Es steht wohl außerhalb eines jeden Zweifels, dass ein neues Schulzentrum Am Heimgaarten gebaut werden muss. Zweifel gibt es allerdings, ob das nach dem derzeitigen Plan mit 115 Millionen der richtige und allein mögliche Weg ist. Es gibt auch andere Modelle von Schulgebäuden. Und es gibt vielleicht auch den Weg, dass die Stadt Ahrensburg selber gar keinen Campus Heimgarten baut, sondern dieses machen lässt von einem Investor, wo die Stadt sich dann mit den Schulen hineinbegibt per Leasingvertrag.
Ich komme heute auf das Thema zurück, weil ich einen Beitrag vom Stormarner Tageblatt gelesen habe mit der Frage in der Überschrift: „Ahrensburgs Millionen-Dilemma: Droht jetzt der Rotstift bei Jugend und Kultur?“
„Dilemma“ klingt auf jeden Fall schlecht. Irgendwie nach belämmert. Und dann las ich eine Antwort aus der Perspektive der Ahrensburger Grünen und also lautend: „Fraktionschef Benjamin Stuckenberg sieht die Kredite als notwendige Investition in die Zukunft. Bildung zahle sich später vielfach zurück – wie bei einem Häuslebauer, der in eine energetische Sanierung investiert.“ Und just zu diesen zwei Sätzen habe ich ein paar weitere zur Anmerkung:
Zum einen heißt der besagte Grüne nicht Stucken-, sondern Stukenberg. Des weiteren ist der Mann nicht Fraktionschef der Grünen, sondern er ist Stadtverordneter und Bürgervorsteher, also 1. Bürger der Stadt Ahrensburg. Soweit zur Information von ST-Reporter Finn Fischer. Doch nun zur Aussage des Grünen Bürgervorstehers und Stadtverordneten Benjamin Stukenberg:
Kredite als Investition klingt schon mal ulkig. 😇 Und einen Schulneubau für 115 Millionen Euro, welche die Stadt nicht hat, zu vergleichen mit einem „Häuslebauer (!), der in energetische Sanierung investiert„, wohingegen die Stadt in zukünftige Bildung investiert und der Häuslebauer etwas in der eigenen Haushaltskasse für die Zukunft tun möchte – dieser Vergleich könnte von einem Waldorfschüler stammen, der auch gelernt hat, seinen eigenen Namen zu tanzen.
Ich weiß es nicht, ob Benjamin Stukenberg selber Kinder in oder durch Ahrensburger Schulen gebracht hat, zumal er selber die Waldorfschule in Hamburg-Farmsen besucht hat. Ich persönlich habe den „Ahrensburger Schulweg“ schon mehrfach beschritten und tue es auch zur Zeit noch. Und ich weiß: Bildung kann selbst in der kleinsten Hütte von Afrika vermittelt werden. Auf jeden Fall ist es wichtiger, was in den Klassenräumen passiert. Wenn dort Lehrermangel herrscht und ständig Unterrichtsstunden ausfallen, oder wenn dort sogar Lehrer agieren, die ihren Aufgaben nicht gewachsen sind, dann nützt auch der beste Campus nichts, um optimale Bildung bei den Schülern zu schaffen.
Mehr noch: Was machen die Schüler, wenn sie ihren Schulabschluss in Ahrensburg geschafft haben? Bleiben sie hernach in der Stadt wohnen, weil es hier in Ahrensburg alles so toll ist mit Wohnung, Arbetitsplätzen, Straßen,Verwaltung, Politik und nicht zuletzt im örtlichen Sportgeschehen? Und weil die Stadt dann schuldenfrei ist und reichlich Geld hat für alle sozialen Belange? Oder suchen die jungen Menschen lieber das Weite und finden es in Hamburg oder anderswo?
Last but not least: Die Stadt Ahrensburg will wegen ihrer Schulden die Gewerbesteuer erhöhen. Das wird vielleicht nicht unbedingt Firmen aus Ahrensburg vertreiben; aber für Neuansiedlungen dürfte dieser Schritt nicht gerade von Vorteil sein – weder für die Firmen noch für die Stadt. Und außerdem hat der Bürgermeister die Grundsteuer im Auge, damit alle Häuslebauer und Mieter in der Stadt auch bemerken, dass sie einen pompösen Campus bekommen sollen.
