Flächennutzungsplan: Warum muss die Stadt Ahrensburg um jeden Preis wachsen, Herr Bürgermeister!?

Am Dienstag, dem 26. September 2017, versammeln sie sich mal wieder, nämlich die Einwohner von Ahrensburg im Marstall Alfred-Rust-Saal. Jedenfalls sollten sie es tun, denn dort geht es um eine nicht unwichtige Angelegenheit, die alle Einwohner von Ahrensburg betrifft. Und da brodelt etwas im Untergrund der Stadt, weil vielen Bürgern stinkt, was sie erkannt haben oder zumindest ahnen: Die städtische Verwaltung will uns mal wieder mit ihren Zahlentricks übertölpeln.

Hintergrund ist folgender: Wenn Sie sich mal den Entwurf des Flächennutzungsplans im Internet anschauen, dann wird Ihnen auffallen, dass der Berechnungszeitraum für die bereits erstellten Baueinheiten nur bis 2013 reicht. Die Forderungen nach zusätzlichem Wohnraum von Seiten der Verwaltung gehen also auf völlig veraltetes Zahlenmaterial zurück. Sarach & Co ignorieren somit alles, was zwischen 2014 und 2017 in Ahrensburg tatsächlich bereits gebaut wurde und behaupten im Rahmen des Planes, dass über 1800 Einheiten bis 2025 gebaut werden müssten. Das aber ist absoluter Unfug.

Tatsächlich hatte Ahrensburg bereits Ende 2016 die avisierte Bevölkerungszahl von 2025 erreicht. Was bedeutet: Diese Einheiten sind längst gebaut worden, beispielsweise am Erlenhof und an vielen anderen Orten in der Stadt. Trotzdem aber will die Verwaltung im Landschaftsschutzgebiet in Ahrensburg-Süd neue Baugebiete ausweisen. Warum, um alles in der Welt? Weil sich die Pensionsansprüche des Bürgermeisters mit der Zahl der Einwohner erhöhen oder warum sonst…?

Die städtische Verwaltung arbeitet also bei allen Vorlagen für die Stadtverordneten mit falschen Zahlen. Die Verwaltung ist auch nicht den Forderungen des Landes nachgekommen, den Flächennutzungsplan gründlich zu überarbeiten und  das Zahlenmaterial von 2013 auf den aktuellen Stand zu bringen.

Man könnte auch im Klartext sagen: Die Verwaltung hat einen Flächennutzungsplan in Auftrag gegeben (und dafür viel Kohle verheizt!), der in der jetzigen Form bereits Altpapier, sprich: für den Schredder ist.

Wer zieht hier die Strippen, um unsere Stadt noch mehr vor die Löwen zu werfen, sprich: Baulöwen!? Wollen wir wirklich die Grenzen sinnvollen Wachstums brutal überschreiten, wohl wissend, dass es für viele Bürger dann nicht mehr das Ahrensburg sein wird, das wir kennen, lieben und wo wir uns heute schon nicht mehr ganz so wohlfühlen wie gestern…?

Ausgangsfragen: Wer hat eigentlich vorrangig Interesse an neuem Wohnraum in siedlungsartigen Großprojekten in Ahrensburg? Die Verwaltung? Die Stadtverordneten? Die Landesregierung? Die Investoren? Die Bauunternehmer? Die Makler? Die Banken? Kapitalanleger? Leute von außerhalb? Oder vielleicht die örtlichen Bestattungsunternehmer?

Oder dienen solche Bauvorhaben wirklich den Einwohnern im heutigen Ahrensburg? Für die aber sollen Verwaltung und Stadtverordnete ausschließlich tätig sein – oder habe ich das missverstanden…?

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am 12. September 2017

25 Gedanken zu „Flächennutzungsplan: Warum muss die Stadt Ahrensburg um jeden Preis wachsen, Herr Bürgermeister!?

  1. Fritz aus Ahrensburg

    Selbst wenn es nötig wäre, neue Baugebiete zu erschließen, gäbe es keinen Sinn, dafür Landschaftsschutzgebiete zu opfern. Ahrensburg würde damit den grünen Charakter der Stadt endgültig zerstören.

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  2. Frank B.

    Der Ahrensburger Bürgermeister behauptet unverdrossen, das Land würde von der Stadt verlangen, dass neue Baugebiete erschlossen werden müssten. Wie sich allmählich herausstellt, hat die Stadt Ahrensburg die bis 2025 geforderten Wohneinheiten aber längst geliefert. Wir müssen also leider davon ausgehen, dass der Bürgermeister versucht, die Bürger hinters Licht zu führen.

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    1. Frau Behnemann

      Manhagener Allee (ehm. Klinik), Lindenhof, Alte Reitbahn und 2 x Hamburger Straße – riesige Bauprojekte, die dort entstehen und entstehen werden. Warum will der BM auch noch unserer Naturschutzgebiet verbauen? Und für wen? Und warum sind auf dem Erlenhof so wenig oder gar keine Einheiten im sozialen Wohnungsbau entstanden, z. B. vom Verein Heimat? Wer hat das verhindert?

