Exklusiv auf Szene Ahrensburg: Inoffizielles Grußwort der Stadt Ahrensburg zum Jahreswechsel

Am Tag vor dem Heiligen Abend, da lagen in Ahrensburg nicht nur die Kinder im Traum, sondern es lag uns an diesem Tage auch ein traumhaftes Grußwort vor, und zwar von Bürgervorsteher und Bürgermeister zum Jahreswechsel. Dieses offizielle Grußwort vom Vorsteher der Bürger und ihrem Meister ist auf einem Ahrensburger Reklameportal erschienen, das von der Stadt Ahrensburg mit beispielloser Hingabe finanziert wird. Nicht nur damit ist dieses Portal so etwas wie die „Rathaus-Postille“ geworden, welche der Bürgermeister uns schon vor seinem ersten Amtsantritt versprochen hatte.

Don Quijote de la Ahrensburga will die Windmühlen in der Stadt tieferlegen, um dadurch den Lärm der Flügel besser zu bekämpfen!

Weil Szene Ahrensburg keine „Rathaus-Postille“ ist, kann ich hier das Grußwort der Stadt Ahrensburg nur inoffiziell veröffentlichen, also ohne Auftrag und ohne Kosten für die Stadt. Somit habe ich mir erlaubt, den offiziellen Text ein wenig zu redigieren, sodass der Inhalt rein fiktiv geworden ist, wenngleich er aber sachlich voll den Tatsachen entspricht. Alsdann:

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Gäste und Freunde der Stadt Ahrensburg,

auch am Ende des Jahres 2016 wollen der Bürgervorsteher und der Bürgermeister traditionsgemäß mit der guten alten Floskel beginnen und es deutlich zum Ausdruck bringen: „Schon wieder einmal ist – erstaunlich schnell – ein Jahr vergangen. Der Jahreswechsel ist allgemein Anlass, noch einmal über das vergangene Kalenderjahr nachzudenken.“

Wie Ihnen, liebe Mitbürgerinnen und liebe Mitbürger, bekannt sein dürfte, hat unser denkmalgeschütztes Rathaus im abgelaufenen Jahr viel Schmutz angesetzt – womit wir natürlich vorrangig das äußerliche Erscheinungsbild meinen. Doch der Rathausplatz ist nicht mehr so trostlos wie früher, sondern schlimmer noch: Es wurde darauf eine Konstruktion errichtet, die künstlerisch an den Blaumann auf dem Rondeel erinnert, der dort immer noch steht, weil die von den Stadtverordneten bereits vor vielen Jahren beschlossene Versetzung aus internen Gründen auch in 2016 noch nicht vorgenommen werden konnte. Die neue Skulptur auf dem Rathausplatz, gestiftet von einer Hamburger Immobilienfirma, soll Bürger, Verwaltung und Politik immer wieder daran erinnern, dass unter diesem „Denkmal“ nach wie vor ca. achtzig Parkplätze abgesperrt sind und seit Jahren leer stehen, während die Tiefgarage vor sich hin gammelt und stinkt.

Positiv zu sehen ist auch, dass die Stadt Ahrensburg viel Geld gespart hat, indem wir die Moorwegbrücke weder saniert noch erneuert haben. Das gesparte Geld konnten wir darum aus dem Fenster werfen anderweitig einsetzen, indem wir damit nicht nur freie Berater honoriert haben, sondern auch den Alten Speicher hinter dem Marstall kaufen konnten, ohne zu wissen, was wir damit überhaupt machen wollen – außer die Ruine zuerst einmal notdürftig zu sanieren, damit sie nicht völlig zerfällt wie die Moorwegbrücke. Und damit passt der Speicher sehr gut zu dem Platz davor, den wir dermaleinst für sehr viel Geld haben erbauen lassen und danach auch nicht mehr wussten, warum. Heute ist dieser Platz ein inoffizieller Parkplatz, auf dem Gäste und Lieferanten vom Park Hotel parken können. Kostenlos, versteht sich, da der Platz in Wahrheit ja gar kein Parkplatz ist sondern ein Kulturplatz, der deshalb von der Stadt offiziell dem Kulturzentrum Marstall überlassen wurde, wo er inoffiziell als Parkplatz genutzt wird.

