktionszwang! Und damit Sie als Leser selbst bei diesem Tatbestand noch etwas zu lachen haben, bringe ich ein anderes Zitat von Detlev Levenhagen. Auf die Frage: “Was möchten Sie der Jugend mit auf den Weg geben?”, hat der CDU-Politiker kürzlich in einer Befragung geantwortet: “Andere Meinungen zu akzeptieren und über den Tellerrand zu gucken.”

Unter Fraktionszwang versteht man die Verpflichtung der Abgeordneten, über einen zuvor gefassten Fraktionsbeschluss entsprechend abzustimmen. Einen solchen Fraktionszwang darf es in Deutschland eigentlich gar nicht geben. Denn Artikel 38 Absatz 1 Satz des Grundgesetzes sagt es unmissverständlich: Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages sind “an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.”

Und so ist Eckehard Knoll offensichtlich in Gewissenskonflikte geraten. Nachdem CDU, Grüne und WAB kürzlich im 3. Buch Abendblatt ihre skurrilen Gedanken zum Thema Stadtmarketing für Ahrensburg fabuliert hatten, wonach Parkraum für Autos in der Innenstadt weitgehend wegfallen soll, erklärte der CDU-Stadtverordnete Eckehard Knoll: „Für mich ist das so nicht akzeptabel. Wir müssten deutlich mehr Parkplätze haben. Die Geschäftsleute leben davon, dass die Menschen aus umliegenden Orten zu uns kommen.“

Was bedeutet das? Es bedeutet: Wäre Eckehard Knoll in der CDU-Fraktion geblieben, hätte er bei einer Abstimmung die Hand gegen seine eigene Überzeugung heben müssen. Unter einem derartigen Fraktionszwang wäre der Stadtverordnete zu einer Marionette geworden bzw. zur Bauchrednerpuppe auf dem Schoße des Fraktionsvorsitzenden Detlev Levenhagen.

Ein Abgeordneter, der sich nicht an den Fraktionszwang hält, kann dafür nicht geahndet werden. Auch das regelt das Grundgesetz, in Artikel 46 Absatz 1: “Ein Abgeordneter darf zu keiner Zeit wegen seiner Abstimmung oder wegen einer Äußerung, die er im Bundestage oder in einem seiner Ausschüsse getan hat, gerichtlich oder dienstlich verfolgt oder sonst außerhalb des Bundestages zur Verantwortung gezogen werden.”

Aber: Wieviel Nervenkraft hätte es für einen älteren Herrn wie Eckehard Knoll bedeutet, gegen die internen Beschlüsse seiner eigenen Fraktion zu stimmen! Und was an den Nerven zerrt, das kostet Gesundheit. Und deshalb können wir nur hoffen, dass Eckehard Knoll durch den Fraktionszwang der CDU nicht gesundheitlich angeschlagen ist!

Aber kommen wir zurück zur Familie Levenhagen! Wer ist eigentlich Detlev Levenhagen, das Familienoberhaupt derer von Levenhagen? Und welche fachliche Kompetenz hat dieser Mann überhaupt, um eine Führungsrolle in der Ahrensburger Politik zu spielen und damit über das Schicksal von uns Bürgern zu bestimmen?

Detlev Levenhagen ist Rentner, lebt seit 17 Jahren in Ahrensburg und sitzt als Mitglied der CDU seit 9 Jahren in der Stadtverordneten-Versammlung. Dort hat er 2017 nach dem Ausscheiden von Tobias Koch den Fraktionsvorsitz übernommen.

Detlev Levenhagen gibt an, dass er beruflich als “selbständiger Kaufmann” tätig gewesen ist. Kaufmann?  Ein Kaufmann kann der Inhaber einer Weltfirma sein. Ein Kaufmann kann aber auch einen Tante-Emma-Laden betreiben oder mit einem Bauchladen auf dem Wochenmarkt stehen. Wer als Beruf “Kaufmann” angibt, der könnte genauso gut auch “Arbeiter” angeben, da er als Kaufmann vermutlich auch gearbeitet hat. Insofern erfährt der Bürger durch die Berufsangabe “selbstständiger Kaufmann” nichts über die berufliche Qualifikation des Stadtverordneten und “Marketingspezialisten” Levenhagen, dem bei der letzten Kommunalwahl nur 275 Wählerstimmen der 34.000 Ahrensburger Einwohner genügt haben, was immerhin 34,3 % im Wahlbezirk Schulzentrum Am Heimgarten II gewesen sind.

Der Blogger traf Konrad Adenauer am 19.10.1965

Auf die Frage nach seinem größten Vorbild hat Detlev Levenhagen einmal geantwortet: Konrad Adenauer. Und dieser CDU-Politiker und erster Bundeskanzler hat am 23. Mai 1949 als Präsident des Parlamentarischen Rates seine Unterschrift unter das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland gesetzt, das der Stadtverordnete Detlev Levenhagen so nicht gelten lassen möchte.

Und damit komme ich zum Casus Belli für meinen Blog-Eintrag: Wenn Familie Levenhagen sich einig ist, dann kann sie die Stadt Ahrensburg nach Lust und Laune regieren. Die Familie kann Anträge nicht nur stellen, sondern sie kann auch darüber  entscheiden. Wie es jetzt offenbar beim Thema Stadtmarketing inkl. Parkraum zu beobachten ist. Hier sind Fachleute, Verwaltung, Geschäftsleute, Vereine, Verbände und vermutlich auch die meisten Bürger ganz anderer Meinung als Familie Levenhagen, die auch noch von der WAB unterstützt wird, einer vierköpfigen bürgerlichen Fraktion, die sich inzwischen mehr und mehr von ihren Wählern entfernt hat.

Postskriptum: Die letzte Familie, die über die Stadt Ahrensburg geherrscht hat, das war eine Familie mit Namen Schimmelmann. Aber das ist schon eine ganze Weile her und fand statt in einer Zeit, als wir in Ahrensburg weder ein Grundgesetz hatten noch eine Demokratie oder gar Automobile.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 19. Dezember 2019

4 Gedanken zu „Herrscher über über die Schlossstadt Ahrensburg: Familie Levenhagen (CDU+Grüne)

    1. Harald Dzubilla Artikelautor

      Eine sehr gute Frage. Eigentlich brauchen wir auch die vier anderen Parteien nicht, weil Familie Levenhagen allein ja bereits für die absolute Mehrheit ausreichend ist. Aber wenn die anderen vier Parteien trotzdem vorhanden sind, dann könnte man diese als demokratische Dekoration betrachten. Und ohne diese Deko wäre der Bürgervorsteher in der Stadtverordneten-Versammlung flüsiger als Wasser, nämlich überflüssig.

  1. Alfons

    Sie treiben Ihre Leser zu Höchstleistungen an, Herr Dzubilla.
    Ich hab´mal “Demokratische Dekoration” gegoogelt und das hier gefunden: Räuchermännchen.
    Jetzt wissen wir, warum wir die vier anderen Parteien noch brauchen: Viel Rauch um nichts.

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