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  3. Britta S.

    Im Februar dieses Jahres hat die Stadt Ahrensburg vom Land einen „blauen Brief“ bekommen, in dem sie aufgefordert wurde, die bisherigen Bedarfszahlen im Flächennutzungsplan grundsätzlich zu überarbeiten und den FNP bis zum Jahr 2030 fortzuschreiben. Weder das eine noch das andere ist seither umgesetzt worden. Stattdessen versuchte die Verwaltung, anhand völlig veralteter Zahlen einen nicht vorhandenen Bedarf an Wohnraum zu unterstellen und die Stadtverordneten aufgrund dieser längst überholten Zahlen zu einer schnellen Abstimmung zu drängen. Viele Bürger haben es inzwischen bemerkt: Wenn die Verwaltung auf eine schnelle Abstimmung drängt, ist in der Regel etwas faul.

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  4. Volker

    In dem Entwurf zum FNP vom September 2014 war zu lesen, dass die Stadt problemlos Zugriff haben kann auf die Flächen im Landschaftsschutzgebiet, die zukünftig als Baugebiete ausgewiesen werden sollen. Aus einer derartigen Formulierung kann man durchaus schließen, dass es geheime Absprachen gibt zwischen dem bisherigen Eigentümer dieser Flächen und der Stadt Ahrensburg. Bekanntlich ist die Gewinnmarche dann am höchsten, wenn landwirtschaftliche Flächen in Baugebiete umgewandelt werden. Dieser Entwurf aus dem Jahr 2014 ist heute auf einmal merkwürdigerweise nicht mehr im Internet zu finden.
    Als interessierter Bürger wundere ich mich inzwischen doch darüber, was sich hier abspielt.

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  5. Rüdiger

    Ist es nicht erstaunlich, dass im Entwurf zum neuen F-Plan und genau so in der Berichterstattung der Ahrensburger Presse nicht erwähnt wird, dass alle neu ausgewiesenen Flächen für die zukünftige Bebauung im Landschaftsschutzgebiet liegen?

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  6. Bruno

    Inwiefern ist die Stadt Ahrensburg überhaupt berechtigt, Landschaftsschutzgebiete als Baugebiete auszuweisen? Offensichtich werden hier Entscheidungen vorangetrieben, ohne dass die dafür zuständigen Naturschutzbehörden zuvor konsultiert wurden.

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  7. Britta S.

    Hallo Herr Dzubilla,
    über die Forderungen des Landes an die Stadt Ahrensburg wird viel spekuliert. Tatsächlich wurde der „blaue Brief“ des Landes an die Stadt einmal Anfang des Jahres in der Stormarnbeilage abgedruckt. Wäre es möglich, dass Sie diesen einseitigen Brief einmal in Ihrem Blog abdrucken , damit die Leser sich selbst Ihre Meinung bilden können?
    Viele Grüße
    Britta

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  8. Britta S.

    Es wäre schon wichtig, den Brief im Original zu lesen, weil der Bericht in der Stormarnbeilage wichtige Forderungen unter den Tisch fallen lässt. Zudem erfasst die Stormarnbeilage fast nur die Meinung der Verwaltung. Die Verwaltung jongliert auch hier mit Zahlen, um den Leser zu verwirren.

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  9. H.J. Lange

    Hallo Herr Dzubilla,
    Sie fragen oben in Ihrem Artikel / Zitat:
    „Oder dienen solche Bauvorhaben wirklich den Einwohnern im heutigen Ahrensburg? Für die aber sollen Verwaltung und Stadtverordnete ausschließlich tätig sein – oder habe ich das missverstanden…?“
    Meine Antwort: Ja, haben Sie missverstanden, wenn ich Ihre Frage ernst nehme.
    Denn:
    1) Einerseits brauchen die heutigen Einwohner tatsächlich keine -zweite- Wohnung. Suchen sie jedoch bereits eine sog. „bezahlbare Wohnung“ kann es die auch zukünftig nicht geben, wenn die Ahrensburger
    2) durch baurechtliche Grenzzäune weiteren Wohnungsbau verhindern wollen – wie es zumindest die Meinungen in diesem Blog zeigen.
    3) Die zweifelsfrei bestehende Nachfrage nach Wohnraum kann auch der Bürgermeister nicht auf Null zurückbremsen.
    4) Die Problemlösung liegt in der verstärkten Nutzung von Flächen -innerhalb- der heute schon baulich genutzten Flächen. Übrigens eine Forderung der „Zukunftswerkstatt“ 2008.
    5) Richtig Herr Dzubilla, auch Sie haben bereits die alte und richtig Idee propagiert, „in die Höhe“ zu bauen.
    6) Dafür habe auch ich schon 2008 Vorschläge vorgelegt – bis heute. Beispielsweise konzentriert im Nahbereich von U- und S-Bahnstationen, über dem so genannten „Tunnel“ usw.
    HJL

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  10. Frieda B.