Erfolgreich tätig waren wir auch im Immobiliengeschäft. Nachdem wir bereits unser Gelände am Beimoor weit unter Wert verscherbelt haben, ist uns das nun auch mit unserem Grundstück Lindenhof gelungen. Und die Parkplätze, die dort wegfallen, die werden ersatzweise am Beimoorweg entstehen, nämlich dort, wo sie gebraucht werden: Direkt am zukünftigen Einkaufsfachmarktzentrum am Rande der Stadt, mit dem wir die Innenstadt auch weiterhin vom Kundenverkehr spürbar entlasten möchten.

Statt Nord- oder Südtangente haben wir uns entschlossen, zunächst einmal den Bau eines Kinos ins Auge zu fassen, das allein deshalb am Bahnhof entstehen soll, damit die Besucher im Parkhaus Alter Lokschuppen parken können. Mit diesem reizvollen städtischen Angebot konnten wir einen interessierten Investor in die Stadt locken. Mehr darüber werden Sie irgendwann im Newsletter „Ahrensburg360°“ lesen können, veröffentlicht von unserer Abteilung Wirtschaftsförderung, von der auch 2016 kaum jemand so genau erkannt haben wird, warum es diese Dienststelle überhaupt gibt. Hier der Link zu Link.

Nicht vergessen wollen wir unsere reizvolle Bürger-Aktion in 2016: „Wie soll die Ahrensburger Innenstadt neugestaltet werden?“ Diese Jekami-Beschäftigung kennen Sie ja schon aus der Vergangenheit von unserem Rathausplatz, den Sie bereits vor vielen Jahren neugestaltet haben. In diesem Jahr hatten wir die Bürger-Aktion nun ausgeweitet auf die gesamte Innenstadt und hoffen, dass Sie viel Spaß beim Mitmachen gehabt haben, und bedauern, dass kaum jemand mitgemacht hat.

Beispiellos war auch unser Ahrensburger Luxus-Klo, in das die Stadt am Ende rund eine halbe Million Euro investiert hat, und womit wir jede Notdurft der Menschen mit 58 Euro bezuschusst haben. Wir kennen keine Stadt in Deutschland, die ihren Bürgern bei kleinen und großen Geschäften derart großzügig unter den Hintern gegriffen hat. Und deshalb wurde Ahrensburg nicht nur im „Schwarzbuch“ vom Bund der Steuerzahler lobend erwähnt, sondern unsere Stadt wurde auch landesweit präsentiert vom ZDF, wo der Bürgermeister quasi als Toilettenwärter aufgetreten ist.

Da es in der Innenstadt von Ahrensburg weitere fünf öffentliche Toiletten gibt, die barrierefrei sind, sahen wir uns durch die Polemik eines Ahrensburger Bloggers leider gezwungen, den Vertrag für das Luxus-Klo zum Jahresende 2016 zu kündigen.

Mit vereinten Kräften ist es dem Bürgervorsteher zusammen mit dem Bürgermeister auch in diesem Jahr wieder gelungen, etwas ins Laufen zu bringen, nämlich das Bier auf dem Ahrensburger Oktoberfest, das wir gemeinsam angezapft haben. Eine schöne alte Ahrensburger Tradition genauso wie das Weinfest, welches eine Promotion-Tournee einer Hamburger Firma ist, mit der Ahrensburger Weinhändlern und Supermärkten die Kunden gestohlen werden.

Auch bei der strategischen Stadtentwicklung haben wir weitere Fortschritte erzielt und viel Geld rausgeworfen in die Hände genommen für unser Stadtmarketing. Nicht nur für die Stabsstelle als solche, sondern auch für das blaue Licht, mit dem in der sogenannten Blue Night nicht allein das Schloss, sondern dazu auch noch das Rathaus und die Stadtbücherei angestrahlt worden waren genauso wie der Blaumann. Allein dafür haben wir in einer einzigen Nacht 18.000 Euro verballert investiert. Den Rest der für das Stadtmarketing in 2016 etatisierten Mittel haben wir sodann an die Verkehrsbetriebe überwiesen, damit minderbemittelte genauso wie gut betuchte Mitbürgerinnen und Mitbürger an den Samstagen im Advent wie auch am Heiligen Abend kostenlose Stadtrundfahrten durch Ahrensburg machen konnten.

