Stormarn-Beilage: Wie die Redaktion manipuliert

Die Stormarn-Beilage möchte verhindern, dass unser Rathaus unter Denkmalschutz gestellt wird. Darum macht die Redaktion nicht repräsentative Umfragen und tut ein bisschen so, als wären diese „offizielle Meinung“.

Bildschirmfoto 2013-06-27 um 09.19.23Hier ein Absatz aus dem Bericht der heutigen Stormarn-Beilage, überschrieben: „Ahrensburger will Bürgerentscheid“: „Eine nicht-repräsentative Umfrage auf dem Ahrensburger Wochenmarkt am Mittwoch zeigte, dass es ganz unterschiedliche Meinungen zu dem Thema gibt. Viele halten einen Denkmalschutz für das Gebäude einfach für „bekloppt“ – wie etwa der Ahrensburger Dietrich Busch. „Die günstigere Variante wäre auf lange Sicht ein Neubau“, meint er und liegt damit auf der Linie der FDP.“

Zur Erläuterung: Die Redaktion spricht zwar von „ganz unterschiedlichen Meinungen“, berichtet aber zuerst mal von der Meinung eines Marktbesuchers, den man sich aus der Menge herausgepickt hat. Und der ist – was für ein Zufall aber auch! – gegen einen Denkmalschutz!

Erst im Absatz danach wird dann noch eine Dame zitiert, die das Rathaus „im Zweifel“ lieber stehen lassen würde. Und eine andere, die es „bunt“ machen möchte. Eine Stimme wie die des Bürgermeisters, der für Denkmalschutz plädiert, hat man scheinbar nicht gefunden.

Aber wer ist der Ahrensburger, der einen Bürgerentscheid will? Die Stormarn-Beilage meint mit ihrer Überschrift nicht Thomas Bellizzi (FDP), sondern sie führt einen Mann groß im Bilde vor, der über alle Backen lacht. Sein Name: Friedrich-Karl Winter. Und der spricht davon, dass eine Sanierung unseres Rathauses um „schätzungsweise rund 50 Prozent teuer“ wäre als ein Neubau. Und die Stormarn-Beilage druckt diese Schätzung des Herrn Winter ab, ohne dessen Kompetenz zu hinterfragen.

Und wer ist Friedrich-Karl Winter? Ich habe gegoogelt und erfahren:

Friedrich-Karl Winter ist Geschäftsführer bei der Kroschke-Gruppe. Und die Kroschke-Gruppe muss ich ja nicht vorstellen; zuletzt kam sie ins Gespräch mit dem Kauf vom Rohrbogenwerk, wo sie anschließend die Stadt Ahrensburg um „Spendengelder“ angegangen ist.

Übrigens: In meinem Ahrensburger Telefonbuch finde ich keinen Karl-Friedrich Winter. Aber nicht alle Einwohner von Ahrensburg müssen ja auch im Ahrensburger Telefonbuch stehen.

 

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 27. Juni 2013

3 Gedanken zu „Stormarn-Beilage: Wie die Redaktion manipuliert

  1. Wolfgang König

    Hallo, Herr Dzubilla,
    nicht jeder befragte Bürger in Ahrensburg ist auch Bürger der Stadt Ahrensburg. Im Ahrensburger Telefonbuch sucht man die dann ebenfalls vergebens.
    Herr Bellizzi sagte zum WAB-Antrag für die dringende Vorplanung der Südumfahrung, dass dieser Antag populistisch sei. Was ist dann die Forderung eines Bürgerbescheides über Denkmalschutz, wenn das End-Ergebnis jetzt schon feststeht? Sehr populistisch? Alle wissen, dass das Landesamt für Denkmalpflege durch eine Verordnung das Rathaus unter Denkmalschutz stellen kann. Das ist eine Quasi-Enteignung. Die Prüfung der Schutzwürdigkeit ist bereits positiv abgeschlossen. Die Stadt Ahrensburg muss dann ihr Denkmal ggf. über Jahrhunderte nach Vorgabe pflegen (§ 20 DSchG S-H), ob es Zuschüsse gibt oder nicht. Und wie beim Schloss haben wir dann eine kostspielige Stiftung Rathaus. Und Zuschüsse decken mit Sicherheit die Mehrkosten für die Instandhaltung, Sanierung sowie künftige Anpassungen durch Gesetze und Verordnungen nicht ab.
    Kein Verwaltungs-Gericht in S-H wird anders urteilen; kein Ministerium wird ihrem Amt in den Rücken fallen. Da müssten schon bei einem Bürgerentscheid über 100% der wahlberechtigten Bürger gegen den Denkmalschutz stimmen oder die CDU bekommt bei der nächsten Landtagswahl die absolute Mehrheit oder die Kroschke-Gruppe will das Rathaus erwerben und bis zum Rathausneubau an die Verwaltung vermieten. Bürger Winter von der Kroschke-Gruppe schein schon mehr zu wissen als das Landesamt und als im DSchG S-H steht: „Denn ohne Kenntnis der Kosten für eine Sanierung des Rathauses darf keine Unterschutzstellung erfolgen.“
    Der Bürgerentscheid ist uns wert und teuer und nur halb so teuer wie eine Vorplanung im Süden.
    Mit geschützeten Grüßen
    Wolfgang König

  2. Der Spatz vom Rathausdach

    Bevor hier weiter manipuliert wird: Was gibt es eigentlich eine rechtliche Grundlage für eine Bürgerabstimmung für oder wider den Denkmalschutz? Sollte es dieselbe nicht geben, dann sollte der Springer-Verlag seinen Mitarbeiter Klingel-Domdey nicht länger unter Denkmalschutz stellen! Und Herr Bellizzi sollte endlich aufhören, seinen Populismus zu betreiben, der beim Bürger ohnehin nicht gut ankommt.

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