    Hallo Herr Lange,
    Sie haben Recht, dass Innenverdichtung Vorrang haben muss vor der Erschließung neuer Baugebiete. Ich habe aber nicht feststellen können, dass die Kommentatoren in diesem Blog jegliches Wachstum ablehnen. Sie haben sich lediglich dagegen ausgesprochen, in den kommenden Jahren neue Baugebiete auf der grünen Wiese zu erschließen. Wer in die Landschaftsschutzgebiete eingreift, zerstört langfristig die grüne Lunge und damit die Lebensqualität der Stadt Ahrensburg.
    Ich stimme Ihnen zu, dass die Stadt Ahrensburg bei der Innenstadtverdichtung viele Möglichkeiten überhaupt noch nicht angedacht hat. Und so lange diese Möglichkeiten zur Innenstadtverdichtung nicht zu Ende gedacht sind, sollte die Erschließung neuer Baugebiete auf der grünen Wiese wieder aus den Plänen gestrichen werden.
    Gruß
    Frieda

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    1. H.J. Lange

      Hallo Frieda B.,
      das ist richtig. „Bezahlbarer Wohnraum“ kann nicht in einer Siedlung aus Einfamilienwohnhäusern und auf der „grünen Wiese“ entstehen. Das gelingt nur, wenn die nachgesuchten Wohnungen übereinander gestapelt werden. Und wenn die Bewohner ohne Pkw und ohne Lastenfahrrad auskommen, weil sie direkt über S.- und U-Bahn wohnen können – also z.B. im Bereich U-Bahnhof Ahrensburg West.
      HJL

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  11. Bruno

    Die Verwaltung der Stadt Ahrensburg will anscheinend immer noch nicht begreifen, dass das Bauen auf der grünen Wiese erhebliche Verkehrsprobleme nach sich zieht. Jede neue Siedlung am Stadtrand führt dazu, dass dort Familien einziehen, die pro Haushalt in der Regel 2 PKWs benötigen, um ihr Leben am Stadtrand zu bewältigen. Ahrensburg hat in der Vergangenheit alle paar Jahre ein neues Baugebiet am Stadtrand entwickelt, obwohl das vorhandene Straßennetz dafür gar nicht ausgelegt ist. Die Staus und die Verkehrsprobleme in der Innenstadt sind die Folge davon. Aber auch diese Zusammenhänge werden von der Verwaltung bei den weiteren Planungen einfach ignoriert.

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    1. Harald Dzubilla Artikelautor

      Und um die Innenstadt von Einkäufern zu entlasten, werden Parkplätze abgebaut statt neu geschaffen. Und bestimmt soll dann das Lastenfahrrad zur Pflicht für alle Bürger werden. Bei Amazon & Co. lacht man sich darüber bestimmt schon kaputt genauso wie in den Hamburger Einkaufszentren. Und die Mitglieder vom Ahrensburger Stadtforum gucken wie die Kaninchen auf die Schlangen in Rathaus und Politik.

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  12. Fritz aus Ahrensburg

    Wer immer weiter auf der grünen Wiese baut, muss damit rechnen, dass die Verkehrsbelastung auf den Straßen der Stadt steigt. Die Stadt Ahrensburg tut aber so, als seien die vielen Autos vom Himmel gefallen. Dabei ist der zunehmende Verkehr eine direkte Folge der hiesigen Baupolitik.

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  13. Sandra

    Die Stadt will bis 2025 riesige neue Baugebiete in Ahrensburg-Süd erschließen. Dabei fehlen massenhaft Kita-Plätze für die Familien, die in den letzten Jahren bereits nach Ahrensburg gezogen sind. Da hat man also viele junge Familien nach Ahrensburg gelockt, um sie dann bei der Kinderbetreuung im Regen stehen zu lassen. Unter solchen Voraussetzungen wäre es verantwortungslos, noch mehr neue Baugebiete zu erschließen.

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  14. Volker

    Hallo Sandra,
    genau so ist es. Jetzt will man bereits die nächsten Baugebiete erschließen, obwohl für die Familien, die bereits vor Ort wohnen, hunderte von Kita-Plätzen fehlen. Hier geht es wohl mehr um das Wohl der Baugesellschaften, die hier ihre Standardhäuser im Dutzend hochziehen wollen, als um das Wohl der Menschen, die bereits in Ahrensburg wohnen oder dort hinziehen möchten.
    Volker

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  15. "Ahrensbürger"

    „Quo vadis Ahrensburg, Ahrensburg WOHIN“
    Am besten zur
    Einwohnerversammlung am 26. September 2017
    (Festsaal der Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule, Wulfsdorfer Weg 71, 22926 Ahrensburg, 19.00 Uhr) !

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