Im nahezu abgelaufenen Jahr haben alle Mitbürgerinnen und Mitbürger wieder die Möglichkeit gehabt, nicht nur die blauen Fähnchen auf der Schlosswiese zu betrachten, sondern auch die Sprechstunden von Bürgervorsteher und Bürgermeister zu besuchen, und zwar kostenlos. Wir fragen Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger: Welcher Arzt, welcher Anwalt oder Psychotherapeut in Ahrensburg führt Sprechstunden durch, ohne dafür eine Rechnung zu schicken…?!

Nicht unerwähnt lassen wollen wir die Ahrensburger Baumschutzverordnung. Damit hat Ahrensburg auch in diesem Jahr bewiesen, dass in unserer Stadt die Bäume in den Himmel wachsen – allerdings nur in den privaten Gärten der gemeinen Bürger, ob die das wollen oder nicht. Investoren oder die Stadt Ahrensburg selber dürfen abholzen, was die Axt hergibt. Nein, das ist nicht unlogisch, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürgern, sondern das ist Ahrensburger Logik, wo beispielsweise zwischen einer Buche und einer Birke unterschieden wird, was das Fällen der Bäume betrifft.

Ein Grußwort, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, ohne dass der Bürgervorsteher darinnen ein geflügeltes Wort aus seinem Zitatenlexikon einbettet, wäre wie das Schlossensemble ohne sein Schloss. Also lassen Sie uns dieses Grußwort bereichern mit einem Zitat von Friedrich Rückert (1788–1866), der geschrieben hat: „Das sind die Weisen, die durch Irrtum zur Wahrheit reisen. Die bei dem Irrtum verharren, das sind die Narren.“ Ein Wort, das sich Bürgervorsteher, Bürgermeister und Stadtverordnete für 2017 ganz bestimmt hinter die Ohren schreiben werden – oder auch nicht.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein gutes Neues Jahr! Und wenn Sie am 6. Januar 2017 zu unserem Neujahrsempfang in den Marstall kommen wollen, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, dann bitten wir Sie sehr herzlich, keine unangenehmen Fragen zu stellen, weder an den Bürgermeister noch an den Bürgervorsteher oder an die Stadtverordneten – falls diese überhaupt anwesend sein werden. Es genügt, wenn Sie den Mund allein bewegen beim Verzehr der Schnittchen und dazu freundlich lächeln und Sekt saufen. Vielen Dank.

Bürgervorsteher und Bürgermeister einer Schwesterstadt von Schilda

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 26. Dezember 2016

8 Gedanken zu „Exklusiv auf Szene Ahrensburg: Inoffizielles Grußwort der Stadt Ahrensburg zum Jahreswechsel

  1. Fritz aus Ahrensburg

    Der Ahrensburger Bürgermeister ist ein klassischer Dünnbrettbohrer. Das wissen die Ahrensburger spätestens seit seiner Forderung , dass man Bahngleise tiefer legen müsste. Er hat allerdings in einer Sache ein feines Näschen: Er weiß, wie man mit Geld Meinungen kaufen kann .

  2. Friedhelm

    Dieses Jahr 2016 war für Verwaltung und Politik ein Jahr der verpassten Gelegenheiten, bürgernah zu verwalten und zu gestalten.

  3. Friedhelm

    Donnerwetter aber auch! Sogar die Stormarnbeilage hat diesem Thema einen Kommentar gewidmet und sich dabei selbst tüchtig gelobt, und auch die Grünen haben sich auf die Schulter geklopft, wie toll sie das gelöst hätten. Alles nach dem Motto, wenn niemand anders mich lobt, muss ich das wengistens selbst tun!

  4. Britta S.

    Hallo Friedhelm,
    einen Anflug von Selbstkritik dürfen Sie bei Michael Sarach oder Ralph Klingel-Domdey nicht erwarten. Die Herren verkünden ihre Meinung im Brustton der Überzeugung, auch dann, wenn es nur heiße Luft ist.

  5. Ahrensburgbewohner

    Ein toller Artikel! Vielen Dank für diesen grandiosen Rückblick! Auf dass es im nächsten Jahr ähnlich spannend wird und endlich gemeinsam die Projekte in Ahrensburg angegangen und erledigt werden.

  6. Martens

    Hallo Herr Dzubilla! Wann haben Sie denn das Foto mit den beiden Reitern gemacht? Kann man das auch als Posterbekommen…..? 😉

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