Frech: Geschäfte mit Flüchtlingen

Ich habe eine E-Mail bekommen von einer Anne Marie, die ich nicht kenne. Sie schreibt: “Hey, ich habe eine sinnvolle Aktion für die Flüchtlinge entdeckt die ich mit Dir teilen möchte. Flüchtlinge – wir helfen! Deutschland hat in einer einzigartigen Art und Weise Solidarität und Menschlichkeit bewiesen. Darauf können wir alle sehr stolz sein. Hole Dir jetzt das T-Shirt und unterstütze diese sinnvolle Aktion damit wir 1.000 Shirts zusammen bekommen. Like den Beitrag auf Facebook und teile es mit Deinen Freunden. Danke. Herzliche Grüße Deine Anne Marie”

Bildschirmfoto 2015-09-12 um 12.41.47Wenn man dem angegebenen Link folgt, landet man auf einer Bestellseite, wo man ein T-Shirt bestellen kann – siehe die Abbildung links! Es trägt die Aufschrift: “Flüchtlinge wir helfen” und kostet beachtliche 19, 70 Euro. Davon sollen angeblich 10 % “direkt an ‘Aktion Deutschland Hilft'” gehen – wer immer das auch kontrolliert. Auf jeden Fall: Ein tolles Geschäft für die Firma, die 1000 Stück von den Hemden verkaufen will.

Und dann ist da noch ein Bäcker aus Todendorf. Der backt angeblich “Brot für Flüchtlinge”, was nur indirekt stimmt, denn der Bäcker will sein Brot verkaufen und von jedem verkauften Laib einen Euro für Flüchtlinge abzweigen. Das 750-g-Brot kostet 2,50 Euro. Zum Vergleich: 750 g Weltmeisterbrot kosten bei aldi nur 1,39 Euro.

Bildschirmfoto 2015-09-12 um 12.11.34Für seine großzügige Hilfsbereitschaft bekommt der Bäcker aus Todendorf im MARKT nicht nur einen schönen PR-Beitrag, sondern der Bericht ist nicht als Anzeige gekennzeichnet, so dass der Bäcker dafür keinen Euro löhnen muss. Und wenn man den redaktionellen MARKT-Bericht mal nach der Anzeigenpreisliste berechnet, dann hat der Bäcker beim MARKT kräftig abgesahnt, bevor er auch nur ein einziges Brot verkauft hat.

Nur: Was ist, wenn niemand das Brot bei dem Bäcker kaufen will? Stimmt dann die Unterzeile des MARKT-Berichts immer noch, der da lautet: “Bäcker spendet für Familie in Todendorf”…?

Liebe Mitbürger, wenn Sie sehen, dass irgendwo irgendjemand mit der Not von Flüchtlingen seine Geschäfte machen will, dann lassen Sie es mich bitte wissen!

 

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 12. September 2015

4 Gedanken zu „Frech: Geschäfte mit Flüchtlingen

  1. Martens

    Die angeführte Bäcker-Aktion nennt man Türöffner: Der Bäcker verdient vielleicht nichts am Brot, aber der Kunde kauft bestimmt noch das eine andere Brötchen und Stück Kuchen mit ein, ohne dass davon etwas den Flüchtlingen zugute kommt. Und wenn alle Bürger von Todendorf die Werbung im “Markt” lesen, dann denken die vielleicht: Unser Bäcker ist ja echt süß – ein richtiger Zuckerbäcker! 😉

  2. Lars

    Den Brotpreis vom Bäcker mit dem Brotpreis von Aldi zu vergleichen finde ich doch recht unrealistisch.
    Ich würde mal vorschlagen das Sie sich aktuelle Brotpreise bei den Bäckereien einholen bevor Sie von Geld machen mit Flüchtlingen sprechen.Danke

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